Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1895)
- Date
- 1895-03-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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480 Am 14. ei schien eine Deputation der hiesigen Cultus-Gemetnde-Rcpräsentanz unter der Führung des Prof. Dr. Rosenbacher. Derselbe hielt eine ergreifende Ansprache an den Jubilar und sprach ihm namens der Gemeinde-Repräsentanz den Dank für deffen Verdienste um die Gemeinde und das Judeuthum aus. Herr Kahn empfing noch wettere Glückmü-rsche von dem L hrköiprr der Talmud Thoraschule, dem Nächstenliebe-, dem Central-, dem Freitisch-Verein, zahlreichen Cultus-Gemeinden und an 400 Gratulationen, welche brieflich, telegraphisch oder persönlich adgestattet wurden. Redakteur Buchhändler Jakob Brandeis überbrachte ihm die Wünsche der gesammtcn Jüd. Presse (Israelit, Jüd. Presse, Zeitung des Judenthums, Jewish Chronikle) und deffen sämmtltcher deutschen Verleger, ferner liefen Gratulationen von zahlreichen Cultus-Vorstehern, Synagogen-Vorständen und vielen hochansehnltchen Personen ein. Am 16. Abends fand ein Banket zu dessen Ehren statt, überdaS ich Ihnen demnächst berichten werde. Vermischtes. Danzig, 18. Marz. Ein bei der jetzigen Verhetzung doppelt erfreuliches Bild eonfeffionellen Friedens zeigte sich hier gelegentlich des Fortzuges unseres Rabbiners Dr. Werner, welcher nach 17 jährigem gesegneten Wirken in unserer Gemeinde einem ehrenvollen Rufe nach München folgte. Nicht nur in seiner Gemeinde, sondern auch bei der Bürgerschaft und in vielen Vereinen unserer Stadt hat Herr Dr. Werner sich die allgemeine Liebe und Achtung zu erwerben gewußt; daS zeigten die ihm bei seinem Scheiden in ungewöhnlichem Maatze dargebrachten Ovationen und Ehrungen aller Art. Der ca. 800 Mitglieder zählende Allgemeine Bildungs-Verein und der etwa 700 Mitglieder starke kaufmännische Verein von 1870 ernannten Herrn Dr. Werner zum Ehrenmitglied und überreichten ihm in öffentlichen, äußerst zahlreich besuchten feierlichen Sitzungen kunstvoll ausgeführte Ehrendiplome. Der Thirrschutz Verein, in welchem Herr Dr. Werner seit Jahren manchen Strauß in der leidigen Schächlsrage zu bestehen gehabt hatte, ernannte ihn zum correspondirenden Mitgliede. Herr Oberbürgermeister Dr. Baumbach arrangirte, bis dahin durch Krankheit verhindert, noch in letzter Stunde ein geselliges Zusammensein von Mitgliedern des Magistrats, der Stadlverordnelen, des litterarischen Vereins etc. mit Herrn Dr. Werner im Rathsweinkeller, bei dem schwungvolle Reden gehalten wurden, und in einem herzlichen Schreiben sprach der Magistrat dem Scheidenden den aufrichtigen Dank aus für die Pflichttreue, mit der er das Amt eines ReligionSlehrerS an den höheren Schulen so erfolgreich verwaltet habe. „Wir werden deffen eingedenk bleiben," heißt es in dem Schreiben, „daß Sie weit über den Kreis Ihrer hohen Gaben und mit warmem Herzen für alle Best ebungen auf dem Gebiete der Volksbildung sowie für alle Werke echter Humanität eingetreten sind." Daß bei allen diesen Ehrungen die Synagogen Gemeinde nicht zurückblieb, ist selbstverständlich. Dieselbe gab ihrem scheidenden Seelsorger im großen Saale des Schützenhauses ein solennes Abschiedsfest, welches einen wahrhaft erhebenden Verlauf nahm. Neun lange prachtvoll geschmückte Tafeln waren bis auf den letzten Platz besetzt, eine Änzahl Damen wohnten dem Feste in der großen Loge des Saalebei. Nach dem Kaisertoast gab der Vorsitzende der Gemeinde den Gefühlen derselben Ausdruck und übergab Herrn Dr. Werner, der gebeten hatte von einem ihm zugedachten Ehrengeschenk Abstand zu nehmen, die Urkunde einer statt deffen errichteten Werner-Stiftung, deren Zinsen an den Todestagen seiner Eltern an Arme vertheilt werden sollen. Die Chewra kadischa hatte ihn zum Ehrenmitgliede ernannt und überreichte ein mit Ansichten der Synagoge und anderer Danziger Bauwerke geschmücktes künstlerisch ausgeführtes Diplom in prachtvoller Mappe, ebenso die Israelitische Sterbelade. Aber auch Frau Dr. Werner erhielt von allen Seiten Beweise der Liebe und Zuneigung. Die Frauen der Gemeinde verehrten ihr einen prachtvollen Blüthner'schen Flügel, verschiedene Vereine überreichten ihr Dank-Adressen und dgl. und bis zum letzten Augenblicke liefen große und kleine Geschenke aller Art bei den Scheidenden ein. — Nachdem nun die Feststimmung vorüber ist, tritt die Frage der Neubesetzung der Stelle an die hiesige Gemeinde heran. Man würde nur sehr ungern den sonst üblichen Weg der öffentlichen Ausschreibung beschreiten und hofft durch Berufung zum Ziele zu gelangen, obgleich er ja nicht ganz leicht sein wird, einen Nachfolger für einen Mann zu finden, der nicht nur in der Gemeinde und auf der Kanzel segensreich wirkte, sondern überall zu finden war, wo es galt, wie es in dem Dankschreiben des Magistrats heißt, für Bestrebungen auf dem Gebiete der Volksbildung sowie für alle Werke echter Humanität einzutreten. Uerrllleto». 4^5 Uur eine Tochter. As Erzählung von H. Berger. 28.) (Alle Rechte Vorbehalten. Auf hoher See schaukelte sich ein hohrr Dampfer, aus dessen riesigen Schornsteinen eine schwarze Rauchwolke qualmt. In rascher Fahrt durchschneidet er die Fluth und stolz blähen sich die weißen Segel vor der frischen Briese, die aus dem Norden zieht und den „Nnbian" seinem Ziele, dem Cap der guten Hoffnung, immer rascher zutretbt. Zum fünfzigsten Male machte das Schiff schon dte Fahrt zwischen Hamburg und der Capstadt und der Capitän des stolzen Schiffes erwartete bet seiner diesmaligen Ankunft im Hafen von Capstadt eine großartige Ovation seitens der Rhederet, für dte er fuhr und der Geschäfte, die in reger Geschäftsverbindung mit Europa standen. Jetzt stand er auf der Commandobrücke und blickte mit seinen Hellen Augen nach dem Horizont, auf deffen äußersten Rande sich die Conturen einer Insel zeigten. Neben ihm stand eine junge Dame von schöner Gestalt, die mit einem Fernrohr versehen, den Worten des Seemanns lauschte und den Bewegungen seiner Hand folgte. „Das ist St. Helena, welches jetzt am Horizonte aus dem Meere auftaucht," sagte der Capitän und das Glas der Dame richtet sich auf die Insel.