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Der Israelit · 1895-03-25 · Heft 24 (25.3.1895) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 24 (25.3.1895)
Date
1895-03-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rede Herrn Dr. Kohn als Gast zu begrüßen. — Anschließend hieran reihte sich der Toast des Herrn Apothekers Hirschheimer auf die Mutter des zu Feiernden, welcher ebenso wie die Worte des Herrn Neuburger, der Armen bei diesem Feste nicht zu vergessen, lebhaften Anklang fand. — Herr Dr. Kohn dankte dann in langer, lebhaft applaudierter, greistretcher Rede für die Worte der Begrüßung, versprach, allen ein treuer Berather sein zu wollen, namentlich den fast vollzählig erschienenen Herren Lehrern, und stellte seinen Besuch den zum Rabbinatsdistrikte gehörige« Gemeinden bald in Aussicht, betonend, wie er sich glücklich schätzen würde, überall, wie er nicht zweifle, als Friedensbringer etnziehen zu können. — Im Namen der Herren Kantore und Lehrer dankte nun deren Senior Herr Hofmann aus Rothenburg, welcher sich freute, namens der Kollegen sagen zu können, daß sie in ihren Gefühlen mit Sr. Ehrwürden fich eins wissen. Seine zündende, bkifälltg aufgenommene Rede endete mit einem Hoch auf Herrn Dr. Kohn. — Später folgte von Setten der anwesenden Herren Lehrer ein erhabener, zu Herzen gehender Gesang. — Herr Lehrer Oppenheimer-Leutershausen, welcher einen humoristischen Vortrag, dem das Wetter als Grundlage diente, mit einem Toaste vereinte, erntete verdienten Beifall. — Die begeisterte Festesstimmung wurde noch durch einen weiteren Toast des Herrn G. Weil auf die so zahlreich anwesenden auswärtigen Kultus Vorstände und deren Mitglieder erhöht und der Dank für die gebrachten zeitlichen und pekuniären Opfer ausgesprochen. — Ferner wurde des Herrn Bürgermeister Keller in freundlichster und rühmender Weise gedacht, welcher unfern Herrn Diftriktsrabbiner in so liebenswürdiger Weise eingeführt, welcher so herzliche Worte für ihn hatte, kurz und gut, es herrschte die freudigste Festesstimmung. — Biele Telegramme, welche von Freunden aus nah und fern, darunter mehrere aus London, und von seinen Amtsbrüdern etngelaufen waren, wurden verlesen und jubelnd ausgenommen. Bevor die the-lweise weit hergereisten Mitglieder, Freunde und Verwandte des Herrn Dr. Kohn sich verabschiedeten, sprachen noch einiae, wie Herr Fabrikant Grünbaum- Nürnberg, Herr Weißkopf und Herr Ansbacher aus Würzburg. Ersterer gab einen reichen Schatz paffender biblischer Citate zum besten, letzterer unter Anspielung auf seinen Namen reizende bon mots. Reicher Beifall belohnte auch diese Redner. Inzwischen war es Abend geworden und die Eisenbahn entführte uns unsere lteben Gäste nach allen Windrosen. Sicherlich haben st; alle nur angenehme Erinnerungen mit nach Hause genommen. — Allgemein auffallend war es den zahlreich erschienenen Vorständen der Dtstrtktsgemetnden und den christlichen Mitbürgern, welche dem Gottesdienste in der Synagoge anwohnten, daß die hiesige Cultusverwaltung nicht nur bet diesem Gottesdienste, beider feierlichen Einholung des Herrn Rabbiners, sondern auch bei besten Jnstalltrung auf dem Rathhause und dem Festmahle durch ihre Abwesenheit glänzte. Heißt das den Frieden in der Gemeinde und im Distrikte fördern? Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 9. März. Gestern vollendete, wie wir bereits mehrfach berichteten, der hiesige deutsche Romanschriftsteller Salomon Kohn, dessen Name weithin bekannt ist, und besten Werke zum Theil eine ganz ungewöhnliche geographische Berb.e'ltung gefunden haben, sein stebenztgstesLebensjahr. Kohn trat zu einer Zeit erfolgreich hervor, in der es nicht leicht war, von hier aus Eingang in die deutsche Literaturwelt zu finden. Der Vormärz. der zuletzt ein reiches geistiges Leben geweckt hatte, war abgeblüht, dte neuere und freiere Zeit, welche die literarischen Kräfte wieder unter vem nationalen Banner zusammenfaßte und ermunterte, noch nicht angebrochen,- in dieser ungünstigen Zeit, in den Fünfziger-Jahren, gehörte Kohn zu den wenigen, vereinzelt dastehenden literarischen Kräften, die sich von hier aus den Weg bahnten und für die ungebrochene deutsche Producttonskraft auf literarischem Gebiete ehrenwerthrs Zeugniß ablegten. Aus Anlaß des Jubiläums begab sich gestern Vormittag eine Deputation des deutschen Schriftsteller- und Künstlerveretns „Concordia", bestehend aus dem Obmann Dr. Alfred Klaar und dem Geschäftsführer Dr. Friedrich Adler, in die Wohnung des verdienstvollen Beterans der hiesigen Schriftstellerwelt, um ihm die Glückwünsche des Vereins zu überbringen. Dr. Klaar gedachte in seiner Ansprache der Erfolge des Gefeierten, insbesondere des „Gabriel", der wie der Gabriel im „Faust" dte Reise um die Erde gemacht, gab der Freude über die ungebrochene Schaffensfreudigkeit und Schaffenstüchtigkeit des Jubilars Ausdruck und hob hervor, daß der Schriftsteller Kohn seinem Talente und seinen Erfolgen allezeit den Rückhalt einer ehrenfesten Gesinnung gegeben. Der Jubilar erwtederte, sichtlich ergriffen, mit herzlichen Dankesworten, in denen er betonte, wie hoch er die Anerkennung der schriftstellerischen College« anschlage; immer habe ihm vorgeschwebt, daß der Schriftsteller einen großen Beruf habe, und daß er bestimmt sei, seinem Volksthum ein Lenker zum Guten zu sein. Dte Deputation überreichte sodann mit erneuten Glückwünschen an den Gefeierten und dessen Gemahlin das Ehrengeschenk der „Concordia", ein schönes, im Rcnaiffancegeschmack ausgesührtes silbernes Schreibzeug mit goldener Feder.

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