Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1895)
- Date
- 1895-03-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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478 dies eine Sette von Gottes liebender Waltung. die oft in unserem heiligen Schriftthum, besonders häufig aber in unseren Gebeten wiederkehrt. So heißt es z. B. in dem rivn-Gebete: un?y run ny 'k 'n üfftan i'iON uiary *]wn „Bis hierher hat uns Dein Erbarmen beigestanden, hat uns deine vielseitig sich manifestirende Liebe nicht verlassen, du wirst uns (daher) auch nicht für die Ewigkeit preisgeben." Versetzen wir uns in die Seelenftkmmung eines Moscheh in dem Moment, als er beim ersten Anblick des Manna die Worte sprach bw non ub —Wohl wußte ein Moscheh, daß, wenn ihm Gott gebietet sein Volk in die Wüste zu führen, daß er ihm auch die Mittel zur Fristung des Daseins gewähren werde. Aber wie das Bedürfniß nach Nahrung für Millionen Seelen in der kahlen Oede befriedigt werden sollte, darüber mögen selbst ihn, auf dem im menschlichen Kreise die ganze Verantwortung für diesen Zug in die Wüste ruhte, bange Zweifel beschlichen haben. Und nun stecht er diese einzig dastehende Veranstaltung, die für jede einzelne Hütte jeder einzelnen Seele den Tisch mit himmlischem Wunderbrod deckt! Durfte, mutzte er angesichts eines solchen Wunders nicht seine Wiederholung voraussetzcn? rrapn Tay *b Das Wunder wäre ja zwecklos gewesen, wenn es sich nicht während der ganzen Wüstcnwanderung täglich wiederholte. Es galt doch den Trägern Seines großen Namens! Es gilt noch heute den Bekenner» und Herolden Gottes, dessen Sache jeder Bisten fördert, der sie mit neuer Kraft für den Dienst Gottes ausgestattet! Wenn Gott sein ganzes großes Weltall speist und versorgt, vom Sonnenball über unseren Häuptern bis zum Wurm unter unseren Füßen, dann wird er auch uns nicht Mangel leiden lasten, um feines großen Namens willen, der mit jedem Athemzuo, den wir athmen, so innig verknüpft ist. Er giebt ja allen seinen Geschöpfen nicht nur ihre Nahrung, sondern er hat die Nahrung noch vor denjenigen geschaffen, die sich von ihr nähren sollen. Wie Gott den ersten Menschen ins Dasein gerufen, nachdem er zuerst die ihn versorgende Welt geschaffen, so hat er heute noch allen seiner Geschöpfen ihre Nahrung vorbereitet — znv po — bevor sie derselben bedürfen- Vor dem Bedürfniß ist bereits für seine Befriedigung gesorgt. In dieses trostreiche Bewußtsein klingt die erste Beracha unseres Tischgebets aus, die nach unserer bisherigen Auffaffung lautet: „Gesegnet seist Du Gott unser Gott, König der Welt, der seine ganze Welt mit seiner Güte speist; Er giebt auch mit entsprechender Würdigung, mit Liebe und Erbarmen, Brod allem Fl et sch e, denn seine Liebe wahrt ewiglich. — Durch seine große Güte hat Erunsnichts fehlen und wird Er uns ewig nicht an Nahrung fehlen lassen, um seines großenNamens willen. Denn Er speist und versorgt das Universum, läßt seine Güte walten über dem Universum und bereitet die Nahrung vorallen Geschöpfen, die Er geschaffen hat. Gesegnet seist Du Gott, der das Universum speist." Zeitungsnachrichten und Cvrrespondenzeu. Deutschland. Ausbach, 13. März. Heute Vormittag 11 Uhr fand im Rathhaussaale durch Herrn Bürgermeister Keller als Regterungskommiffar die feierliche Vereidigung des nach Wahl vom 23. Mai 1894 laut hoher Regierungs-Entschließung zum Distrikts - rabbiner ernannten Rabbiners Herrn Dr. Pmchas Kohn aus Kleinnerdlingen statt. Nach der vorgenommenen Vereidigung beglückwünschte Herr Bürgermeister Keller den neuernannten Distriktsrabbkner, dabei wünschend, daß es ihm trotz der derzeitigen mißlichen Veihältnisse mit Gottes Hilfe gelingen möge, den Frieden und die Einigkeit in der israelitischen Gemeinde wieder herzustellen. Zum Schluß stellte der Herr Bürgermeister Hrn. Rabbiner Dr. Kohn den sehr zahlreich anwesenden Vertretern der zum Diftriktsrabbinat gehörigen Cultusgemcinden als den von der k. Regierung ernannten neuen Dtstriktsrabb. vor, dessen Weisungen sie nachzukommen hätten. An diese Vereidigung schloß sich um V* 2 Uhr die feierliche Antrtitsrkde des Herrn Dr. Kohn in der Synagoge, die ihres versöhnlichen, zum Frieden und Eintracht mahnenden Charakters wie auch der gezeigten oratorischen Begabung wegen ungetheillen Beifall fand und gewiß dahin führen wird, des Vergangenen zu vergessen und die Streitaxt endgiltig zu begraben. An dem Nachmittags stattgehabten Festessen zu Ehren der Jnstallirung des neuen Rabbiners in der kgl. Orangerie nahmen ca. 100 Personen thetl. Dasselbe verlief in der heitersten Stimmung und war durch Reden und Toaste abwechselungSwetse gewürzt. Zunächst ergriff Herr Jakob Weil das Wort, um in kerniger Sprache ein Hoch auf Sr. K. Hoheit den Prinz-Regenten auszubringen, tu welches die Versammlung degeistert einfttmmte. Auf ein gleichzeitig an Se. K. Hoheit abgesandtes Huldtgungstelegramm lief Rückantwort ein, welche besten Dank besagte. — Hierauf sprach Herr Gustav Weil im Auftrag des hiesigen Festkomites, um in längerer