Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-03-25 · Heft 24 (25.3.1895) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 24 (25.3.1895)
Date
1895-03-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448584--40461-2489375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

476 Mahnung ein: *vrin bo rw ri-»2N „Gedenke des ganzen Weges, den Dich Gott Dein Gott nun vierzig Jahre in der Wüste geführt hat, dich deine Armuth fühlen zu lassen, dich als Wahrzeichen hinzustellen, damit du erkennst, wie es mit deinem Herzen steht, ob du seine Gebote hüten wirst oder nicht. Er ließ dich deine Armuth fühlen nnd ließ dich hungern und speiste dich mit dem Manna, das du nicht gekannt und das deine Väter nicht gekannt, um dir so kund zu thun, daß nicht vom Brod allein der Mensch lebt, sondern auf allem, was dem Munde Gottes entstammt der Mensch lebt.-Nun hüte die Gebote Gottes in seinen Wegen zu wandeln und ihn zu fürchten, wenn Gott, dein Gott dich in ein gutes Land bringt, zu einem Land mit Wasserbächen, Quellen und Flüssen, die in Thal und Berg entspringen, ein Land mit Weizen, Gerste Weinstock, Feigen und Granatäpfeln, ein Land mit Oliven und Dattelhonia.-ronni njD«n Wenn du dann geg'ssen hast, dann segne Gott für das Land, das er dir gegeben". Wenn wir uns zu Tisch niedersetzen, so blicken wir, indem wir unser Brod brechen, zu Gott empor, pwn 10 on^ antion der das Brod aus der Erde bringt. Der Segevsspruch, den wir aber nach dem Genuß unserem unsterblichen, großen Lehrer nachsprechen, ist von ihm über a'&vn jo onb, über Brod, das dem Himmel entstammt, zuerst gesprochen worden. Daß wir über unser irdisches Brod denselben Segen sprechen, welcher ursprünglich für das Himmelsbrod bestimmt war, leat die Erwägung nahe, daß in beiden Fällen die wunderbare Gotteswaltung dieselbe ist, mag sich die Pforte des H mmels oder der Schooß der Erde öffnen, um das Brod den hungernden Menschen zu beschaffen. Vielleicht ist das Weizenkorn, dessen Triebkraft die Scholle durchbricht und die Frucht vervielfältigend erzeugt, kein geringeres Wunder als das Manna, welches der Himmel unmittelbar spendet. Und wenn wir in dem heißen Kampfe um das Brod vielleicht geneigt wären, die Väter und Mütter zu beneiden, welche mühelos vor ihren Thüren das Brod nur aufzusammeln hatten, so braucht man nur die Mahnung -jmn bo mn man bit ganze Wanderung von Egypten durch die Wüste in das gelobte Land sich einmal so zu vergegenwärtigen, daß man als selber zu dem großen Zuge gehörig sich in seine eigenthümliche Lage versetzt, um zu einer anderen Ansicht zu gelangen. — Die Himmelspeise, die Gott reichte, durfte nicht dey Bedarf des Tages überschreiten, an dem und für den fie gefallen war. Wer meür davon sammeln, wer davon für den anderen Tag aufbewahren wollte, hatte es damit den Würmern überantwortet. Wenn in der Nacht ei« hungerndes Kind Brod verlangt hatte, so hatten die Eltern diesem Verlangen nicht entsprechen können. Sie durften nichts bis zum anderen Tage übrig laffen. Dieser Umstand hat schon damals das tägliche Brod zum Prüfstein für die ganze Gesinnung gemacht, mit dem sich unser Wandel in Gottes Wegen vollzieht. Wollten wir dieses rückhaltlose Gottvertrauen, zu dem uns das tägliche Brod in der Wüste erzog, auch in unserem heutigen Erwerbs- und Genußleben bewähren, so würde die Frtstung unseres Daseins keinen Kampf erfordern. Was den Kampf des Tages entfacht und entfesselt, das ist die Sorge um den morgenden und um alle anderen Tage. Wären wir von der Wahrheit durchdrungen ontnn *]rmoN nm daß neu mit jedem Morgen Gottes Liebesgröße in immer neu verjüngter Kraft waltet, dann schämten wir uns des Kteinmuths, der trotz der heutigen Fülle für den morgenden Tag zittert. Diese Sorge aus der Brust zu bannen und die Gedanken an Gottes fürsorgende Liebeswaltung, die jedem einzelnen gewährleistet ist, neu zu beleben, zu festigen und unverlierbar zu bewahren und bewähren, das ist der Segen, den unser Tischgebet athmet und den er seinen Betern bringen möchte. Versetzen wir uns in die Lage der aus Egypten in die Wüste Gezogenen, die ihr tägliches Brod einem jeden Tag neu stch wiederholenden Gottes - wunder verdankten, und die, wenn sie ihr zugemeffenes Mahl verzehrt hatten, auf eine neue unmittelbare Himmelsspende angewiesen waren! Und wenn fie ausbliebe? Diese Frage nicht aufkommen zu lassen, ist der Segen unseres Tischgebets und speziell der ersten von unserem Lehrer Moscheh Angestchts des herniederfallenden Mannas angeordneten Beracha. Bin ich da, um Gottes Willen in seiner Welt zu erfüllen und somit den Segen Gottes in seine Welt zu leiten, damit Gott durch mein Genießen und die Kraft, die mir der Genuß zu neuem Weiterwirken gewährt, gesegnet, -p*d werde, wie könnte ich dann für die Zukunft zittern? Steht mir dieser Gott doch nicht als schemenhaftes, wesenloses Philosophem, sondern so concret, so thatsächlich nahe da, daß ich ihn nrw, mit „Du" anreden darf! Er ist 'n, der jeden künftige Moment neu gestaltet, der als „unser" Gott mit uns in besonderer Beziehung getreten ist, den jede Kreatur, die nach seinem Natur- und Sittengefetz lebt und strebt als als „König der Welt" proklamirt, wie könnte der Mund, der diesen Gedanken durch die Worte dhyn nna *]na Ausdruck gibt, fürchtend, bangend fragen: Wovon werden wir morgen leben?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.