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Der Israelit · 1895-03-21 · Heft 23 (21.3.1895) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 23 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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blieben sie festgewurzelt und konnten sich nicht wieder losrrißen. Und wie eine elektrische Erschütterung durchfuhr es die Beiden und sie wußten, daß sie sich liebten, ohne daß eines von ihnen ein Wort gesprochen hätte. Anny über kam es wie ein Taumel und schloß die Augen. Dann raffte sie sich rasch wieder auf und sagte: „Quäle mich jetzt nicht länger, mein Willy, ich bitte Dich." Widerstrebend erfüllte Willy ihre Bitte. Er hoffte, daß der Vater einen größeren Einfluß auf Anny habe, als er selbst, und daß es diesem gelingen werde, sie von der Ausführung des tollküh nen Planes zurückzuhalten. Er nahm ihre Hand, führte sie an die Lippen und sagte: „Es thut mir leid, daß ich so wenig über Dich vermag. Deiner Bitte könnte ich nicht widerstehen, wenn Du das schwerste von mir verlangen würdest, würde ich es thun, um Deine Bitte zu erfüllen, meiner Liebe zu Dir wäre nichts unmöglich, denn, liebe Anny, eben erst ist es mir zum Bewußtsein gekommen, wie ich ich Dich liebe und wie sehr ich Dich liebe. Eben erst habe ich klar erkannt, wo ich das Glück meines Lebens zu suchen habe, wo ich es sicher finden werde. Ich bin blind gewesen und jetzt eben sehend geworden. Denn. Anny. den Bruder hast Du heute verloren, um den Mann zu finden, der Dir sein Leben weihen will. Anny kannst Du mich wieder lieben, so lieben wie ich Dich liebe? Willst Du meine Braut und mein liebes Weib werden, da Du doch meine Schwester nicht bist, nicht sein kannst?" Er hatte mit leidenschaftlicher Stimme gesprochen und war ganz nahe an sie herangetreten. Sie erhob ihren Blick und sah ihm liebevoll in die Augen, während eine feine Röte ihr Gesicht und Hals überzog, dann sagte sie; „Willy, warum hast Du es ausgesprochen, ehe ich Dir eine entscheidende Antwort geben darf? Muß das Mädchen, welches einst Dein Weib wird, nicht einen makellosen Namen haben? Weißt Du nicht, welch' häßlicher Fleck noch auf dem meines Vaters, auf dem meintgen ruht?" „O, sprich nicht davon. Dieser Name ist so gut, so ehrenvoll wie nur einer in ganz Europa; er wird glänzend gerechtfertigt aus dieser Affaire hervorgehen." „Bis diese Deine Hoffnung sich erfüllt hat, erlasse mir die Antwort auf meine Frage; wenn unser Ehrenschtld wieder hellglänzend und fleckenlos voraller Welt dastehen wird, werde ich Dir gerne auf Deine Frage antworten." „Und bis dahin soll ich in Ungewißheit leben, in Ungewißheit, die schlimmer ist als eine vernichtete und zu Grabe getragene Hoffnung? Nein, Anny, so grausam kannst Du nicht sein. Gieb mir nur ein Wort, an das ich mich klammern darf, welches mein Hoffnung aufrecht erhält. —" Anny erhob sich. Sie nahm von einer kleinen Etagere ein Gebetbuch und schlug das Hallelgebet auf und mit ihrer schlanken Hand deutete sie auf den Vers: „Die Gottesfürchtigen vertrauen auf den Ewigen, ihre Hülfe und ihr Schutz ist Er." Mit leiser Stimme hatte sie die Worte des göttlichen Sängers gesprochen. Jetzt sah sie Willy ins Auge und ihr Blick und ihre Lippen sprachen nur das eine Wort: „Hoffe!" (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis der Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch >tu Buchhandel p» besiehe« bei E. F. Striuackrr, jleipsig, Deßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichtsche Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 18 Reichs-Mark, an die Expeditton franco einzusenden. Ei»< Srücksendnng von an die Rcdactio« eingesandten Manuskripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Copie zurüikzubehalten. Inhalt <Ha«-tdlatt): Leitender Artikel: Hagadah schel Peßach. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Zabrze. Karlsruhe. Oberdorf. Straßburg. — Amerika: Philadelphia. — Vermischtes. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der erste« Beilage: Leitender Artikel: Rußlands Juden nach christlichem Urtheil. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Schweiz: Baden. — Indien: Bombay. Pädagog. Beilage. Extra-Beilage: Postbestellzettel für das 2. Quartal 1895. verantwortliche Redactton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition de« „JSraeltt", Schottstraße Nr. 2, Maim. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hostuchdruckerei-Actien-lHesellschait in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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