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Der Israelit · 1895-03-21 · Heft 23 (21.3.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 23 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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457 sich nach dem Grunde ihrer Niedergeschlagenheit. Nach langem Zaudern theilte ihr Willy denselben endlich mit und klagte über das unverdiente Geschick, das den Vater so schlimm heimsuche. Anny hörte gespannt den Ausführungen Willys zu und als er geendet und Lhränenden Auges auf den Vater sah, sagte Anny: „Deshalb sollten wir verzagen! Nein. Wenn Du glaubst, daß in Süd-Afrika der Beweis für die Ehrenhaftigkeit meines Vaters gefunden werden kann, so werde i ch ihn dort suchen; i ch werde Hinreisen und mit Gottes Hilfe die Leute finden, die dafür zeugen können, daß mein Vater ein Ehrenmann ist, in dessen Händen auch kein Pfennig unrechten Gutes sich befindet" „Du, Du wolltest reisen," riefen beide wie aus einem Munde; „das kann nicht geschehen". Ader Anny sagte fest und bestimmt: „Ja, ich werde reisen." „Wozu?" entgegnete traurig der Anwalt. „Du bist ja doch nur ein Mädchen, wie willst Du etwas fertig bringen, wozu die Kraft und der Muth eines gereiften Mannes gehören?" „Ja. Vater; Gott wird mir die Kraft und den Muth verleihen, das auszuführen, was mir mein Herz zu thun vorschreibt." „Und glaubst Du wirklich?" fragte Willy, „einem Mädchen würde eine solche Sache gelingen? Wähnst Du, das sei ein Kinderspiel? Abgesehen von den Fährlichkeiten einer solchen Reise, von den Schwierigkeiten, die sich Dir dort entgegenstellen würden, würdest Du uns hier fehlen, so sehr fehlen, daß ich in keinem Falle es gestatte, daß Du dieses Project ausführst." „Und trotzdem werde ich reisen. Fanny wird an meiner Stelle den Haushalt führen, und ich werde, obschon ich nur eine Tochter bin, den Beweis für die Ehre unseres Hauses herbeischaffen." „Und an die Angst, die ick ausstehen werde, denkst Du nicht?" fragte der Vater mit gepreßter Stimme. „Gewiß werde ich daran denken und dieser Gedanke wird ein Sporn für mich sein, nicht eher zu rasten und zu ruhen bis ich meine Mtston erfüllt habe." „Aber trotzdem ist es unmöglich. Dir, einer frommen Jüdin, brauche ich nicht die Schwierigkeiten vorzuhalten, die sich einem solch abenteuerlichen Plan entgegenstellen." „Ich werde diese Schwierigkeiten alle überwinden, denn der liebe Gott wird mich schützen, seine Engel werden mich geleiten, daß mein Fuß nicht strauchle und ich heimkehre freudigen Herzens und frohen Sinnes." Mit weit in die Ferne gerichtetem Blick und wogender Brust stand Anny da und sie glich einer Seherin, welcher die Gnade Gottes die Zukunft entschleiert hat. Jetzt trat sie zu ihrem Vater heran, legte ihren Arm um seinen Hals und sagte: „Nicht wahr, mein Vater, Du ziehst mir Deine Einwilligung; daß ich nur eine Tochter bin, darf Dich nicht bestimmrn, mir dieselbe zu versagen; da einst Frauen unseres Volks von Gott gewürdigt waren, Richter über Israel zu sein, da Er ihnen Kraft und Muth und Einsicht gab. feinen Willen zu erfüllen, wird er auch mir beistehen!" „Nein, Vater, erlaube es nicht," rief Willy in der Angst seines Herzens. „Das ist keine Aufgabe für ein Mädchen, keine Aufgabe für Anny." Der Anwalt schüttelte sein Haupt und sagte: „Laßt uns einige Tage über die Sache Nachdenken; der liebe Gott wird uns schon das Rechte finden lasten." Er erhob sich, küßte Anny auf die Stirne und sagte: „Ich danke Dir, mein Kind, dafür, daß .Du Leben und Gesundheit für mich wagen willst. Ich nehme den Willen für die That und danke dem Allmächtigen, daß er mir das Glück geschenkt hat. Dich mein Kind nennen zu dürfen. Dich meine Tochter." Während der Vater sich in sein Zimmer begab, um noch in den heiligen Büchern Rath und Trost zu suchen, versuchte Willy seine ganze Ueberredungskunft, Anny von dem abenteurltchen Plane abzubringen, aber vergebens. Er bat, er flehte, er stellte ihr die Gefahren vor, denen sie entgegenging, sie blich bei ihrem Entschluß." „Es gilt die Wiederherstellung der Ehre unseres Hauses," sagte sie, „und da schweigen alle Bedenken." „So will ich reisen," sagte endlich Willy, „und einen College» bitten, während meiner Abwesenheit meine Geschäfte wahrzunehmen." „Nein." wehrte Anny entschieden. „Du mußt hier am Platze bleiben und die Geschäfte und Jntereffen des Vaters selbst wahren; ich reise und kein anderer." „So laß Dich doch erbitten, von dem tollkühnen Plane abzustehen; wer weiß, ob überhaupt etwas an der Sache ist. Anny, liebe Anny, um des Vaters, um meinetwillen laß ab davon." Er hatte ihre Hände ergriffen und sah ihr bittend in die Augen und seine Blicke tauchtenMf bis aus den Grund ihrer Augensterne und dort

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