Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1895)
- Date
- 1895-03-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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456 betracht des von mir betgetrachten ärztlichen AttesteS unbeachtet geblieben, und so wurde bereits am 17. 11. 93 mein Antrag genehmigt, u.zw. mit Urlaub biS zum 1. Januar 1894 und von da ab Versetzung in der Ruhestand mit Beibehaltung des vollen Gehaltes. Mir wurde auf die zuvorkommendste Weise sofort von dieser günstigen Entscheidung mündliche Mtttheilung gemacht, während der vorgeschriebene Instanzenweg es verlangte, die bezüglichen Schriftstücke — die ich der löblichen Redaktion zur gefäll. Einsicht hier beilege — mir durch die Kirchenbehörde- Conststortum zustellen zu lasten. Der Referent, Herr Mtnisterialrath Hamm hier, hat mich s. Z. ermächtigt, bei ev. Bewerbung um eine andere Rabbinerstelle „drüben in Deutschland" ihn als Referenz anzugeben. Daß das Klima in Oberelsaß, namentlich im Sundgau, wo Niederfest liegt, rauh und für manchen etngewanderten Deutschen unerträglich ist, das ist hierzulande allgemein bekannt, und lauten die amtlichen Briese über die Statistik der dortigen Krankheitsfälle — Herz- und Lungenkrankheit — recht ungünstig. Daß in Elsaß ein großer Rabbinermangel vorhanden sein soll, ist ebenfalls unzutreffend. Man ist im Gegentheil besorgt, wohin man die vielen Kandidaten, die demnächst ihre Studien absolvtren, anbrtngeu solle, da keine entsprechende Zahl von halbwegs auskömmlichen Rabbtnaten vorhanden ist. Daß ferner der sogenannte Rabbinatsausschuß im Grabfelde unter den 15 Bewerbern nur einen einzigen Kandidaten zur Probe berufen hatte, war es eben, was von den übrigen Distrtktsgemeinden gerügt wurde, anderseits wollten auch sie keine Kosten tragen und daher sagten sie — in der Versammlung zu Hofheim am 18. Februar — man solle noch einige Kandidaten hören, nur müssen sie selber — die Kandidaten — die Kosten tragen. Nicht nur ich allein war da, sondern auch Dr. Auerbach aus Halberitadt und Dr. Plato aus Brandenburg, ohne vom Rabbinatsausschuß dazu berufen worden zu sein. Endlich ist es Thatsache, daß die Herren Vorstände aus: Oberlauringen — die stärkste Gemeinde deS Distrikts im Grabfelde — Ermershausen, Autenhausen, Meroldsweisach — sämmtlich schriftlich, Aidhausen und Reckendorf mündlich meine Kandidatur bestens und wärmsteus empfohlen hatten. Nun aber kam nach mir ein Kandidat, dessen Familie einen sehr guten Klang in Deutschland hat, und von der man sich große Unterstützung für die Präperandenschule des Bezirks versprochen, weßwegen derselbe viele Anhänger bekommen, so daß sich meine Freunde gesagt haben, um nicht in der Minorität zu bleiben, demselben auch ihre Stimmen zu geben, was bekanntlich auch bei Präsidentenwahlen in unserem stolzen Nachbarlande schon häufig vorgekommen ist. Dr. M. Aschkanaze Rabbiner a. D. Amerika. ös. Philadelphia. Die hiesige Gemeinde verlor durch den Tod am 8. Februar eines ihrer besten Mitglieder, Herrn Simon Muhr. Der Verstorbene, der aus Bayern gebürtig, als Kind mit seinen Eltern nach Amerika gekommen war und sich hier ein großes Vermögen erworben hatte, nahm eine hervorragende Stellung in der Gemeinde und war im Vorstand zahlloser Wohlthätigkeitsvereine. Eine besonders eifrige und erfolgreiche Thättgkett entwickelte er zu Gunsten der russischen Juden, er war Schatzmeister in der jüdischen Einwanderungs- Gesellschaft und scheute für diese weder Zeitverlust noch Mühe. Auch die Ackerbaukolonie Alliance in New Jersey schuldet seiner aufopfernden Thättgkeit sehr vtel. Sein Tod hinterläßt eine sehr fühlbare Lücke in unserem Gemetndeleben. Vermischtes. Schmalkalden, 18. März. Bei der heutigen Reichstags-Stichwahl erhielt^ Huhn <Soz.) 6766, Jskraut (Antis. Agr.) 9845 Stimmen. ■ iDemnach ist Jskraut gewählt. Als Merkwürdigkeit wird uns von Gaittnge« (Baden) berichtet, daß daselbst am ll'VO ein prachtvoller kostümirter Festzug in 10 Gruppen unter Theilnahme von Tausenden von Fremden, wovon die meisten Nichtisraeliten aus der Schweiz waren, stattgefunden hat. Graz. 12.ZMärz. Wie'Jhren Lesern bekannt ist, hatte der hiesige Gemeinderath ein Verbot des Schächtens erlaffen, welches aber vom Statthalter aufgehoben wurde. Der hiergegen eingelegte Recurs ist vom Ministerrath verworfen worden. 0) Alexandrien, 4. März. .Der hiesige Rabbiner P. Modena ist jetzt bemüht, einen Verein hier zu gründen, dessen Zweck es sein wird, allen jenen armen!Israeliten, deren Beschäftigung es erfordert, ununterbrochen die ganze Woche zu arbeiten dabei saber den Sabbat streng halten, eine pecuniäre Unterstützung zu gewähren, um es ihnen so zu ermöglichen, diesen Tag sorgenlos und in Freuden verbringen zu können.? Zahlreiche Mitglieder unserer Gemeinde haben schon ihren Beitritt zu^ diesem humanen und echt jüd. Vereine, der den Namenzratü nDittf („Förderer der Sabbatruhe") führen wird, angemeldet Sfettilleton. Hur eine Tochter. §?* Erzählung von H. Berger. 27.) (Alle Rechte Vorbehalten. Niedergeschlagen durch die Erkcnnlniß der eigenen Ohnmacht gegenüber der Tücke des Schicksals betraten beide die Wohnung. Anny sah ihnen sofort an, daß etwas vorgefallen sei und erkundigte