Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1895)
- Date
- 1895-03-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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455 eurer Hände!" Mit einer Gedächtnißfeier für die Heimgegangenen Begründer dcs Vereins schloß der synaflDAalc Akt. welcher auf b*e Festversammlung feinen liefen Eindruck nicht verfehlte. Adcndv klang die Feier, an welcher Deputationen der Nachbargtmeinden theilnahmen. fröhlich in ein glänzendes Fest aus. welchem 200 Herren und Damen, darun- 1er die Vertretungskörperschaften der Gemeind?. beiwohnten. Rechtsanwalt Müller-Zabrze brachte den Kaisertoast aus, der eifrige Chewra-Vorsitzende Herr Kaiser begrüßte die Versammlung in herzlichen Worten, Rabbiner Dr. Rosenthal aus Breslau, der eigens zu der Feier Nachmittags in unserer Mitte erschienen war, feierte den Frieden in der Zabrzer Gemeinde, mit der er seit einem Vierteljahrhundert durch Freundschaftsbande eng verbunden sei, und übergab sodann namens der Körperschaften in längerer Ansprache dem verdienstvollen Vorsteher Herrn Pollack eine kostbar ausgestattete Adresse, nebst einer Reihe photographischer Bildnisse der alten und der neuen Synagoge, der Vorsteher und Repräsentanten. Sodann toastete der Rabbiner Dr. Blumenthal auf die Zukunft der Zabrze Gemeinde, Amtsgerichtsrath L e w y aus Brüchen auf die Männer- und Frauenabtheilung der Chewra, worauf namens der letzteren Frau Pollack in herzlichen Worte dankte. Wann das Fest zu Ende ging, wissen wir nicht; wohl aber, wissen wir, daß das Fest, um dessen Gelingen die Herren Kaiser, Max Böhm und Eugen Pollack sich io erfolgreich mühten, vom Geiste der Menschenliebe und der Glaubenstreue getragen war, daß es alle Freunde der Gemeinde herzlich beglückte und daß es einen heilvollen und fördernden Einfluß auf die künftige Rabbinerwahl in der Gemeinde ausüben wird. Karlsruhe, 18. März. Heute Vormittag wurde die erste israelitische Landessynode durch den Geheimen Oberregierungsralh Beckerer eröffnet. In seiner Rede wies er darauf hin, daß der heutige Tag sich würdig anreihe demjenigen, an dem die Jsra.liten Badens unter der Regierung des Großherzogs Karl die bürgerlichen Rechte und unter der Regierung des jetzigen Großherzogs die staatsbürgerliche Gleichstellung verliehen worden sei. Dr. Fürst (Mannheim) präsidirte als Alterspräsident. Nach Prüfung der Wahlen, die für unbeanstandet erklärt wurden, erfolgte die Wahl des Präsidiums. Zum 1. Präsidenten wurde Landgerichtsrath Stein, zum 2. Rabbiner Eschelbacher (Bruchsal) gewählt. Auf Anregung des Präsidenten wurde beschlossen, den Ausdruck des Dankes für die Gewährung einer Synode in einer Adresse niederzulegen, über die in der heutigen Nachmittagfitzung berathen wird. In der Nachmittagssitzung der israelitischen Landessynode wurde die Adresse an den Grobherzog berathen. In derselben wird der Dank dafür ausgesprochen, daß zum ersten Mal in Deutschland eine unter staatlicher Autorität für die Reltgtons-Gesammtintereffen der Israeliten gebildete Synode zusammentrete. Die Aufgabe derselben werde sein, den Interessen der Religion, der Sittlichkeit und deS Friedens zu dienen. Auf religiösem Gebiete sei eS die erste Pflicht, den unerschütterlichen Glauben an eine überirdische Vorsehung zu pflegen, wie die Liebe zum Nächsten, die Treue gegen Letzteren im Verkehr, die Opferwilligkeit für die Gesammthrit, sowie die selbstlose Hingabe an Fürst und Vaterland. Frei von Voreingenommenheit, werde die Synode darauf hinwiiken, daß die Lebensgemeinschaft der jüdischen Glaubensgenossen mit ihren christlichen Mitbürgern zu gegenseitiger Befriedigung gedeihe, auf daß Alle ohne Unterschied des Bekenntnisses in treuer, pflichtbewußter Arbeit zusammenstehen zum Wohl unserer theueren badischen Hetmath, zum Heil des deutschen Gesammtvatrrlandes. Das Rabbinat Oberdorf wurde m provisorischer Weise durch Rabbtnatscandtdat I esatas Straßburger aus Buchau besetzt. Derselbe ist der Sohn dcs durch seine pädagogischen Schriften bekannten Lehrers Str. in Buchau. Ttratzburg Elf. 19. März. Bezugnehmend auf die Korrespondenz „Aus dem Grabfelde" in der jüngsten Nummer Ihrer Zeitung, bitte ich Sie um Aufnahme folgender thatsächltcher Berichtigung: Es ist nicht zutreffend, daß meine Versetzung in den Ruhestaid seitens des oberelsässtfchen Consistoriums verfügt wurde, sondern ich stellte das diesbezügliche Gesuch auf Grund eines ärztlichen Attest es an das Kais erliche Ministerium, u. zw. am 10. Oktober 1893. Das Conststorium wußte ebensowenig von diesem von mir unternommenen Schritte wie die Herren Ullmann und Adler aus Burgpreppach. Erst nachdem mein heißersehnter Wunsch von der hohen Behörde in der wohlwollensten Weise genehmigt wurde, trotzdem gar keine „eigenartige Gesetze" an meiner Seite waren, wurde dieser in Aussicht genommene Beschluß seitens des Kaiser!. Ministeriums dcm Conststorium behufs Rückäutzerung mitgetheilt, wobei mir ausdrücklich kompetendersetts angedeutet wurde, daß dieses Einfordern eines Gutachtens nur pro forma sei, indem das Gesetz es vorschreibt, daß bei fakultativer Gewährung von Pensionen an in Ruhestand tretende Religionsdiener das Gutachten der betreffenden Kirchenbebörde vorher einzuholen sei. Das Conststorium im Oberelfaß bemerkte in seinem am 15. 11. 93. eingetroffenen Gutachten, daß mein körperliches Unbehagen im'.Sundgau ihm unbekannt wäre. Diese Bemerkung ist in An-