Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1895)
- Date
- 1895-03-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448583--40438-2489351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schätze eines R. Saadjah Gaon, Rambam, Raschl und vieler anderer in überaus ansprechender Weise vorgeführt. Der Verfasser, der sich beschetdet, nur die Schnur zu bieten, an welcher er die herrlichen Perlen unserer großen Meister aufreiht, hat damit nichtsdestoweniger mit jedem Vortrage ein formvollendetes Ganzes geschaffen, das in hohem Grade geeignet ist, dem Zweck zu dienen, für welchen es bestimmt ist. Auch von der jedem Vortrage betgegebenen deutschen Uebersetzung gilt dasselbe. Sie fügt sich dem Original in so treuer Wiedergabe des Inhalts und des ganzen Tenors an, daß Lehrer und sonstige Vortragende, das Buch mit großem Nutzen zu ^'ln-Vorträgen benutzen können und hoffen dürfen, den religiösen Sinn ihrer Zuhörer in wirksamer Weise damit zu fördern. Zeit««gS»achrichterr ttttb Correspoudenzerr Deutschland. Bs. Berlin, 25. Februar. Anläßlich der Berathungen des Kultusetats wäre es an der Zeit, auf das Mißverhältniß hinzuweifen zwischen der Zahl der ordentlichen Professoren und der der außerordentlichen, namentlich in der medizinischen Fakultät Berlin und namentlich, soweit es sich um die Lehrkräfte jüdischer Konfession handelt. An der Berliner Universität lehren z. B. in der medizinischen Fakultät 17 außerordentliche Professoren jüdischen Glaubens, von denen allerdings die Professoren Dr. A. Frankel (innere Medizin) Dr. M. Litten, Dr. L. Lewin (Pharmakologie) , Dr. L. Baginsky (Halsleiden) Dr. Immanuel Munk, Dr. L. Landau (Geburtshilfe) und Dr. Posner nur Titularprofessoren sind. Sollten aber Männer, die feit mehr als einem Jahrzehnt als außerordentliche Professoren lehren, wie Professor Dr. H. Senator (innere Medizin), Professor Dr. I. Hirschberg (Augenheilkunde), Professor Dr. C. Mendel (Psychiatrie) u. s. w. nur deßhalb des Aufrückens in die ordentliche Professur nicht würdig erscheinen, weil sie stolz darauf find, einem Glauben anzugehören, „den man ihnen nicht zugetraut hätte"? (Birchows Worte). In Wien sind 4 Ordinariate der medizinischen Fakultät mit Juden besetzt, in Berlin kein einziges. Der frühere Kultusminister hat sogar bet außerordentlichen Professoren, die in ein Ordinariat berufen werden sollten, angefragt, ob sie bereit wären, überzutreten. In einem Falle, dem des Professor Herrmann in Königsberg, erfolgte die Berufung trotz der Weigerung des Betreffenden, seinen Glauben aufzugeben. In anderen Fällen ist die Religion ein sicheres Hinderniß der Berufung gewesen. Wir schließen, indem wir noch die wenigen Herren namhaft machen, welche zugleich ordentliche Professoren und gefeierte Lehrer der Medizin und Juden sind: nämlich Professor I a f f e, der Pharmakologie und Chemie in Königsberg lehrt, Prof. Dr. C. Fränkel, Lehrer der Hygiene in Marburg und Professor Rosenthal in Erlangen. Berlin, 13. März. Wegen Beschimpfung der jüdischen Religion stand Hans v. Mosch als verantwortlicher Redakteur von Ahlwardt's „Bundschuh" am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht I. In einem Artikel war der jüdische Gottesbegrtff herabgezogen und die unsinnige Behauptung aufgestellt worden, Zar Alexander III. sct von dm „jüdischen" Aerzten Hirsch und Sacharin wahrscheinlich vergiftet worden — beide Aerzte sind übrigens Christen. Der Gerichtshof erkannte jedoch auf Freisprechung, weil im Artikel kein dtrekr beschimpfender Ausdruck vorhanden war. Berlin, 14. März. Das Central-Comite des „Esra Vereins zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien" hat in seiner Letzten Sitzung die namhafte Summe von * 8 000 Francs zur Neubegrnndung resp. Förderung bereits bestehender Colonien bewilligt. Bravo! u. Zabrze, 14. März. E n herrlich schönes Fest beging gestern die hiesige Synagogengemeinde: das 25jährtge Jubiläum der Chewra- Kadischa, das 25jährige Jubiläum des israelitischen Frauenveceins und das 25jährige Dienstjubtläum des Vorstehers Herrn Heinrich Pol lack. Die Wethe des Tages fand einen seiner Bedeutung entsprechenden Ausdruck. In der Frühe wurde in stattlicher Gemeinschaft das Morgengebet in der Synagoge verrichet; Vormittags fand sodann auf dem Friedhofe eine ernste Feier statt, bei welcher der von der Gemeinde berufene Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor innige und ergreifende Worte sprach. Mittags fand die Hauplfeier in der Synagoge statt. In halbstündiger Festpredigt schilderte Herr Dr. Blumenthal, anknüpfend an Talmud- und Mtdraschstellen das Wesen einer Chewra-Kadischa, die Geschichte der Zabrzer Vl.reinigung und die Mühewaltung und Opferfreudigkeit seiner Begründer. In flammenden Worten zeichnete der Redner den religiösen Ernst der Gegenwart, er mahnte eine große Chewra-Kadischa, einen großen „heiligen Bund" für die Wache des Heilig - thums zu schließen, er forderte auf, die Tafeln des Gesetzes neben die gebrochenen Tafeln zu legen, die Begeisterung der Lebenden mit der Glaubenstreue der Tobten zu verbinden und schloß mit dem Segensgruß, welchen Moses bei der Vollendung des Sttftszeltes sprach: „Es sei der Wille Gottes, daß seine Herrlichkeit ruhen möge auf dem Werke