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Der Israelit · 1895-03-18 · Heft 22 (18.3.1895) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 22 (18.3.1895)
Date
1895-03-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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WWWWffHWMP.> 'T'"'' ~ -'* ' XXXVI, Jahrgang. Beilage yi .M 22 des „Israelit". Leitender Artikel. 3>te Wadische Synode. Mainz, im März. I. Wenn diese Zeilen im Drucke erscheinen, dann wird die erste, ordentliche Synode der israelitischen Religionsgemeinschaft des Großherzogthums Baden" — dies ist ihr offizieller Titel — aus dem langen Stadium der Vorbereitungen und Vorentschließungen heraus und ins volle Leben eingetreten sein. Einen Willkommensgruß ihr zu entbieten, die wir aus den s. Z. hier angeführten Gründen in ihrer Anlage als verfehlt, in ihren Zwecken als schädlich ansehen müssen, dürfen wir uns versagen. So mögen denn dem Vorworte, das wir an dieser Stelle unlängst ihr widmeten, die folgenden Ausführungen als Begleitwort sich anschließen. Nach §. 2 der Synodalordnung setzt die Synode aus 5 geistlichen und 20 weltlichen Mitgliedern sich zusammen, die sämmtlich aus direkten Wahlen hervorgehen. Baden zählt nun inclusive seiner Klausrabbiner und Adjunkten 14 Rabbiner, von denen 3 als Mitglieder der Reltgionsconferenz nur aktives Wahlrecht für die Synode besitzen. Da die Candidaten der Rabbinercurie nur von den Rabbinern des Landes zu wählen find, so ergibt sich das kulturhistorisch intereffante Faktum, daß von 14 Wählern aus 11 wählbaren Candtdaten 5 Abgeordnete auf den Schild erhoben werden; eine Wahlarithmethik, die in den Prästdtalwahlen kletnstaatltcher Landtage wohl ihr angemessenes Gegenstück finden dürfte. Die Namen der in dieser Curie Gewählten sind: Beztrksrabbtner Dr. Esch e l b ach er-Bruchsal, Klausrabbtner Dr.Fürst- Mannheim, Bezirksrabbiner Dr. Lewtn-Fretburg i.B., Beztrksrabbtner Dr.RawiczOffenburg und Rabbiner Dr. Treitel Karlsruhe. Man hat bedauert, daß für Herrn Bezirksrabbiner Dr. L ö w enstet n-Mosbach, einen Mann, dessen wissenschaftliche Leistungen erst jüngstens der Oberrath durch Zu ertheilung eines Ehrenpreises anerkannt hat, dessen Pflichttreue und Wtrkensfreude über jeden Zweifel erhaben, und dessen mildes, versöhnliches Wesen auch den Gegner entwaffnet, kein Platz in der Synode sich fand. Man hat dies um so auffallender gefunden, da Herr Dr. Treitel, einer der Gewählten, bereits am 1. April d. I. sein Amt und so-, gar unser Land verläßt, um das Rabbinat in Laupheim (Württemberg) zu übernehmen, und hat gemeint, daß es doppelt angebracht gewesen wäre, das ihm zugedachte Amt auf Herrn Dr. Löweustetn zu übertragen, anstatt ihn wenige Tage vor seinem Scheiden noch mit der Last einer Aufgabe zu beschweren, die die volle Arbeitskraft eines ManneS beansprucht. Und man hat vor allem endlich geglaubt, daß, nachdem die extremste Reformrtchtung in dem Conferenzrabbinate ihr Mundstück auf der Synode im Vornherein besitzt, es ein Gebot der Billigkeit gewesen wäre, einem ausgesprochenen Vertreter der Orthodoxie, die doch namentlich in den Landgemeinden G. s. D. noch starke Contingente hinter sich hat, das Wort zu verstatten. Es dürfte der Gegenseite schwer fallen, diese Einwürfe genügend zu widerlegen; aber die Macht der Thatsachen ist schließlich doch stärker als alle logischen und rechtlichen Erwägungen. Ja, von unserem Parteistandpunkte aus halten wir die Ausschließung Dr. Löwen st eins sogar als ein recht erfreuliches Vorkommniß, das, besser als lange Auseinandersetzungen vermöchten', der breitesten Oeffentlichkeit die Ziele enthüllt, denen die Badische Judenheit unter ihrer jetzigen Oberleitung unaufhaltsam zusteuert, und aufs Neue die ganze Fülle krassester Intoleranz, deren das „liberale" Judenthum fähig ist, offenbart. Wobei wir anmerken, daß es für uns dieses neuerlichen Beweises nicht bedurfte. Als weltliche Mitglieder wurden gewählt: Bloch-Sulzburg, Dukas-Fretburg, Dreyfus- Offenburg, Ep pst ein-Eichstetten, L. Ettlinger- Karlsruhe, I. E t t l i n g e r - Mannheim, Dr.F r i e db e r g - Karlsruhe, Har bürg er-Gailingen, Dr. Hachenburg - Mannheim, Halle- Hockenheim, Herzberger-Bretten, F. Homburger-Karlsruhe, Dr. Kahn-Mannheim, L. Marx-Bruchsal, S. Nett er-Heidelberg, Rosenau-Neckarbischofsheim, E. Rothschild - Konstan, Dr. Stetn- Karlsruhe, Dr. Spiegel-Tauberbischofsheim, D. M. Wertheim er-Bühl. Die Wahlbetheiligung war im Allgemeinen schwach. Es haben von 4795 Stimmberechtigten 2341 von ihrem Wahlrechte Gebrauch gemacht; die Wahlen haben also, da nur 46,7 o/o abstimmten, als Minoritätswahlen zu gelten. Am schwächsten war die Theilnahme in Mannheim, wo von 939 Wählern 113— l2°/0 und in Karlsruhe, wo von 428 Stimmberechtigten ganze 58 Mann — 13,5 °/0 ihre Stimmen abgaben. Am stärksten war die Betheiligung in den Bezirken Sinsheim-Mosbach, Merchingen-Wertheim und Freiburg, wo. Dank verschiedenen Kandidatenlisten, 83 bezw. 81 bezw. 73 °/o stimmten. — Die Gewählten nach ihrer religiösen Stellung zu klasstficiren, er-

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