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Der Israelit · 1895-03-18 · Heft 22 (18.3.1895) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 22 (18.3.1895)
Date
1895-03-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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442 einmal zeigen muß, welche Bedeutung die Schechitah für bas jüdische Haus, für das ganze Judenthum hat. Gar manches Gut lernt man erst schätzen, wenn man es verlieren soll und nach dieser Seite hin betrachtet, kann auch diese für Israel so unangenehme Maßregel segensreich wirken." So floß die Rede hin und wieder. Ehe man sichs versah, schlug die Uhr Mitternacht und der Anwalt gab durch sein Aufstehen das Zeichen zum Bette gehen. Anny schliff noch lange nicht ein. Was ihr die Frreundin heute gesagt, erfüllte ihr Herz mit stillem Glück. Ja, sie liebte ihren Bruder, den sie vor dem Abgrund deS Verderbens gerettet, sie liebte ihn mit der Macht und Glut der ersten Liebe und war glücklich in dem Gedanken, daß ihre Liebe erwiedert werde. Der Morgen dämmerte schon, als sie endlich einschlief und der Traum gaukelte ihr herrliche Bilder der Zukunft vor. Willys Umkehr war eine aufrichtige und vollständige. Er lebte wieder genau nach den Gesetzen Israels und um keinen Preis hätte er z. B. den Sabbat durch die Erfüllung irgend einer Berufs- Pflicht entheiligt. Dadurch verlor er freilich manchen Kunden, aber er gewann trotzdem mehr als er verlor, denn die Welt sagte sich: Einem Anwälte, der es so genau mit der Erfüllung seiner religiösen Pflichten nimmt, darf man wohl Vertrauen schenken. Am meisten Sorge machte Willy der Prozeß seines Vaters. Derselbe wollte nicht vom Flecke rücken und mit seltener Hartnäcklgkett hielt der Staatsanwalt, ein noch junger, schneidiger Jurist mit etwas antisemitisch angehauchtem Charakter an der Anklage fest. Das Herbeischaffen der Beweise für die Unschuld des Vaters verschlang Unsummen Geldes, so daß Willy besorgt in die Zukunft blickte. Trübe genug sah dieselbe aus. Der größte Theil des väterlichen Vermögens war verloren durch den Bankerott eines Instituts, in welches Jedermann das größte Vertrauen gesetzt hatte und der Rest genügte kaum, um den Haushalt standesgemäß wie seither zu erhalten. Wohl verdiente er durch seine große Praxis viel Geld, aber so viel konnte er nicht verdienen als der Prozeß des Vaters verschlang. Der Consul in Capstadt hatte ihm eine Spur von jenen Mündeln mitgethetlt, deren Vermögen der Anwalt verwaltet hatte und über dessen Auszahlung jeder Beweis fehlte. Zugleich hatte er erklärt, daß er allein außer Stande sei. die Spur weiter zu verfolgen. Dagegen wäre er bereit, einen hierzu nach Capstadt kommenden Abgesandten in jeder Weise zu unterstützen. Traurig saßen Vater und Sohn in ihrem Büreau, als dieser Brief kam. Er zerstörte jede Hoffnung, daß die Unschuld des Anwaltes jemals bewiesen werden könne, denn Willy konnte nicht abkommen, einem Fremden durfte man eine so wichtige Mission nicht anvertranen, der Rechtsanwalt selb 4 durfte sich nicht entfernen — somit ußte man auf die Verfolgung der gefundenen Spur und auf die Wiederherstellung der Ehre und des guten Namens des Anwaltes verzichten. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag» 22. März. 26. Adar. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr 15 Min. (Ll. E. Z.) Samstag, 23. März, 27. Adar. nooi ttnnn 's mp&i bnp) Sabbat-AuSgang in Mainz 7 Uhr 30 Min. (M. E. Z.) Dienstag, 26. März, 1. Nissan, enn 1 Der „Irrae 1 it" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de- Jahrgang« für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig ober vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch ittt -Uhyandkl M bestehe« bet E. F. Kleinarkrr, Leipzig, grhplah 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. St«e Nüäfcnbuug von an die Redactton etngefandteu Manuscripteu findet nicht statt, mau bittet deshalb sich vo« allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Inhalt (Hanptblatt) r Leitender Artikel: Hagadah schel Peßach. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen ^Deutschland: Mainz. AuS dem Grabfelde. — Amerika: New-York. — Sprechsaal. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Badische Synode. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: England London. Verantwortliche Redactton: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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