Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1895)
- Date
- 1895-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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440 rühmt und auf all die schändlichen Angriffe, die dieses Blatt den angeführten Worten folgen läßt, übergehen und uns nur noch der letzten „Kraftstelle" zuwenden. Sie lautet: „Hüten wir uns vor einem Separater! Geben wir keine Stimme einem Kandidaten, der bis jetzt feine Existenz nur dem Geiste der Trennung der Gemeinde zu verdanken hat. Wählen wir keinen Mann zum Rabbiner. der den Geist der Scparatler, der Intoleranz, des Unfriedens, der bizarren Bigotterie mit der Muttermilch eingesaugt hat. Sehet Euch die Verwandtschaft eines solchen Kandidaten an. Glaubet nicht, daß dieser eine Ausnahme mache. Glaubet überhaupt nicht den Worten der Anhänger dieses exklusiven Kandidaten. Der Apfel fällt nicht weit vom Baum." Welcher Kandidat mit diesen raffinirt boshaften Worten getroffen werden soll, liegt sehr nahe! „Der Apfel fällt nicht weit vom Baumemeint der Verfasser dieser Schmähschrift. Heil diesem Kandidaten, wenn er als „Apfel" nicht weit vom Baume" fällt! Denn diese „Bäume" sind keine geringeren, als der selige Distrikts-Rabbiner S. B. Bambcrger rrn^sn in Würzburg und der selige Oberrabbiner S. W. Klein rrrfc!?» in Colmar i. Els, über deren Bedeutung wir nicht nöthig haben, ein Wort zu verlieren. Sehr interessant find auch die Schlußworte des Flugblattes: „Unser Kandidat, Herrn Dr. Aschkanaze, wird wärmftens empfohlen von den Kultusvorständen der Gemeinden: Oberlauringeu, Ermershausen, Atdhausen, Autenhausen, Maroldsweisach, Recken dorf." Durch diese Worte sollen die bezeichneten Kullusvorstände offenbar als die Verfasser des Pamphlets hingestellt werden, was absolut undenkbar ist. Zunächst hat keiner dieser Herren sich irgendwie bemüht, die Kandidatur des Herrn Dr. A. zu unterstützen. Dann aber auch haben einzelne sich bemüht, den Verfasser zu ermitteln, umihn für diesen Mißbrauch zur Rechenschaft zu ziehen. Die verehrten Leser wollen es gütigft entschuldigen, wenn der Schreiber dieser Zeilen sich manchmal zu einem herben Wort hat Hinreißen lassen. Aber angesichts solcher Thatsachen wäre es sündhaft, den Verfasser dieses Pamphletes schonend zu behandeln, der so am allerwenigsten die Sache des Herrn Dr. Aschkanaze gefördert hat. Amerika. Ls. Rew-Uork, 13. Fcbruar. Von der wachsenden Verbreitung unserer Glaubensgenossen legt die Thatsache Zeugniß ab, daß man auch jetzt in Wtlmington, Dalware, daran geht eine Synagoge zu bauen. Bisher war in dem ganzen Staat keine jüdische Gemeinde zu finden, sondern nur einzelne verstreute Familien. Von sämmtlichen Staaten der Union sind es jetzt nur noch drei, nämlich Maine, Virmont und Rew-Hampfhtre, in denen noch keine offizielle jüdische Gemeinde existirt. doch läßt der fortwährende Zufluß unserer russischen Brüder keinen Zweifel, daß sie sich bald auch nach diesen Staaten wenden werden. Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) Aus Bade«. (Glossen zur bad. jüd. Synodalwahl.) Allgemeines Erstaunen erregt es, daß Herr Rabb. Dr. L ö w e n st e t n tn Mosbach nicht als geistliches Mitglied der Synode gewählt wurde. Herr Dr. L., dessen Leistungen schon vor mehreren Jahren durch Verleihung eines Ordens an höchster Stelle anerkannt wurden, ist ein geborener Badenser und wirkt seit mehreren Dccennien in Baden, welches nur bet wenigen Rabbinen Badens der Fall ist. Man nimmt allgemein an, daß Herr Dr. L., der — man darf es ruhig behaupten — zu den würdigsten Vertretern der jüdischen Geistlichkeit Badens zählt, nur deßhalb nicht gewählt wurde, weil er ein Vertreter der streng religiösen Richtung ist. Was wir von den gewählten geistlichen Mitgliedern der Synode in religiöser Beziehung zu erwarten haben, wird wenig Erfreuliches sein.*) S. E. Stuttgart, 11. März. Der von Herrn Kirchenrath Dr. Kroner hier gegründete israel. Jüngltngsverem veranstaltete vorgestern Abend im „Europäischen Hof" eine Purimunterhattung, die überaus stark besucht gewesen und recht gelungen verlaufen sein soll. Unsere beiden jüdischen Wtrthschaften, bisher zum Purim immer vollbesetzt, seien dagegen diesmal nahezu gänzlich leer geblieben, eine Wirkung, versteht sich, des Berlegens der geselligen Zusammenkunft in den nichtjüdischen Europäischen Hof. Mich dünkt es, wiewohl unsere jüdischen Wirthschaften gleichgroße Räumlichkeiten nicht besitzen wie der Europäische Hof, ein Unrecht zu sein, ihnen auf diese Werse die Purim Einnahmen zu entziehen. Mag immerhin der tsr. Jünglingsverein wohlthättgen Zwecken huldigen, den jüdischen Wirthen brachte er kein schönes schloach monaus da. Der Jüuglingsverein sollte doch seine belustigenden Aufführungen zeitlich so einrichten können, daß die jüdischen Wirthe nicht gerade um ihren Purim- und künftig vielleicht auch Simchas-Thora-Berdienst gebracht werden. *) Bergt, auch den Leitartikel in der Beilage der heutigen Nummer. Red.