Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 22 (18.3.1895)
- Date
- 1895-03-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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439 wesentlich zur moralischen und psysischen Erhaltung der Juden während der dunklen Zeiten der Rechtsverkümmerung, der Erwerbsbeschränkungen, des Drucks und der Verfolgungen beigetragen haben und wie daher im jüdischen Kreise, der in der Geschichte seiner eigenen Vergangenheit die erhaltende, errettende Kraft der Menschenliebe, Zedakah und Gemtluth Cheffed, erfahren habe, jene Bestrebungen unserer Zeit auf eommunalem Gebiete, die auf dem friedlichen Wege der Wohlthätigkeit und Fürsorge für die Hebung des Hilfsbedürftigen zur ausgleichenden Linderung der durch die Verschiedenheit der Besttzverhältniffe hervorgerufenen socialen Gegensätze beitragen möchten, mit ganz besonders freudigem Interesse gewürdigt zu werden vermögen. — Der interessante Vortrag, der durch geeignete Cttate belegt war, fand vielen Beifall Seitens der zahlreich erschienenen Zuhörer. — Aus -em Grabfelde. Wie schon kürzlich berichtet wurde, ist am 4. März als Nachfolger des scheidenden Distrtktsrabbtners von Burgpreppach, des Herrn Dr. Deutsch '% Herr D r. Salomo n Bamberger Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft Bingen, gewählt worden. Es waren aufregende Tage, welche der Rabbtnatsdistrtkt Burgpreppach vor der alles entscheidenden Wahl durchlebt hat! 15 Kandidaten haben sich um das Rabbtnat beworben, darunter recht würdige Herren! Das hatte zur Folge, daß mehrere Gemeinden dem einen, mehrere Gemeinden einem anderen Herren sich zuwendeten, und mit aller Energie suchte jede Partei ihrem Kandidaten zum Stege zu verhelfen. Ein heißer Kampf wurde dadurch heraufbeschworen. Es verdient lobend hervorgehoben zu werden, daß der Kampf ehrenvoll ausgefochten wurde. Nie hat sich ein Anhänger des einen Kandidaten zu einer leidenschaftlichen Aeußerung gegen den Kandidaten einer anderen Partei htnreißen lassen. Und warum auch? War doch von den, in die engere Wahl gekommenen Kandidaten zur Genüge bekannt, daß sie alle in jeder Beziehung befähigt seien, diesen Posten zu bekleiden. Einige Tage vor der Wahl wurde nun ein Flugblatt verbreitet, das mit Recht einen Sturm der Entrüstung zur Folge hatte. Dieses Flugblatt sollte Reklame machen für einen der Kandidaten, Herrn Dr. Aschkanaze, Rabbiner a. D. in Straßburg i. Els., ehemals Rabbiner in Ntedersept (Ober-Elsaß.) Dieser Herr, der jedenfalls unseren elsässtschen Glaubensgenossen noch lebhaft im Gedächtnis stehen wird, befindet sich noch in den besten Jahren. ES schien darum von allem Anfang an auffallend, daß dieser Herr schon längere Zeit vom oberelsässtschen Konsistorium mit vollem Gehalte in den Ruhestand versetzt worden ist. Die Gründe, die Herr Dr. Aschkanaze dafür vorbrachte, wollten den interessierten Kreisen nicht einleuchtcn. Zunächst gab Herr Dr. Aschkanaze an, das Klima in Ntedersept sei ihm unerträglich geworden! Merkwürdig! Das Straßburger Klima scheint aber Herrn Dr. Aschkanaze gut zu bekommen! Außerdem soll infolge „eigenartiger Gesetze", die im Elsaß noch gehandhabt werden sollen, Herr Dr. Aschkanaze seine Entlassung erhalten haben. Die Amtsenthebung des Herrn Dr. A. ist ferner um so merkwürdiger, als im Elsaß infolge des großen Rabbinermangels ohnehin schon ein großer Theil der Rabbinerstellen vakant ist. Dieses Flugblatt hat nun ganz und gar seinen Zweck verfehlt. Für Herrn Dr. A. ist nämlich bet der Wahl auch nicht eine Stimme abgegeben worden. Allgemein hat man dieses Flugblatt als das Machwerk eines Mannes bezeichnet, für dessen Handlungsweise mir der paffende Ausdruck fehlt. Und mit Recht! Der Verfaff.r dieses Pamphlets wagte es nicht, mit offenem Visi<r zu kämpfen, sondern schmäht in sicherm Versteck all die Kandidaten, die in die engere Wahl gekommen. Schlauerweise sind die Namen der Kandidaten auch nicht genannt, gegen welche die Schmähungen gerichtet sind. Das Flugblatt schmäht zunächst eine Distriktsgemeinde, die sich für einen der Kandidaten besonders warm angenommen. Einzelne Angehörige dieser Gemeinde bezeichnet das Flugblatt als „im Geheimen wühlende schwarze Männer, die mit aller Gewalt dem Distrikte einen „Super-Schwarzen", der unser Klima nicht vertragen kann, aufdrängeu möchten!" Zum Schluffe warnt diese Schmähschrift nochmals vor den „gleisnerischen Worten dieser Machthaber, welche die Wähler nur als Stimmvieh (sie!) behandeln wollen." Dann empfiehlt der Verfasser dieses Flugblattes einen Mann zu wählen, der „von vorneherein gezeigt hat, daß er für alle Distriktsgemetnden ein Herz hat, indem er keine Kosten und keine Mühe gescheut, um stch in fast sämmtlichen interesstrenden Gemeinden vorzustellen, wo er mit nngetheilten Beifall Vorträge gehalten hat." Diese Worte sollten für Herrn Dr. Aschkanaze, für den das Flugblatt verbreitet worden ist, Stimmung machen. Dieser Herr hat nämlich, ohne berufen zu sein, fast den ganzen Diestrikt bereist, um persönlich für seine Sache zu arbeiten durch Vorträge, die inhaltlich überall gleich lauteten. Auf den Inhalt dieser Vorträge und warum stch einzelne Gemeinden überhaupt herbeigelassen haben, Herrn Dr. A. reden zu lassen, wollen wir nicht näher eingehen. Ebenso wollen wir all die Vorzüge, welche dieses Pamphlet Herrn Dr. A. nach-