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Der Israelit · 1895-03-18 · Heft 22 (18.3.1895) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 22 (18.3.1895)
Date
1895-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4-7 so geläufig, daß er kaum von einem erfreulichen künftigen Moment spricht, ohne seine Erwähnung mit der Bemerkung zu begleiten: mit^> wn Er kommt uns zum Guten entgegen. Unserer gwöhnlichen, landläufigen Auffafiung ist die Zeit unwandelbar, feststehend. „Rnhtg und im gleichen G'Leis' rollt des Tages sicherer Wagen." Den Kindern unserer Zeit scheint es daher von der Klugheit geboten dieses Geleise nicht zu verlassen und mit diesem Wagen zu laufen, jedenfalls ihm nicht in die Speichen zu fallen und sich ihm zu widersetzen, da der Macht der Zeit Niemand widerstehen kann und jeder von ihrem Wagen überfahren und zermalmt wird, der sich seinen Rollen entgegen stellen wollte. Wir find von der Allmacht der Zeit so durchdrungen, daß wir ihrem Geiste nicht genug schmeicheln zu können glauben, und uns aus demselben einen anderen Götzen, den Zeitgeist, construirt haben, dem Niemand die Huldigung versagen zu dürfen glaubt. Satzungen, Hoffnungen, Anschauungen, bieder Zeit und dem allmächtigen Zeitgeist widerstreiten, erscheinen daher den Kindern unserer Zeit von vornhinein als lächerliche Utopie. Nach der ganzen Richtung unserer Zeit erscheint daher in der That nichts verfehlter und unmöglicher als die Verwirklichung des dem jüdischen Volke von seinen Propheten verheißenen Zukunftstdeals. Aber uns lehrt schon der unaussprechliche Name GotteS, der rmn d», wie ihn uns die Weisen als nitnn rono deuten lehren, Gott als denjenigen, desien Allmacht gegenüber auch die Macht des Zeitgeistes fich ohnmächtig erweist. Er, wny » rra iw», in dessen mächtiger Hand alle Zeiten und ihr Entwickelung liegen, gestaltet jeden künftigen Moment nur für seine Welt und Menschen erziehenden Zwecke und Ziele. Er ist der D'aoin nx crny naaro, der alle Zeiten und Zettverhältnisse, die sonst für unwandelbar gelten, nach seinem Ermessen wechselt und ändert. Die Vergangenheit und selbst die Gegenwart mag uns feindlich entgegen stehen, die Zukunft, kommt uns entgegen. So unabänderlich die Gesetze der Zeit auch scheinen, sie scheinen es nur. Wir haben z. B. keine Ahnung von der Möglichkeit eine bestimmte und zugemeffene Zeitspanne künstlich zu verlängern. Was aber im Leben unmöglich scheint, vollzieht sich trotzdem unzählige Male, sobald wir nur aus dem Leben zurücktreten und uns dem Schlafe und Traume hingeben. In wenigen Minuten Schlaf läßt der Traum Jahre und Jahrzehnte an uns vorüberziehen und hebt so spielend das eherne Gesetz der Zeit auf, von dessen Unabänderlichkeit wir sonst überzeugt sind. Wenn wir daher z. B. die Rückkehr nach Ztjon nach allen Constellationen der Zeit; für unmöglich zu halten geneigt waren, so erinnert uns der 126. Psalm daran, daß die Gesetze der Zeit vor diesem Eceigniß zurücktreten, wie sie über Schlaf und Traum keine Gewalt haben, '.n awa outoro im irs na»tf nx. Das Hochziel Israels fällt d*d'h nnnxa mit dem letzten Ziel aller Zeiten zusammen. Unsere Gegenwart kann dieses Ziel perhorresciren und seine Erreichung als undenkbar erscheinen lassen. Selbst der unleugbare Fortschritt der Zeit kann den Ungeduldigen so träge erscheinen, daß sie dieselbe erst nach Aeonen an dem Ziele angelangt wähnen mögen, dem sie in heißer Sehnsucht entgegen schauen. Aber unsere Schlüsse und Vermuthungen beschränken sich nur auf die hinter uns liegende Vergangenheit oder die uns augenblicklich umfangende Gegenwart. Die Zukunft jedoch und was sie bringt, ist uns verschlossen und entzieht sich jeder Berechnung. Ist es aber wahr, wie es der göttliche Sprachgeift unserer heiligen Sprache lehrt, daß die Zukunft uns entgegen kommt, dann mag uns der langsame und selbst der widerstrebende Schritt der Gegenwart nicht in unseren Hoffnungen zu beirren. Freilich haben wir von der Möglichkeit dieses Vorgangs keine Vorstellung, aber wir haben sie auch nicht vom Wachsen des Grases und von tausend anderen Erscheinungen, die deshalb in Abrede stellen zu wollen, offenbar absurd wäre. Wenn es erlaubt ist. Großes mit Kleinem zu vergleichen, um uns ein schwaches Verständniß durch diese Vergleichung zu ermöglichen, so möge es gestattet sein auf folgendes Erlebniß unserer Tage zu verweisen. Wir besitzen nicht die Macht den Gang der astronomischen Zeit aufzuhalten oder zu beschleunigen. Es liegt nicht in unserer Hand eine Stunde oderauch nur eine Minute aus der Zeit zu streichen, und z. B. zu wünschen, die Zeit sei nur eine halbe Stunde weiter gerückt, als sie thatsächlich ist. Und doch hat sich dies kürzlich vollzogen, als es sich um Einführung einer allgemeinen einheitlichen Zeiteinrichtung handelte. Und wie hat sich das scheinbar Unmögliche so leicht und einfach vollzogen! In einer einzigen Mitternachtstunde haben die Thurmwächter die Zeiger der Uhr eine viertel, eine halbe, eine ganze Stunde vorwärts oder rückwärts gerückt, und die einheitliche Zeit war hergestellt! Brauchen wir das Bild erst auszuführen, um darzuthun, wie leicht der hohe Wächter aller Zeiten, dieselben beschleunigen und zurückhalten kann, je nachdem er die Zeiger seiner Wcltenuhr vorwärts oder rückwärts bewegt? Die Gegenwart kann in trägem Schneckengang sich vorwärts bewegen, aber Gottes mächtige Vaterhand hat Mittel und Wege die Zukunft zur Gegenwart zu führen, wenn die

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