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Der Israelit · 1895-03-18 · Heft 22 (18.3.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 22 (18.3.1895)
Date
1895-03-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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486 Das concrete Band, das uns mtt den Vätern verbindet, sind die Symbole der Freiheit und Knechtschaft, von Mazzoth und Maror, die wir ganz so wie sie in Händen haben. Daß uns Gott diese Nacht wieder erleben ließ, um durch Genuß von Sklavenbrod und Bitterkraut die Verbindung mit den Ahnen in unverwelklicher Lebensfrische zu erhalten, das bildet den eigentlichen Kern unseres Segensspruchs. Diesen Symbolen wohnt eine solche anregende, erziehende Kraft inne, daß in ihrem Genuß unser Spruch den eigentlichen Segen erblickt, dem er hier Worte leiht. Gott hat uns diese Nacht erleben lassen, um in ihr Mazzah und Maror zu essen! Wohl haben die Ordner und Regler unserer Sederübende die Peßach-Hagadah uns in die Hand gegeben, um so die vorgeschriebenen symbolischen Handlungen der Peßach-Abende zu deuten, damit wir dieselben nicht gedankenlos wie angelerntes Menschengebot üben. So gewiß die vorgeschriebene That erst durch die Gesinnung, welche sie belebt, ihre Vollendung erreicht, so gewiß hat Gott die bloße That an und für sich, auch ohne Rücksicht auf den Geist, der sie durchdringt, mit einer veredlenden heiligen Macht ausgeftattet. Wir haben die Bedeutung der Sedersymbole im vorigen Jahrgang anläßlich des Ausspruchs von Rabbon Gamliel 'iai onm no« *6» »v b? eingehend erörtert. Wenn Jemand ohne diese oder andere Erörterungen zu kennen, sich in schlichter Bätersttte an seinen Sedertisch setzen würde, in der Absicht — — der göttlichen gebotenen Pflicht durch die That zu genügen, wenn ihm auch der Geist fremd wäre, der diese That beseelt, so hätte er seiner Pflicht dennoch genügt. Denn rura man« P’n roso, Gott hat die von ihm geforderte That unseres Lebens mit einer solchen Kraft ausgestattet, daß sogar ohne Eindringen auf den Geist de8 Gesetzes, die bloße, präcise Erfüllung deS Geforderten unS den Segen sichert, der sich an die treue Beobachtung des göttlichen Willens knüpft. Deßhalb erblickt unser Spruch den Gottes- Segen in dem Umstande, daß uns Gott diese Nacht erreichen ließ, um in ihre Mazzah und Maror zu essen. Um die treue gewissenhafte Uebung dieser symbolischen Handlungen willen, ist Gott für unsere Väter eingetreten, ’nsxa 'b *n nry n? naya onnDö — Desselben Segens machen sich die Enkel würdig, wenn sie ihn darin erblicken, daß sie diese Nacht wieder erlebt haben, um ein Stück Mazzah und Bitterkraut von der Größe einer Olive zu essen, wie es die Väter thaten. nvn 'n p So lernen wir Gott als Gott unserer Väter kennen und verehren, indem wir Ihm in der uns von ihnen überkommenen Weise dienen. Diese pietätsvolle, lebenskräftige Treue für die^Wunderthaten Gottes, wie er sie im Leben unserer Ahnen walten ließ, würdigt uns der gleichen RettungSwunder. Schauen wir doch wie einst die Väter sehnsüchtig nach Erlösung von dem sozialen und politischen Drucke aus, der noch vielfach so schwer auf uns lastet. Ja wir wissen es, nicht nur aus den trüben Erfahrungen jedes neuen Tages, sondern auch aus den Aussprüchen, die unsere heiligen Urkunden darüber enthalten, daß dieser sich noch empfindlicher steigern wird, bevor die Stunde der einstigen Erlösung schlägt. Die Rettungswunder, mit welchen uns Gott einst aus den Leiden und Schrecken erlösen wird, die sich immer schwerer und drückender auf uns lagern werden, erscheinen dann den Geretteten so einzig wunderbar, daßdasPeßach- Wunder der Befreiung aus Egypten dagegen in den Hintergrund tritt, man wird dann nicht mehr sprechen: onyv pso nbyn ilem'n ’n So wahr Gott lebt, der uns aus dem Lande Mizrajim gehoben hat, sondern so wahr Gott lebt, der uns aus den Ländern unseres Exils wieder gesammelt und geeinigt hat. Während unsere sämmtlichen Feste □mo -oi, zum Andenken an die Erlösung aus Mizrajim gestiftet sind, wird dann die Errettung aus den einzelnen trüben Phasen unseres Exilleidens zur Stiftung neuer Feste führen. Das sind die ornn D'^ni Dnyio, die anderen Feiertage und Wanderfeste, die wir noch zu erwarten haben. Das ist der Sinn des Ausspruchs unserer Weisen v'^va rrr onyion Va, daß einst alle Feste aufhören werden, oder wie der Ausdruck v'^va sagt: zurücktreten werden. Aufhören werden sie sicher nicht; so wenig wie irgend eine andere Satzung, die Gottes Mund entströmt, v^va heißt, wie in dem Ausruck am ^va, sie werden weiter bestehen, aber sie werden für unsere Wahrnehmung zurücktreten. Die Größe und Fülle der neuen Wunderthaten läßt die zum And nken an die egyptische Erlösung gestifteten Festtage zurück und die neuen, anderen Festtage in den Vordergrund treten. Um den Gedanken von vornherein abzuweisen, als werde das Peßachwunder je aufhören in unserem Kreis alljährlich belebt zu werden, folgt hier der Hinweis auf die Q’noDi v'nai auf die Mahl- und Peßachopfer, mit deren Blut wir dann an der Opferstätte des Hetligthums das Wohlgefallen Gottes erringen werden. Es erübrigt uns noch auf die von der unsrigen grundverschiedenen Lebensanschauung htnzuwetsen, welche die künftige Zeit mtt ihren gehobenen Momenten als uns entgegen gehend auffaßt und daher von Zeiten und Festen spricht D>xan unmpS die uns zur Vollendung entgegen kommen. Diese Anschauung ist dem jüdischen Mund

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