Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-03-14 · Heft 21 (14.3.1895) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 21 (14.3.1895)
Date
1895-03-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448581--40393-2489304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXVI. Jahrgang. Erste KMagr ju M 21 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Berlin, 8. März.*) In einer „Mainzer Correspondenz" und in einem „Eingesandt" des „Israelit" polemtstrt Herr College Kahn gegen die vom Deutsch Israelit. Gemetndebund ausgehende Gründung eines „Verbands der Deutsch-Israelitischen Lehrervereine" in scharf persönlicherx) Weise und erklärte in brüsker Form am Schlüsse seiner Auseinandersetzung, sich auf keinerlei Polemik einzulassen 2). Obgleich diese ungewöhnliche Kampfesmelhode dem Gedanken Raum gibt, daß Herr College Kahn mit einer gewissen Voreingenommenheit an die Publikation des Deutsch-Jsr. Gemeindebundes herangegangen ist, die auch durch eine Erwiderung nicht beseitigt werden wird3), sehe ich mich doch genöthigt, im Interesse des geplanten Werkes, und um diejenigen Collegen, die durch die Artikel verwirrt worden sind, zu beruhigen, die nachdrückliche Versicherung abzugeben, daß dem Gemeindebund bet der geplanten Gründung des Vereinsverbandes absolut jeder „geheime Hintergedanke" fern gewesen ist, daß cs ihm insbesondere nie und nimmermehr in den Sinn gekommen ist, sich als,, Oberbehörde" oder „Aufsichtsbehörde" der isr. Lehrer hinzustellen4). Vielmehr haben, wie es *) Wir haben nachstehende Zuschrift Herrn Lehrer Kahn dahier zur Beantwortung vorgelegt; die folgende Noten enthalten seine Antwort. Red. d. „Israelit." 1) Meine Herren Collegen werden mir das Zeugnitz nicht verweigern, daß ich rein sachlich für die Wahrung der Selbstständigkeit verdeutsch israelitischen Lehrer eingetreten bin. 2) Ich wollte meine Collegen, im Interesse ihrer Selbstständigkeit, nur vor der nach meiner Ansicht unberechtigten Einmischung des Gemeindebundes bezüglich der Gründung eines israelitischen Lehrerbundes warnen und lebe weitere Polemik vermeiden. Ich sah mich erst dann zu dem Protestschreiben im „Eingesandt" veranlaßt, als der Vorstand des israelitischen Lehrervereins im Grohh. Hessen trotz meiner Warnung auf die Intention des Gemeindebundes einzugehen schien. 3) Wenn Berlheidigung der Selbstständigkeit des Lehrerstandes Voreingenommenheit gegen den Gemeindebund genannt werden kann, dann bin ich, das gestehe ich offen, gegen diesen Bund sehr voreingenommen. 4) Weßhalb beansprucht aber dann der Gemeindebundausschutz eine Stimme im Vorstande des Lehrerbundes? Hat je der Vertreter eines Cultusministeriums der deutschen Lande in dem „Allgemeinen Deutschen Lehrerverem" einen bestimmenden Einfluß auf denselben ausgeübt und Sitz in dessen Vorstand verlangt, obgleich die Mitglieder dieses Vereins mit geringen Ausnahmen in ihrer amtlichen Stellung direkt unter diesem Ministerium stehen und von der Staatsbehörde ganz oder theilweise ihren Gehalt beziehen? in dem Aufruf ausdrücklich heißt, lediglich die particularistischen Neigungen, die schließlich zur Begründung mehrerer Verbände geführt haben würden, den Gemetndebund — als neutrale Instanz — veranlaßt, die Vereine zur Gründung eines Centralverbands anzuregen5). Die Berechtigung zu seiner „Einmischung", wie sie Herr Kahn nicht eben geschmackvoll bezeichnet, fand der Gemeindebund in seinem nun 25jährigen unermüdlichen Eintreten für die Interessen des isr. Lehrerstandes, das selbst einem so wenig wohl, wollenden Beurtheiler, wie Herr College Kahn es ist, nicht völlig verborgen geblieben ist°). Im Einzelnen bemängelt Herr K., daß der Gemeindebund seinen Zuschuß vorläufig auf die Zeit von 3 Jahren fixirt hat. Wenn der Ref. auch hier „Hintergedanken" vermuthet, so weiß er nicht oder will nicht wissen, daß der Gemeindebund jedesmal nur für die Dauer seiner Etatsperiode eine Verpflichtung eingehen kann. Herr College K. findet natürlich auch in dem Vorschlag, die Delegirten in Berlin zusammentreten zu lassen, eine Abhängigkeit vom Gemeindebund. Aber der Blick auf die Karte wird den verehrten Herrn Collegen überzeugen, daß lediglich praktische Gründe zurWahl dieses geographischen Mittelpunktes Deutschlands geführt Habens. 5) Der Gemeindebund hat in demselben Augenblicke, als er ihm nicht zustehende Rechte in diesem Lehrerbunde beanspruchte, aufgehört, eine „neutrale" Instanz zu fein. 6) Das Wohlwollen des Gemeindebundes den Lehrern gegenüber, das sich hauptsächlich auf die in den BundeSgemeinden erstreckt, habe ich in meiner ersten Correspondenz anerkannt. Andererseits erwachsen dem Gemeindebunde durch die Lehrer in den Bundesgemeinden nicht zu unterschätzende Vortheile. Nach der Correspondenz „Aus der Provinz Hannover" in Nr. 17 de; „Israelit" findet der Gemeindebund in Folge eines mit der LebenSverficherungsgrsellschaft „Viktoria" in Berlin abgeschlossenen Vertrags bei Versicherungen von Lehrern und Gemeindebeamten in den Bundesgemeinden eine ziemlich bedeutende Einnahmequelle (die größte in seinem ganzen Budget), welche im Jahre 1893 die Höhe von 41 788 M. 29 Pf. erreichte, wovon den versicherten Lehrern, den Lehrerkonferenzen und Lehrerhilfskaflen 25152 M. 34 Pf. zuflossen. Ich weiß ganz wohl, daß diese jeweilige Summe unbestrittenes Eigentyum des Gemeindebundes ist, aber ebenso unbestritten ist eS auch, daß diese Einnahme der Bundeskasse zum größten Theile aus von Lehrern stammenden Mitteln rührt. Nichtsdestoweniger gebührt dem Gemeindebunde die volle Anerkennung, daß er den Lehrern in den Bundesgemeinden zu diesem Wege der S e l b st h i l f e verholfen hat. Trotz alldem muß ich aber wiederholt dem Gemeindebunde die Berechtigung zur Einmischung in die Angelegenheiten der gesammten deutsch-israelitischen Lehrerwelt, und gar noch in einer Weise, die deren Selbstständigkeit zu beeinträchtigen geeignet ist, absprechen. £±7) Die vorgeschlagene Bewilligung eines Zuschusses auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.