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Der Israelit · 1895-03-14 · Heft 21 (14.3.1895) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 21 (14.3.1895)
Date
1895-03-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„Ach, waS sollen diese Neckereien," erwiederte Anny ärgerlich." „Ihr Berliner scheint überall Liebe zu wittern." „Die Zeit wird es lehren, wer recht hat," entgegnete die Freundin. „Ich wette, daß Ihr beide noch ein Ehepaar werdet." Das Gespräch hatte eine Wendung genommen, die Anny unangenehm war, und ste erhob sich jetzt, um der Freundin den Garten und die Gewächshäuser zu zeigen. Mittlerweile war es Zeit geworden, zur Synagoge zu gehen. Anny hatte die große alterthümltche Sabbatlampe zurecht gemacht und jetzt trat der Anwalt herein, zündete die Lichter an und sprach: „Gepriesen seist Du, Ewiger unser Gott, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns befohlen, das Sabbatlicht anzuzünden." Nun kam auch Willy in festtäglicher Kleidung und ging Mit dem Vater zur Synagoge, während dte Mädchen ihr Gebet zu Hause verrichteten. Der Gottesdienst währte nicht sehr lange. AlS Dr. Pretorius nach Hause kam, eilte Anny ihm entgegen und bot ihm „Gut Schabbos." Er legte segnend ihr die Hand aufs Haupt, drückte einen Kuß auf ihre Stirne und reichte dann auch der Freundin seiner Tochter die Hand. „Möge Ihnen der Sabbat unter meinem Dache gefallen, und ein echter, wahrer Sabbat werden." Die Freundin war ganz gerührt ob dieser Anrede. Und als jetzt der Anwalt den Gesang anstimmte, in welchem er die Gottesengel willkommen hieß, die ihn am Sabbat begleiten, da sangen auch die Mädchen mit und feierlich erklangen die Worte: „Scholaum alechem, mal ache haschores, malacbe eljaun!“ Helle strahlten dte Sabbatltchter und erfüllten das Zimmer mit ihren Strahlen. (Fortsetzung folgt.) iüir. Allerlei. Amerika. (Eine Scene aus demBürg er krieg.) An einem Jom Kippurfest hatte der Oberst Gr im, ein aus Deutschland stammender Jude, ein heftiges Cavalleriegefecht auszuhalten und er und seine kleine Truppe hielten stch sehr tapfer. Als ihn einer seiner Soldaten sehr erschöpft und mit Schweiß bedeckt sah, reichte er ihm seine Feldflasche. „Dank," erwiederte der Oberst, „es ist heute Jom Kippur und als Jude darf ich heute weder trinken noch essen." Als er leicht verwundet war, wurde er nach seiner Ambulanz getragen und sah dort einen Glaubensgenoffen, welcher aß. „Du würdest bcsser daran thun," sagte er ihm, „diesen Fasttag zu beobachten, wie willst Du dem Vaterlande treu sein, wenn Du es gegen Gott nicht bistd" Nachdem 10 Glaubensgenossen nun sich versammelt halten, stimmten die Verwundeten das Netlo-Gebet an, beim Lärmen der Trompeten und Kanonen. Als der Oberst, der zum Vorbeter gewählt wurde, nur noch 7mal zu rufen hatte „Der Ewige ist unser Gott", traf die Nachricht von der totalen Niederlage der Feinde ein. Der Vorbeter eilte ans Fenster und bei der untergehenden Sonne rief er 7mal mit lauter Stimme „Der Ewige ist unser Gott," die anderen Soldaten wiederholten die Rufe, die Fanfaren erschallten, Musik ertönte und alle Anwesenden wiederholten diesen Ausdruck des Glaubens an einen einzigen Gott. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MoatagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark, Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch fctit Kuchhauärl J» besiehe» bei E. $. Ktrinarbrr, Lrtpsig, Drßpiah IS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direete Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «nd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. Et«e NÜcksendnng von an die Redaetiou eiugesaudten Mauuscripte« findet nicht statt, mau bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copie znrüikzubehalten. Inhalt <Ha«ptbiatt): Leitender Artikel: Die Idee der Unsterblichkeit. Bon Rabb. Dr. M. Jung, Ung. Brod. — Literarischer Bericht. —ZeitangtNachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Wreschen. Nürnberg. Aus Baden. Türk heim. Dürmenach. — Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Pesth. — Schweiz: Bern. — Rußland: Wilna. — Vermischtes. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung». — Jüb. Allerlei. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Frankreich: Paris — Rußland: Petersburg. — Sibirien: Kiächta. — Türkei: Konstantinopel. — Vermischtes. Euhalt der Belletr. Beilage: Der Wunderrabbi. Eine wahre Erzählung aus Rußland. — Jüd. Allerlei. xtra-Beilage r Spenden-Verzeichnisse. verantwortliche Redactton: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraeiit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schm Hofbuchdruckerei--Actien>Gesellschaft in Mainz. Hier-« drei Beilage».

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