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Der Israelit · 1895-03-14 · Heft 21 (14.3.1895) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 21 (14.3.1895)
Date
1895-03-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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417 böser Menschen schützen. Doch st-h da! Ich glaube, wir bekommen Besuch." Heute am Freitag? Du wirst Dich irren." Sie erhob sich, trat ans Fenster und blickte hinaus. Sie sah einen Wagen vor der Thür halten, aus dem ein elegant gekleidetes junges Mädchen stieg. Nach wenigen Minuten meldete der Diener Frl. H., eines der jungen Mädchen, die sie in Berlin kennen gelernt hatte, und die auf der Durchreise begriffen, den Sabbat bei Anny verbringen wollte. Sie hatte Anny bei ihrem Dortsein einen Besuch versprochen und Anny freute sich außerordentlich, als sie das junge Mädchen erkannte. „Sei mir herzlich willkommen!" rief sie der Freundin zu, indem sie dieselbe umarmte, „ich freue mich, daß Du so bald Wort hältst und mir meinen Besuch erwiederst." Nun stellte Anny ihrer Freundin auch Fanny vor, welche ebenfalls Gefallen an dem jungen Mädchen fand. Frl. H., eine kleine, runde, liebenswürdige Persönlichkeit mit schwarzem Haar und schwarzen funkelnden Augen erzählte, nachdem sie sich ein wenig restaurirt hatte, Berliner Neuigkeiten. Sie wußte so lebhaft zu erzählen und auf eine so drollige Weise jedem Dinge eine komische Seite abzugewinnen, daß die Freundinnen trotz der Sorge und des Grams, die sie bedrückten, herzlich lachen mußten. Auch Heiterkeit ist ansteckend, und so waren Anny und Fanny durch den Einfluß ihres Besuchs anderer Stimmung geworden. „Wo ist denn Dein Vater? Wo ist Dein Bruder?" fragte das quecksilberne Berliner Kind. „Ich habe so viel von ihnen gehört, daß ich darauf bestehe, sie kennen zu lernen." „Nur Geduld, mein Herz," entgegnete Anny. „Du wirst unsere Herren kennen lernen, ehe der Sabbat beginnt." Während Fanny nun die Arbeiten für den Haushalt besorgte, zeigte Anny der Freundin die Wohnung und den schön gepflegten Garten. In einer der zahlreichen Gaisblattlauben trafen sie den Vater über einen Folianten gebeugt und eifrig studirend. Anny stellte ihre Freundin vor und der Vater hieß sie herzlich willkommen. Die beiden Mädchen setzten sich zu ihm und bald gelang es ihrem fröhlichen Geplauder den Ernst, der auf seinem Antlitz thronte, zu bannen und hie und da huschte ein Lächeln wie ein Sonnenstrahl über die vergrämten Züge. Endlich kam auch Willy. Er hörte schon von^Weitem ^.das silberne Lachen der'Mädchen und war darüber'erftaunt. Aberrwie gefesselt blieb er vor dem Bilde stehen, welches ihm die GatSblattlaube bot. Bor dem Tische stand Anny und lauscht mit ihrem Vater den Worten der Fremden, die mit gutmüthigem Spott und treffender Satire die Berliner Verhältnisse schilderte. Sie war es, die Willy zuerst erblickt, und'sie schwieg sofort, als er in den Eingang der Laube trat. Willy grüßte die Seinen und verbeugte sich vor der Fremden, die ihn mit ihren lebhaften Augen scharfprüfend ansah. „Giebts was Neues?" fragte der Anwalt Willy. „Ja," entgegnete dieser mit leiser Stimme. „Man scheint eine Spur in Capetown gefunden zu haben, der dortige Consul hat Bericht erstattet und erwartet die Beantwortung einer ganzen Reihe von Fragen." „So wollen wir sie gleich beantworten," sagte der Anwalt sich erhebend. „Die Damen verzeihen, daß wir sie alleine lassen, aber das ist eine Sache, die nicht über Sabbat ruhen darf." Die Herren entfernten sich und Frl. H. sagte zu Anny: „Was für ein schöner Mann ist Dein Bruder! Ich glaube, er kann den Damen gefährlich werden." „Er ist es aber ganz und gar nicht," sagte Anvy. „Er hat schlimme Erfahrungen in Berlin gemacht." „Hat er? Ei, das ist ja riesig interessant, erzähle doch." „Wie darf ich so indiseret sein!" „Das thut mir leid. Ich höre so gerne Romangeschichten." „Romangeschtchten sind es nun nicht, die mein Bruder dort erlebt hat, aber er hat dort Damen kennen gelernt, die ihm keine gute Meinung von unserem Geschlecht beigebracht haben. Hier ist er fast damenscheu." „Er hat Recht. Denn wer eine so schöne Adoptivschwefter hat, wie Dein Bruder, für den gilt das Dichterwort: Warum in die Ferne schweifen, Sieh' das Gute ist so nah.- Anny errötete über dieses Compltment und sagte lachend: „Du bist eine gefährliche Schmeichlerin. Aber beruhige Dich. Er sieht in mir nur die Schwester und liebt mich auch wie man eine Schwester liebt." „Wer's glaubt. Oder, wenn Du es glaubst, befindest Du Dich in einer groben Täuschung. So ist nicht der Blick, mit dem der Bruder die Schwester ansteht. Glaube mir, meine Anny, ich sehe darin schärfer, Dein Bruder ist in Dich verliebt."

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