Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1895)
- Date
- 1895-03-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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415 jüd. reichen Fabrikbesitzer — die der mit den deutschen Gefängnissen und ihren Einsaffen vertraut gewordene, allbekannte wahrheitsliebende Gerechtigkeitsförderer Ahiwardt, als Raubthiere darstellt, die trotz ihrer 1800jährigen Niederlassung in Deutschland, gleichwohl sich niemals auf den Kulturboden der Al beit gestellt hätten — thatsächliche Beweise, daß sie echt jüdische Keuschheit, echt jüdische Sittlichkeit, nicht nicht nur innerhalb ihres engen Familienkreises, sondern auch in ihren Fabriken, in ihren Werk stätten aufrecht zu halten bestrebt sind. Ja, ja Ahlwardt! Nicht an der Thatsache, daß wir Juden Raubthiere seien, sondern daran, daß wir Juden sittlicher, keuscher und moralischer leben und handeln als manche Antisemttensührer, scheitern Deine Pläne! Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Wien, 7. März. Hier hat sich ein Rechtsschutz-Comtie gebildet, dem eine größere Anzahl Rechtsanwälte angehört und das bereit ist, jede den Juden als solchen in Wort, Schrift oder That zugesügte Unbill zu verfolgen. Pesth, 4. März. (Ungarische israelitische literarische Ges ell schüft.) Im Prachtsaale der Pester isr. Religionsgemeinde eröffnete Samstag Abend Rabbiner Dr. Samuel Kohn den diesjährigen, mit Diskussion verbundenen Vorlesecyklus der Ungarischen israelitisch n literarischen Gesellschaft. Der Vortragende entwarf ein packendes Bild von der Vergangenheit der Juden in Ungarn. Dr. Kohn führte eine Reihe archäologischer Denkmäler vor, Münzen aus dem XIV. Jahrhundert mit ungarischer Aufschrift und einem hebräischen „Schiri" oder „Aleph" (vermuthltch Zeichen der jüdischen Etgenthümer der Prägeanstalten): ein Schwert aus demselben Jahrhundert mit einer hebräischen Aufschrift. Grabschriften von ungarischen Juden aus dem XIII. Jahrhundert, die alle beweisen, daß in Ungarn schon vor vielen Jahrhundert, n Juden heimisch waren und zu gewissen Perioden hervorragende Stellungen einnahmen. Der Rabbi schloß seinen überaus intereffanten, einstündigen Vortrag mit der Aufforderung an die leitenden Persönlichkeiten in Ofen, wo vor Kurzem der älteste jüdische Friedhof aufgedeckt wurde, möglichst bald Nachgrabungen*) vornehmen zu luffen. Den Dank der zahlreichen Zuhörerschaft für die lehrreiche und schöne Vorlesung verdolmetschte der Mitprästdent der Literaturgesellschaft, kön. Rath Dr. Philipp Weinmann, der sodann an die Verlesung der t« den Briefkasten der Gesellschaft hinterlegten Fragen ging. Eine dieser Fragen führte zu einer fast einstündigen. außerordentlich animirten und interessanten Diskussion, an der sich außer dem Präsidenten Dr. Samuel Kohn. Seminar- *) Doch nicht auf dem Friedhöfe? Die Red. Professor Dr. Ludwig Blau, Präparandie-Profeffor Dr. Samuel Kraus, Religions-Professor David Schön, Literat Chaim Pollak und der Fragesteller selbst: Max Szabolcsi, Redakteur des „Egyenlöseg", betheiligten. Der Inhalt der anregenden Frage lautet: Wie kommt es, daß die Namen der Patriarchen und der großen Gestalten der Bibel nur von je einer Person geführt wurden? Wir finden nirgends in der heiligen Schrift verzeichnet, daß Jemand aus den spätern Geschlechtern seinem Kinde den Namen Adam, Noach, Abraham, Moses, Aron, David, Sarah u. s. w. gegeben hätte?*) Ueberhaupt wiederholen sich in der heiligen Schrift die Namen der Vorfahren nicht ein einziges Mal, während wir unter den hervorragenden Gestalten der nachbiblischen Periode, und zwar gleich unter den ersten, ähnliche Wiederholungen finden. So hießen die Makkabäerbrüder Juda, Simon, Jonathan und Eleasar. Die aufgeworfene Frage wird den Gegenstand auch noch einer zweiten Diskussion bilden. Schweiz. 8t. Ber« (Schweiz), 3. März. Im tesstnischen Dorf Magadino hatten die Ziegen der Einwohner, in den Eichenpflanzungen der Gemeinde dadurch einigen Schaden angerichtet, daß sie von den jungen Bäumen die Rinde abnagten. Daß ein solch schweres Vergehen, wenn auch von einem vernunftlosev Thiere verübt, nach tesstntschem Rechtsbegriffe nicht ungeahndet bleiben darf, ist selbstverständlich. Welche Strafe soll nun angesichts dieses Vorgehens angewendet werden? Sollen die Etgenthümer der Ziegen zum Schadenersatz für die von ihren Ziegen beschädigten Eichenbäume verurtheilt werden? O bewahre der Himmel vor einem solchen ungerechten Richterspruch! Soll der Unschuldige des Schuldigen wegen büßen? Sollen die schuldigen Ziegen ihrer strafbaren Handlung wegen nach jüdischem Ritus geschlachtet und verzehrt werden? Gegen diese Strafe würde der Thierschutzverein Protest erheben. Ist ja das Schlachten nach jüdischem Ritus als Thicrquälerei strengstens verboten! Höre und staune, lieber Leser! Der hochweise Gemeinderath Magadinos ordnete an, daß sich sämmtliche Ziegen Magadinos die Zähne ziehen lassen sollen „Zahn für Zahn" mo mo. Ein tm Dorfe ansässiger Schlosser übernahm diese Zahnoperation. Weit entfernt davon, die Ziegen Magadinos in Schutz zu nehmen, gegen das von Seite»: des dortigen Gemeinderaths gefällte grausame Urtheil unser Votum zu erheben, fühlen wir schweizerische Juden uns dennoch berechtigt, die Frage der Oeffentlichkeit zu übergeben: Was ist vom Standpunkte des Thierschutzes, und *) Herr Szabolcsi dachte wohl nicht an den Vater des dem Stamme Jisachar angehorenden Kundschafter Jigal, der Joseph hieß.^(ppr p -amr rivv?) Red.