Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1895)
- Date
- 1895-03-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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394 war. Willy, der selbstredend die Bertheidigung des BaterS übernommen hatte, ließ es sich angelegen sein, Beweismaterial für die Behauptungen des BaterS herbeizuschaffen und er scheute keine Kosten und keine Mühe, wo er solcher habhaft werden konnte. Er beauftragte die deutschen Consuln in Amerika und in Afrika nach dem V rbletb jener Mündel zu forschen und erbat und erhielt auch die Unterstützung des auswärigen Amtes in dieser Angelegenheit, Berichte gingen hin und wieder, Gutachten wurden eingefordert, Zeugen verhört, durch nichts konnte die Schuld des Anwaltes bewiesen werden, aber auch für die Unschuld desselben konnten bis jetzt keine Beweise herbeigeschafft werden, so daß fich die Untersuchung voraussichtlich in die Länge zog. In Arbetracht dieses Umstandes war eS Willy auch gelungen die Freilaffung des Vaters gegen eine außerordentlich hohe Eaution zu erwirken. War das eine Freude an dem Tage, als Wtlliy mit dem Vater nach Hause kam! Anny fiel abwechselnd dem Vater und dem Bruder um den Hals und Thränen der Freude entstürzten ihren Augen. Von allen Seiten kamen, als man die Haftentlassung des Anwaltes erfuhr, Freud nbezeigungen und die allgemeine Theilnahme war der beste Beweis dafür, daß die Volkssttmme das „Unschuldig" über den Angeklagten ausgesprochen, ehe das Gericht die Untersuchung gegen ihn beendet hatte. Durch eine bis ins Kleinste reichende Aufmerksamkeit versuchten Willy und Anny dem Vater die bösen Tage der Haft vergeffen zu machen. Willy verdoppelte seine Arbeitskraft und errang schöne Erfolge und einen großen Namen als Anwalt, während Anny stets bei dem Vater wur und denselben keine Minute allein ließ. Während dieser Zeit ging mit Willy eine Wandlung vor. Er liebte seine Schwester Anny. Aber diese Liebe war keine geschwisterliche Zuneigung, sondern die innige Liebe eines treuen Männerherzens, welches ein anderes Herz gefunden zu haben meint, das denselben Schlag hat. Es war jene Liebe, von welcher der Dichter sagt: Zwei Seelen und ein Gedanke, Zwei Herzen und ein Schlag. Wie anders war doch das Gefühl, welches er jetzt für Anny empfand, als daS welches ihn seiner Zeit zu Greta von Touffaint gezogen hatte! Wohl hatte jenes seine Eitelkeit befriedigt, wohl hatte es ihn stolz gemacht, daß er als Jude das Herz einer Adeligen gewonnen hatte und sein nennen sollte, aber sein Herz war bet jener Liebe leer ausgegangev, ihm hatte das Glücksgefühl gefehlt, welches ihn jetzt erfüllte, wenn er mit Anny beisammen war. Er machte sich Borwülfe, daß er jetzt, da sein Vater so vom Unglück verfolgt wurde, an die Begründung des eigenen Glückes zu denken vermochte. Er sah, wie Anny sich härmte und grämte, wie der Anwalt in kurzer Zeit um Jahre gealtert war, wie nur noch die gegen ihn schwebende Anklage sein ganzes Sein erfüllt und das schloß ihm den Mund, daS bestimmte ihn. die überquellenden Gefühle feines Herzens zu unterdrücken, fie zurückzudämmen bis zu einer geeigneteren Zeit. (Fortsetzung fo!qt.) Wochen - Kalender. Freitag, 15. März, 19. Adar. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr — Min. (M. E. Z.) Samstag, 16. März, 20. Adar. ms 's ’D Sabbat-AuSgang in Mainz 7 Uhr 15 Min. (M. E. Z.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis bei Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt gnnrjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch itn Buchhandel p» btfitftt* dei C. $. Kirtnackrr, Leipzig, Doßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deien Raum. — Oestrrreichische Banknoten laut CourS. — Dirccte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland nnd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusendcn. Stnr Rücksendung »»« an die Redactiou eiugesandte« Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Copie znrückznbehalten. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Hagadah schel Peßach. — ZeitungSnachrichien und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. M. — England: London. — Asien: Bokhara. — Vermischtes. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H.Berger (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Berliner Briefe. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Tilsit. Strahburg. — VermischieS. Extra-Beilage: SpendewVerzeichniffe. verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition der .JSraelit*. Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuch druckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilage«