Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-03-11 · Heft 20 (11.3.1895) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 20 (11.3.1895)
Date
1895-03-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448580--40361-2489271
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ihnen über allen Zweifel erhaben. Aber der Auszug aus Egypten und die Führung durch die Wüste erschien ihnen als das Werk Mofchehs. Diese Annahme dürfte das Auflehnen unserer Väter gegen ihre Führer milder beurthetlen lassen. Dem verhängntßvollen Jrrthum gegenüber, der von den vier Stadien der Erlösung aus Egypten nur die zwei erste«, direkt auf Gott bezog, die zwei anderen wsnm, Mosch eh Hinderte, begreift sich auch die wiederholt betonte Erklärung, daß Gott es war, der den Auszug aus Mtzrajim bewerkstelligt hatte. .onso pao üim iva •* *n Diese Anhänglichkeit an sein zweites Vaterland, die wohl Niemand besser als der Führer seines Volkes kannte, mochte es wohl gewesen sein, welche ihn an seiner Mission mit den Worten zweifeln ließ: „Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehe und daß ich die Kinder Israel aus Mtzrajim führe?" Vielleicht war es leichter Pharao als die jüdischen Geister und Gemüther für den Auszug auS Egypten zu gewinnen l Daß aber das unmöglich Scheinende doch gelang, daß ein ganzes Volk sich bereit finden ließ, seinem Führer nachzufolgen und eine durch hundertjährigen Aufenthalt theuer gewordene Heimath mit der kahlen, ungastlichen Wüste zu vertauschen und aus ungewisse Jahre mit Weib und Kind in die schwankende, ungewisse Zukunft zu treten, das ist es, was die Worte feiern: rw*a □nxDD tonten Als nun Israel doch aus Mizrajim ging, das Haus Jakobs aus dem fremdzüngigen Volke, damals machte die bloße Thatsache dieses Entschlusses und feiner Ausführung, Jehuda zum Heiligthume Gottes und Israel zum Träger seiner Herrschaft. Daß Israel füglich dennoch Mtzrajim verließ, daß es alles abwies, was es mit tausenden von Fäden und Beziehungen an seine zweite Heimath knüpfte, das verdankte es dem Umstande, daß es als tyi^> opv apy» r>'3 alsHausIakobsaus dem fremdzüngigeu Volke zog. Trotzalledem, was an Freud und Leid in den Jahrhunderten ihres egyptischen Aufenthalts über sie hingezogen war, hatte die Anhänglichkeit an Egypten dennoch nicht das Bewußtsein ihrer Eigenart und Zugehörigkeit zu einer Familie, zum Hause Jakobs, zu erlöschen vermocht. Trotz ihrer Hinneigung für das Volk, das sie einst gastlich ausgenommen hatte, hatten sie sich doch nicht einmal dessen Sprache angeetgnet und hatten noch weniger ihre eigne, heilige Sprache im Drucke der Zeiten ausgegeben. Diese Eigenthümlichkeit der Sprache zog einen sttttgenden, geistigen Kordon, um die demZSklavenloos verfallene Jakobsfamilie und schützte sie vor Entartung und Vernichtung mit ihren Tyrannen. Durch diesen Triumph, den das Jakobshaus in diesem Auszug feierte, über alle Machte, die es physisch und psychisch der Verkümmerung zu überantworten gedachte, ward Jehuda Gottes Heiligthum und Israel wurde von Gott die Herrschaft verliehen, die alle ausüben, die sich im treuen Dienste des alleinigen Herrn und Meisters des ganzen Universums wissen. Wenn es irgendwo wahr ist 12p. daß auf den Diener des Königs ein Strahl der Majestät fällt, in deren Dienst er steht, so ist es vor allem wahr für den Dienst des Königs aller Könige. — Als Israel seinem Herrn und Meister, wie das Lamm dem Hirten folgend, seine ltebgewonnene Heimstätte verließ, und selbst vor der Wüste und ihren Schrecken nicht znrückbebte, weil es als Haus Jakobs seine sittliche Makellosigkeit und das geistige Band der Sprache bewahrt hatte, da erlangte es mit der Heiligkeit seines göttlichen Wandels auch die Herrschaft über das ganze Universum in einer Weise, daß die gesammte Natur willig den Zwecken und Zielen sich fügte, für welche die aus Egypten Erlösten in die Freiheit zogen. Das Meer, das mächtige Element, welches den. ganzen Erdkreis umfluthet, dessen gigantischer Größe sonst Menschen und Völker winzig und machtlos gegenüberstehen, das Meer sah dieses Völkchen aus der Knechtschaft der Menschen tu den Dienst Gottes ziehen und zog stch fliehend zurück, um den Herolden Gottes Bahn zu machen! Die stabilsten Colosse, welche die menschliche Vorstellung kennt, Berge und Hügel wankten und wichen, bebten und hüpften dem Augenblick entgegen, in welchem Gott seinem menschlichen Hetltgthum das Gesetz seines Lebens reichte. Was war es mit den eben der Hetzpeitsche ihrer Frohnvögte Entronnenen, daß vor ihnen die Natur ihr Gesetz, das ganze Weltall seine Geleise verließ, daß Meere vor ihnen flohen, Berge vor ihnen wichen? Es waren nicht die Sklaven, es war ihr Herr, welcher der Herr und Meister der ganzen Erde ist, vor dem die Erde zittert und ihre von den Sterblichen als ewige unveränderliche bezeichneten Gesetze zurücktreten laßt, sobald sie mit dem Gesetze colltdtren, das der Gott Jakobs dem Hause Jakobs vorgezeichnet hat. Er wandelt in der Natur wie im Leben der Menschen harte Felsen und steinerne Herzen in fließendes Wasser und milde Gefügigkeit um, ja der festeste Kiesel wird nicht nur zu Wasser, er erzeugt das Wasser und läßt es als befruchtende Quelle ihm entströmen. In der Natur hatten die von Gottes Allmacht Getragenen dieses Wunder wiederholt während ihrer Wüstenwanderung sich vollziehen sehen, in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.