Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1895)
- Date
- 1895-03-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVI. Jahrgang. M HO. MHO Der Israelit. Ein Kentrak-Hrgan für das orthodoxe IudentHum. Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz. Montag, den 11. März 5655 (1895). Leitender Artikel. Kagadah schel Ießach. Neunte Serie.*) Mainz, den 10. März. „Als Israel aus Mtzrajim zog, das Haus Jakob aus dem fremdzüngigen Volke, da ward Jehuda setnHetltgthum, Israel seine Herrschaft. DasMeersah esund floh, der Jardenwandte sich rückwärts. Die Berge hüpften wie Widder, Hügel wie junge Schafe. Was ist dir "Meer, daß Du fliehest, Jarden, daß Du rückwärts Dich wendest? Ihr Berge,daß ihr wie Widder hüpfet, ihr Hügel wie junge Schafe? Vor dem Herrn erbebe Erde, vor dem Gölte Jakobs, der umwandelt den Felsen in einen Wasserteich, den Kiesel in einen Wasserquell." vnrrvv btr>v' nKso. Als Israel aus Mizrajim zog! Diese drei Worte, welche den zweiten Theil der Hallel-Hymne, einleiten legen uns die Erwägung nahe, den „Auszug aus Mtzrajim" von einer anderen Seite ins Auge zu fass n, als dies gewöhnlich geschieht. Wir hatten schon wiederholt Veranlaffung bet unserer bisherigen Erklärung der Hagadah schel Peßach auf eine nach der gewöhnlichen Auftastung auffallende Schwierigkeit aufmerksam zu machen. Das Widerstreben gegen den Willen Gottes, erst nach einer vieljährigen Wüstenwanderung das Volk in das Land seiner Verheißung zu führen, *) Vergleiche die achte Serie im vorigen Jahrgang Nr. 26 bis 33; die siebente Serie im 33. Jahrgang. Nr. 19 dis 28. Die sechste Serie im 32. Jahrgang Nr. 21 bis 30; die fünfte Serie im 31. Jahrgang. Nr. 25 bis 33; die vierte Serie im 30. Jahrgang. Nr. 17 bis 31; die dritte Serie im 29. Jahrgang. Nr. 17 bis 26; die zweite Serie im 28. Jahrgang. Nr. 20 bis 29; die erste Serie im 27. Jahrgang. Nr. 23 bis 30. und ebenso, daß sich dieses Widerstreben in Vorwürfen gegen Moscheh Luft machte, kann mau natürlich finden. Aber der fortgesetzt gegen den Befreier Israels erhobene Borwnrf, daß er das Volk aus Egypten geführt habe, erscheint im Munde der so wunderbar vom harten Sklavenloos Befreiten schwer verständlich. Es scheint, daß das Volk die Befreiung von dem Sklavenloose und den Auszug aus Egypten scharf von einander schied. Daß das auf ihnen lastende unerträgliche Joch ihrer Zwingherrn qt> brochen werde, war ficherltch der sehnlichste Wunsch der Geknechteten. Aber die Liebe zu ihrem zweite» Vaterlande mochte fie das Ideal ihrer Wünsche darin erblicken lassen, daß der auf ihnen bestehende Druck gebrochen würde, ohne daß ste deshalb den Boden verlassen müssen, der nun feit Jahrhunderten die Gebeine ihrer Väter in sich trug und der schon, seitdem die Ahnen ihn betreten hatten, einen fesselnden Einfluß auf sie übte. (I. B. M. Cap. 47 V. 27.) Hat doch bis in die neueste Zeit hinein keine noch so rohe an den Israeliten eines Staates verübte Barbarei dieselben bestimmen können, freudig den Wanderstab zu ergreifen und ihrem Vaterlande gleichgiltig den Rücken zu kehren. D e Thränen und der Jammer, unter welchen Juden zu allen Zeiten nur der härtesten Nothwendtgkeit gehorchend, ihr Vaterland trotz aller Zurücksetzung verlieben, stehen wahrlich bis auf den heutigen Tag in wunderbarem Gegensatz zu der „Vaterlandslosigkeit" der Juden! — Es scheint, als ob diese unzerstörbare, unzähligemale tn der Berfolgungsgeschichte Israels bewährte anhängliche Treue zu seinem Vaterlande, eine alte Etgenthümlichkeit ist, wie sie tn dem immer wtederkehrenden Verlangen nach Egypten zurückzukehren zum Ausdruck kommt. Sie mochten tn diesem Verlangen nicht einmal eine direkte Auflehnung gegen Gott erblicken. Daß Gott sich ihrer ungenommen, die Macht der Egypter gebrochen und die Unterdrückten befreit habe, das war