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Der Israelit · 1895-03-07 · Heft 19 (7.3.1895) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 19 (7.3.1895)
Date
1895-03-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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567 namens der Kgl. Regierung dem tiefsten Bedauern über das Scheiden des bisherigen, so vielfach verdienten Rabbiners Ausdruck gab und die Anwesenden ermahnte, nur einem Manne, der von gleichem religiösen Geiste getragen und von gleicher Thatkrast erfüllt ist. ihre Stimme zu geben. Bei der hierauf folgenden Abstimmung wurde der Rabbiner der Israel. Religionsgesellschaft in Binge n H^rr Dr. Salomon Bamberg er aus Frankfurt«. M., Schüler der HerrenRabbinen Biberfeld, Berlin und Breuer, Frankfurt a. M., mit geringer Stimmenmehrheit gegen Dr. Auerbach in Halberstadt gewählt. Möchte es dem Neugewählten gelingen, das Werk würdiger Vorgänger erfolgreich fortzusetzen und die oft widerstreitenden Geister im Brnne des Friedens und des Glaubens gleich seinem Vorgänger zu halten. Sulzbürg (Oberpfalz), 4. März. N71 p3N7 7p 7217 prrantPD. „Wehe über die Verlorenen, welche nicht wieder gefunden werden," rufen wir aus ob des Verlustes, welchen die hiesige Gemeinde durch das Ableben des 82jahr. Herrn Districts-Rabbiner Dr. Meier Löwenmayer 7’NE '7 1J’71D 717 7"nn '3 erlitten hat. Seine ganze Lebenszeit war eine ununterbrochene Epoche treuester Pflichterfüllung, rastlosen Fleißes, eifrigen Studiums, das er auch im höchsten Alter unermüdlich fortsetzte und beim ersten Tagesgrauen erschienen die d»7BD auf dem Tische, Mikro, Mischna, Talmud. An Kenntnisien auf rabbinisch-talmudischem Gebiete überaus reich, ebenso in profanen Wissenszweigen vorzüglich bewandert, durchglüht und begeistert von unserer heiligen Sinailehre, verherrlichte er dieselbe durch Lehre und Beispiel. Auch im hohen Greisenalter besuchte der Entschlafene fast jeden Tag, der Ungunst der Witterung trotzend, das :"2rQ und grämte sich, wenn er solches auch nur ausnahmsweise meiden mußte. Einer Familie entstammend, deren Ahnen bis in die fernsten Zeiten zurück fast Alle zu den Führern und Leitern unseres Volkes gehörten, besuchte 7L3Bjn p’ia, nachdem er bereits dahier in der Schule seines Onkels Reb Moscheh sich bedeutendes Wißen erworben, die Jeschiba in Fürth, hierauf die Lateinschule, Gymnasium und Universität in Erlangen-München, vervollkommnete sich dann noch weiterhin in rabbinischen Fachstudien, so daß er mit 3 Morenu- Titeln versehen, die hiesige Stelle, nebst der eines Religions¬ und Elementarlehrers übernahm. mnD2 n7 w?wor\ uinn '2 7iU\ Im Lehramte war der überaus talentierte, allgemein beliebte Mann 36 Jahre thätig und als Rabbiner fungirte er 57 Jahre. Bor 2 Jahren wurde er mit dem Michaelsorden dekoriert. Am V22/ n"2 übermannte den theuren Entschlafenen in der Synagoge bei mnttf n7Bn ein Ohnmachtsanfall, dem Lungenentzündung folgte. Menschliche Kunst bemühte sich vergebens und konnten die von den aufopfernden Angehörigen berufenen 3 tüchtigen Aerzte das theuere Leben nicht erhalten, 77N kl" 77 'N D1’21 kehrte die lautere Seele des edlen Mannes in die Hand ihres Urhebers zurück. Bei der ri’17, die 77N kl"77 'J Dl’2 stattsand, zeigte es sich, welcher Beliebtheit sich der ehrwürdige Diener des Herrn zu erfreuen hatte, nicht nur die hiesigen Gesammteinwohner, die Protest, und kathol. Geistlichkeit von hier und Umgegend, die Verwaltung der politischen Gemeinde und viele, viele Freunde und Bekannte betheiligten sich an derselben, auch der Kgl. Bezirksamlmann, Herr Regierungsrath Roder^aus Neumarkt und zahlreiche Honoralionen erwiesen dem großen Menschenfreunde die letzte Ehre. Der pN wurde zunächst in die Synagoge verbracht, woselbst die Herren Rabbiner Dr. Meyer-RegenSburg '"2 und Dr. Deutsch-Burgpreppach- Fürth ’"J warmempfundene Worte sprachen, anlehnend an den Text Exodus 25,8 und Psalm 73,24, den Kronenschmuck des so gelehrten, frommen, anspruchslosen AmtSbruderS hervorhebend. Kein Auge blieb thränenleer, als das Bild des Edlen entrollt, als der große Verlust geschildert, als Abschied für immer von dem „Großen in Israel" genommen wurde. Auf dem D’TT) D'2 gab Herr Jos. Regensburger im Aufträge der Kultusgemeinde den Gefühlen der Erkenntlichkeit und dem bitteren Seelenschmrrze der zahlreichen Schüler und Freunde gebührenden Ausdruck, während die Herren Lehrer Kahn-Neumarkt und Oppenheimer-Sulzbürg nach der .777 in der Synagoge auf das Gemüth einwirkende Ansprachen hielten. Möge ’"2M die in tiefe Trauer versenkte Familie und Gemeinde trösten. Die Seele des edlen Dahingeschiedenen möge am Throne des Höchsten Fürsprecher für uns sein 7DTO 21ll “)N U27N2 7727 712/ 717 71p JJD27 8^2/ .7"2L25> .\ÜH .77'^ N2' ’2 7P im '12' 72 121877' Aus Bade«. Die Wahlen der Abgeordneten zur Synode haben stattgefunden, und es läßt sich ein Ueberblick über die Resultate derselben halten. Die gewählten weltlichen Abgeordneten gehören in religiöser Beziehung zum größten Theil keiner bestimmten Richtung an; sie halten wohl die Mitte zwischen der orthodoxen und der Reformrtchtung. Wie es scheint, sah man weniger auf ihre Vorzüge nach der religiösen Sette hin, sondern auf ihre Befähigung im allgemein n. Dies mag seinen Grund in folgenden Verhältnissen haben: Es find Vorlagen von eigentlich religiöser Natur, wobei nämlich die eine oder andere Richtung stch zusammenfchließen und Zusammengehen müßte, für die nächsten Jahre nicht in Aussicht, sondern Neuorganisationen bezüglich der Kirchensteuer, Gemeindeverhältniffe, Schulen, Kultusbeamten u. s. w. Bei den Wahlen wurde auch sogen. Ktrchturmspolitik getrieben und es kam vor, daß in manchen Wahlbezirken soviel Kandidaten als größere Gemeinden vorhanden waren. Die gewählten geistlichen Abgeordneten sind in der Mehrheit nicht orthodox. Die Geistlichen wählten unter sich ihre Abgeordneten, und das Resultat war vorauszusehen, wie es leider stch ergeben hat. Wohl hat die Synodal Ordnung die ausdrückliche Bestimmung, daß Beschlüsse der Synode, welche Form oder Inhalt der Gottesdienste zum Gegenstände haben, gegen den Willen der einzelnen Gemeinden nicht durchgesührt werden sollen; allein das giebt uns für später keine ausreichende Gewähr. Erstens kann der Begriff «Gottesdienst" im engeren oder weiteren Sinne anfgcfaßt werden; ferner werden Beschlüsse einer Synode immerhin Einfluß auf das reltglöse Leben gewinnen (auch wenn es nicht direkt in die Erscheinung tritt); und endlich ist eine Synodal Ordnung wie alles Irdische wandelbar.

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