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Der Israelit · 1895-03-07 · Heft 19 (7.3.1895) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 19 (7.3.1895)
Date
1895-03-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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364 Diesem Ihat der hochgeschätzte Mann leidIund er sagte, daß auch er an keine Schuld seines Vaters glaube. Doch müsse er in Anbetracht der Verhältnisse den Anwalt in Untersuchungshaft nehmen. Willy bot. eine Kaution in jeder beliebigen Höhe. Der Staatsanwalt lehnte dieselbe jedoch ab, bis die Untersuchung Näheres ergeben habe. In großer Aufregung wartete Anny auf das Wtdererscheinen ihres Bruders und die Verzweiflung erfaßte sie, als sie den Bescheid hörte, den Willy ihr brachte. Sie flehte, bat, beschwor den Bruder, alles daran zu setzen, daß der Vater heute noch frei käme. Ihr Jammer schnitt Willy ins Her; und er sagte traurig: „Wenn ich es ermöglichen könnte, wäre es schon geschehen; was man thun kann habe ich gethan. Es ist ein Verhängnis, das über uns hereingebrochen ist, und welches, so schwer es ist, ertragen werden muß." „So will ich selbst zum Staatsanwalte ergehen, will mich ihm zu Füßen werfen und mein ganzes Vermögen zur Verfügung stellen — nur frei soll man den Vater geben. Er ist unschuldig, ich verbürge mich dafür." „Auch ich habe mich schon dafür verbürgt und meine Bürgschaft ist abgewtesen worden. In den nächsten drei Tagen können wir nichts thun." „O wie kann ich es ertragen, den Vater im Gefängnis zu wissen!" Anny weinte wie ein Kind und auch Willy traten die Thränen in die Augen. Wie verzweifelt geberdete sich Anny. Sie aß und trank nichts und Willy wagte es nicht, sie allein7zu lassen. Da wurde Menascheh gemeldet. * gj (Er hatte das Unglück, welches den Anwalt betroffen hatte, erfahren, und war rasch in sein Haus geeilt, um, wenn es möglich wäre, zu helfen und zu trösten. Als er in das Zimmer getreten war, blieb er erschüttert an der Thüre stehen. Mit einem lauten Aufschrei sprang Anny ihm entgegnen und rief: „Retten Sie meinen Vater, Menascheh, man hat ihn ins Gefängnis geworfen und er ist doch unschuldig." „So ist es wahr?" fragte erschrocken der treue Mann. „Ich habe es wohl gehört, wollte und mochte es aber nicht glauben. Und warum? Welchen Verbrechens beschuldigt man ihn?" „Er soll Mündelgelder veruntreut haben!" „Ha, ha, ha", lachte Menascheh, „ich meine, es sei jetzt keine Z?tt und die Veranlassung zu ernst zum Scherzen. Wessen wird er beschuldigt?" „Es ist so, wie Anny gesagt hat," sprach Willy ernst. „Aber Herr Doctor", rief Menascheh erregt, „das ist ja doch nicht wahr, das kann ja doch nicht sein. Dr. Pretorias ist ja die Ehrlichkeit und Gerechtigkeit selbst. Wer hat diese wahnwitzige Beschuldigung erhoben?" „Eine anonyme Anzeige." „O, über die Schuftigkeit und Niederträchtigkeit der Menschen! Es ist doch schlimm, daß man auf eine anonyme Anzeige hin einen Mann wie Dr. Pretorius verhaftet." „Das ist Gesetz", sagte Willy; „vor dem Gesetze sind wir alle gleich. So Gott will wird die Sache übermorgen schon anders stehen." (Fortsetzung folgt.) Der „ISraeltt" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Sen Dmhhandel pt beziehe« bet Sk. $. Steinackrr, Leipzig, Keßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei»« Rücksendung do« au die Redaction eiugesandten Manufcripte« findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalteu. Inhalt (Haaptblatt): Leitender Artikel: Purim. — Literarische Notiz. — ZeiturrMachrich en und Correspondenzen: Deutschland: Gelnhausen. Fürth i. B. Straßburg i. E. Z-rbern i. E. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland: Warschau. Odessa. — Amerika: NewYork. — Personalien. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Erzählung von H. Berger (Fortsetzung». Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Berliner Briefe. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Burgpreppach. Sulzbürg. Aus Baden. — Indien: Bombay. — Eingesandt. Inhalt der zweite« Beilage: Leitender Artikel: Deutscher Reichstag. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Inhalt der Belletr. Beilage: Eine glänzende That eines jüdischen ArzteS. Von S. Sleinberg. — Erzherzog Albrecht und der Dorfrabbiner. — Prag. Extra-Beilage: Eine Illustration von I. Kaufmann: „Das Verhör". Berantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage».

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