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Der Israelit · 1895-03-07 · Heft 19 (7.3.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 19 (7.3.1895)
Date
1895-03-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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363 Die Unterredung, zwischen den Beiden dauerte lange und mußte von Zeit zu Zeit einen erregten Charakter angenommen haben, denn trotz der Doppeltbüren drangen hie und da hohe Töne bis in das Bureau, woselbst die Schreiber arbeitend saßen. Endlich kam Willy mit geröthetem Antlitz aus dem Zimmer des Vaters und begab sich in sein eigenes Bureau, um daselbst wartende Clienten abzuferttgen. Willy war sehr erregt. Der Anwalt hatte, als Willy mit ihm davon anfing, kein Hehl aus seinem Verluste gewacht und auch Willy gegenüber seine Absicht, Haus, Pferd und Wagen zu veräußern und sich einzuschränken aufrecht erhalten, trotzdem ihm dieser bewies, daß er keinem Menschen schade, und sich nicht gegen das Gesetz vergehe, wenn er Annys Hilfe annehme. Der Anwalt blieb fest. Auch nicht ein Schein von Unrecht dürfte an seinem Namen haften und in keinem Falle wolle er sein eigenes Kind schädigen. Als Willy seinen Vater verlassen hatte, wurde diesem ein Mann gemeldet, der ihn in einer persönlichen Angelegenheit m sprechen verlangte. Dr. Pretorius nahm den Besucher an und der Diener führte denselben. das kleine bucklige Männchen, welches Anny und Willy belauscht hatte, zu ihm hinein. „Guten Tag, Herr Doktor!" sagte mit unterwürfigem Tone der Bucklige; „Sie verzeihen, daß ich störe. Mein Name ist Samson, Adolf Samson." „Schön! Und womit kann ich Ihnen dienen?" „Sie kennen mir wohl net mehr. Haben wir als Knaben doch so oft zusammen gespielt in das Haus von Ihren Eltern 8iebrs.uu0m li^roedo. Sie sind geworden a graußer Mann a gesuchter Anwalt, der arme Adolf ist geblieben a Dalfon. *)" „Und womit kann ich Ihnen dienen?" „Ich will Ihnen leisten a grause Gefälligkeit; ist nur die Kaschje, ob der Herr Dr. sie wollen annehmen." „Das ist ja seltsam," versetzte der Anwalt. „Ich bedarf Ihrer Gefälligkeit nicht." „Doch, Herr Dr., doch verstellen Sie sich vor mir nicht. Ich, der Adolf Samson weiß alles. Hat nicht gemacht Ihr Herr Bankier Bankerott? Sie haben verloren viel, viel Geld und sitzen jetzt in der Patsche." „Sie sind falsch unterrichtet, mein Herr," erwiederte der Anwalt stolz, „wohl habe ich Geld durch den Bankerott meines Bankiers verloren, aber das hat nicht den geringsten Einfluß aus mein Geschäft. Der Anwalt Dr. Pretorius — hier hob sich seine Stimme — kann einen noch größeren Verlust erleiden, ohne sich in der Patsche zu befinden." *) Habenichts. „Leugnen Sie nicht, Herr Dr., mein Gewährsmann ist genau unterrichtet und weiß, daß Sie Menascheh ins Vertrauen gezogen und ihn mit dem Verkauf Ihres Hauses betraut haben." Der Anwalt lächelte geringschätzig und sagte: „Leere Vermuthungen! Ich danke Ihnen für Ihren guten Willen, mir gefällig zu sein und bin glücklich Ihrer Gefälligkeit nicht zu bedürfen." „Sie werden heute oder morgen noch große Summen nöthig haben, Herr Doktor! Ich weiß Jemand, der sie stellt Ihnen gegen geringen Nutzen zur Verfügung. Ich selbst will nur eine Provision verdienen von drei Prozent. —" Der Anwalt winkte ihm ungeduldig zu schweigen und sagte kurz: „Ich bedarf Ihrer nicht!" Der Buckliche lachte höhnisch auf und sagte: „Sie werden bereuen. Herr Anwalt; Sie werden jetzt kriegen kein Geld und Ihr Haus wird gelten eine Bagatelle, weil Sie Haben zurückgewiesen die Hilfe von Adolf Samson." „Hinaus!" donnerte der Anwalt sich erhebend, „frecher, aufdringlicher Patron!" und feine Hand griff nach der Glocke, um den Bureaudiener herbeizurufen, aber da war Herr Adolf Samson schon verschwunden. An demselben Tage lief eine anonyme Denunciation bei der Staatsanwaltschaft des Inhaltes ein, daß der Rechtsanwalt Dr. Pretorius die ihm anvertrauten Mündelgelder angegriffen und veruntreut habe, daß er beabsichtige, sein Haus zu verkaufen. jedenfalls um sein eigenes Vermögen aus dem Bereiche des Gerichts in Sicherheit zu bringen. Auf eine so positive Anzeige hin mußte die Behörde, obschon die Anzeige anonym war. ein schreiten und so erschienen am folgenden Morgen der erste Staatsanwalt und seine Beamten, um eine Revision der Bücher des Anwaltes vorzunehmen. Es wurde ein Fehler gefunden und der Anwalt in Untersuchungshaft abgeführt. Anny war außer sich, als sie hörte, was geschehen war. Sie eilte nach dem Gerichte, woselbst Willy sich befand und thetlte diesem mit, was geschehen war. Willy begab sich nach der Staatsanwaltschaft, woselbst er erfuhr, daß in Folge einer Anzeige eine Revision der Bücher und Casse seines Cowpagnons stattgehabt habe, zufolge rvelcherLdie Verhaftung erfolgt wäre. Genau wäre der Fehlbetrag noch nicht festgestellt, aber es handle sich doch um eine ziemlich große Summe. Willy war ganz eonsternirt. Er konnte es nicht begreifen, daß so etwas^miHWIssen seines Vaters geschehenen sollte ^und äußerte sich in dieser Weise dem. Staatsanwalt gegenüber.

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