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Der Israelit · 1895-03-07 · Heft 19 (7.3.1895) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 19 (7.3.1895)
Date
1895-03-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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359 Wie erscheinen gegen den großen, allmächtigen Haman doch seine kleinen Nachahmer so winzig, und wie veranschaulicht unsere Purim-Rolle doch die alte Wahrheit, daß der Könige Herz in Gottes Hand ruht, wenn sie zeigt, wie eine schlaflose Nacht genügt, um das irregeleitete Herz eines Königs wieder königlich fühlen zu lasten. Sie läßt nicht das drückende Gefühl aufkommen, welches sonst das Bewußtsein vollendeter Schutz- und Wehrlosigkeit wohl zu erzeugen vermag. Gerade an die Kreise und Städte wendet sie sich in erster Reihe, die keinen äußeren Schutz, nicht Wall und Mauern besitzen und bringt ihnen den Geist freudigen Gottvertrauens, der jeder äußeren, von Menschenhänden geschaffenen Schutzwehr entrathen kann. Vor dem Gesetz, aus besten treuer Erfüllung dieses heitere Gottvertrauen erblüht, fielen, als seine Bekenner den ersten Fuß auf den heimischen Boden setzten, die stolzen Mauern der stärksten Festungen. An die Städte, die von jener Wundernacht des Gottes gesetzes aus Josua's Tagen noch in unserer Zeit zeugen, wendet sich in zweiter Linie die Purimrolle und ruft sie als Zeuge für die Wahrhaftigkeit ihres Inhalts auf. Megillah Fol. 3. n*3i:n mbu rvrpyi o*ib:s — Y’3 D Yp iw p ytcnn* mo’D nein v'vpiv D3W V'dd pip p3 p yvi.1* niD'D nein O'vplvi doid. Deßhalb, in welchen Zeilen und unter welchen Berhältniffen die Zerstreuten auch die Purim Rolle lesen, überall weckr ste dieses Vertrauen auf Gott und dasjenige in die Zukunft Israel. Und wenn es auch nicht als Israel, wenn es als das vom Exilsgeschick betroffene Jakobsvolk die wunderbare Erzählung seiner damaligen Befreiung liest, es legt die Rolle nicht aus der Hand, ohne die aus ihr geschöpfte, trostreiche Ueberzeugung laut und freudig htnausrufen: apy mviv, daß auch im Exile Jakob der Rose gleicht, an deren Dornen sich noch alle Hamans die Hände zerstochen haben. Aber nicht dem Falle ihres Feindes galt in jenen Tagen die Freude, die noch heute aus der Purimrolle in die Herzen ihrer Leser hinein leuchtet. Darin vielmehr wurzelte ste, daß jene Zeit und ihre Vorgänge allen die Binde vom Auge genommen, so daß sie in dem ihnen von Gott gesandten Retter nicht die politische Machtstellung, nicht den königlichen Hermelin und nicht die auf seinem Haupte prangende Krone, sondern die Thatsache verehrten, daß Mordechai seinem Volke dasselbe geworden war, was der ihn schmückende nbn jedem Einz eln e n bedeutet: Das von der Vorsehung gereichte Mittel rwyt>i 'n niso b m □mN, dessen bloßer Anblick das Gedächtniß aller Gottesgesetze wieder wachruft, und zu ihrer Erfüllung anspornt. Darin aber bewährt sich die in alle Ewigkeit reichende Gotteshilfe, welche die Purimtage verbürgen, daß ste jede Generation zu denselben Hoffnungen ermuthigt, wie ste sich einst in so wunderbarer Weise erfüllten, 1111 in bn orvpnt rw3^> rr»n Dnyirn Damit ist aber von selbst gesagt: Wer der Verwirklichung dieser Hoffnungen entgegen harrt, darf zu hoffen und nur auf Gott zu hoffen, sich nicht schämen. Wie geringschätzig eine Zeit, dte von sich so viel und von Gott so wenig erhofft, auch über diese Hoffnungen denken mag, Kertas Megilloh weckt in jeder jüdischen Brust, in dte ste dringt, dte zuversichtliche Ueberzeugung: In aller Ewigkeit wirdNtemand in seinen Erwartungen getäuscht, der bet Gott und bei Ihm Schutz sucht. >13 D'Dinn b mib 10b* Mi ntra» i'ip br yni.b Von diesem Gesichtspunkte betrachtet verlieren die Hamane und ihr gehässiges Treiben viel von der Widrigkeit, die ihnen sonst anhaftet. Wohl mögen wir schwach und hilflos der blind zutappenden Gewalt und ihren listig gesponnenen Netzen gegenüberstehen. Aber jeder Purim redet es uns auf neue in dte Seele, daß es einen Gott gtebt, i33’i rw 31.1 'dti der für uns unseren Strett führt, der unser Recht vertritt und der Vergeltung übt an allen unseren Feinden und die Schuld etnfordert, dte auf unseren Drängern lastet. Ja, die wunderbaren Begebenheiten der Purim- Rolle zeigen uns unsere Feinde und Neider selber im Dienste des yvian 'n, als Vollzieher der schützenden Hilfe stehen, die uns Gottes mächtige Gnade angedeihen ließ und — läßt. Wer will den Antheil ermessen, den unsere Haffer und Verleumder gerade mit ihrem Haß und ihrer Verleumdung damals und zu aller Zelt daran hatten, daß der Ueberrest Israels sich kein Unrecht zu Schulden kommen ließ? Daß dte jüdischen Zerstreuten mit heiligem Ernst darüber wachten, allen Versuchungen zu widerstehen, dje mau ihrer Rechtlichkeit, ihrer Reinheit und ihrer Anhänglichkeit an König und Vaterland in jeder Form stellte! Wer wollte die Vorsicht, die Besonnenheit, die Lebensklughett und mittelbar dte Bravheit und Biederkeit in Handel und Wandel unterschätzen, welche das Bewußtsein erzeugen muß, fortwährend von solchen Spähern umgeben zu sein, dte auf jeden noch so leichten Fehltritt lauern, um daraus Kapital für ihre unlauteren Zwecke zu schlagen! Von dieser Lichtseite, die selbst dem fluchbeladenen Gedächtniß eines Haman anhaftete, geht dem Juden eine Ahnung durch die Seele, wenn er sich am Purim den Segen vergegenwärtigt, den ihm selbst der Fluch eines Haman gebracht. Wenn er

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