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Der Israelit · 1895-03-07 · Heft 19 (7.3.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 19 (7.3.1895)
Date
1895-03-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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858 aus den Schranken getretene Natur der Offenbarung dcs Gottesgesetzes an Israel lauschte, damals schmetterte dte unwiderstehliche Macht der Gottessttmme alle Bedenken und allen Widerstand nieder, welche die Menschenbrust sonst dem Gotteswtllen entgegensetzt. Am Fuße des von Gottes Blitzen erglühenden, von Gottes Donnern umgrollten, vor Gottes Herrlichkeit erzitternden Sinai, nahm das ihn umstehende Völkchen unter dem Zwang dieser Naturereignisse das Gesetz entgegen, dem die ganze Natur in so übermächtig ergreifender Weise den Zoll ihrer Huldtguna darbrachte. Aber kaum war diese übernatürliche Wundermacht in ihre gewohnten Geleise zurückgetreten, so brach auch Israel diesem Gesetz die Treue. Noch in der Wüste und später im Lande seiner Verheißung, schwankte es zwischen Abfall und Treue, zw'scheu Treue und Abfall, bis es dieses Land und seine nationale Selbstständigkeit einbüßte und in die Verbannung zog, weil es Gott verlassen und seine Thora nicht beachtet hatte. Als aber selbst damals, nachdem sich das Loos der Verbannten milder und erträglicher zu gestalten begonnen hatte, diese Milde des Geschicks einen großen Bruchtheil des Volkes wiederum dem Gottesgesetze zu entfremden drohte, da brach die Katastrophe herein, deren naturgemäße Entwickelung die Vernichtung der gesammten Judenheit zur Folge gehabt hätte. Da lernten die Zerstreuten dte hinfällige Richtigkeit alles dessen begreifen, woran ihr Herz gehangen, für dessen Erlangung sie Gott und sein Gesetz geringschätzig verlassen hatten. Da wurde ihnen ihre schütz- und wehrlose von Königslaunen und Ministerränken abhängige Lage, in ihrer ganzen Verzweiflung klar. Jetzt lernten sie aber auch die unbefiegbare Macht schätzen, welche die rückhaltlose Hingebung an Gott und sein Gesetz bedeutet. Zum ersten male in den Tagen des Ahasveros brachten ste dem Gottesgesetz den aufrichtigen Vorsatz treuer Verwirklichung entgegen, auf den es vergeblich in den seit seiner Offenbarung verflossenen Jahrhunderten gewartet hatte. NS2V IvVlS »VN 12 ’D’12M 1"M 11.1 ri'11N2 12SWV1 nn iV2pn dh DiV idki ri'ä'22 iin nn □i'Vy I"2pi «21 ID« 121 D21112p Hin DV 1«V DM1 2121D 11111 D'111'1 iVi»pi iö'p 2»roi rnncn« 'D'2 mV2p 1111 d"bjjm 122 iV2pr id iD’p (Sabbat fol. 88a). Mehr als die achtundvierzig Propheten und sieben Prophetinnen, welche Israel zu der Höhe seines Gottesgesetzes emporheben und dort erhalten wollten, hat die Erlaubntß dte Juden zu vertilgen bewirkt, welche Achaschwerosch dem Haman mit der Uebergabe des königlichen Ringes ertheilte. (Megillah fol. 14.) Die Erinnerung an diesen jähen Wechsel, die Verirrungen, die ihn verschuldet, die aufrichtige Rückkehr zu Gott und seinem Gesetze, die ihm folgte, das Gedächtniß der hochmüthigen Judenfeinde und ihres Falles, dte leuchtenden Gestalten der Retter und ihre soziale und sittliche Größe; alle diese und ähnliche Momente machen die Erzählung der Purim - Rolle zur lauten Manifestation Gottes und seines wunderbaren Eingreifens in dte jüdischen Geschicke, machen die Purimtage zu dem ewigen, alle Zeiten durchleuchtenden Zeichen der über ihr Volk wachenden göttlichen Vorsehung. ii2' mV oViy rv«V iVjd mpo it nvb 'nV i\n (Megillah fol. 10.) d’hd »d' iVm Wie könnten auch dte seit Jahrtausenden Zerstreuten diese Urkunde aus den Tagen ihrer ersten Zerstreuung lesen, ohne sie aus ihrer Zeit und ihren eigenen Erfahrungen zu deuten, und ohne wiederum für ihre eigene Zeit und ihre Erlebnisse die goldenen Winke und Lehren zu beherzigen, dte jede Episode dieser Geschichte in so reicher Fülle bietet. Wer, der diese Erzählung nicht nur mit dem Munde liest und dem Ohre vernimmt, könnte das schwere Verhängniß, das damals über allen jüdischen Häuptern schwebte, sich in seiner ganzen Tragweite vergegenwärtigen, ohne mit unseren Weisen nach den Verirrungen zu fragen, dte eine solche herbe Sühne erforderten! Und wer könnte diese Verirrungen in ungewöhnlich vergrößertem Maßstabe in unserer Gegenwart wieder finden, und ohne bange Sorgen die schwarzen Wolken gewahren, die sich von Tag zu Tag dichter über uns zusammenziehen d Dte AhaTvero's und Hamane sind da und arbeiten offen und versteckt darauf hin jiiV D'111'1 V2 nn idmVi TDffiV, aber der Mordechai fehlt und die Esther, von denen wir wie in jener Zeit, „unser Licht und unsere Freude, unsere Wonne und unsere Würde" erhoffen dürften. Ja, wenn selbst ein Mordechai uns wieder erstünde und klagend und mahnend in die jüdischen Gemeinden träte, um ihnen den schweren Ernst der Zeit ans Herz zu legen, er würde nicht einmal Verständniß für seine Mahnung finden. Doch die Purimfreude läßt diese trüben Erwägungen nicht aufkommen, und wenn ste die wahre und echte ist, dann wohnt ihr in der That die Kraft inne, alles Trübe und Harte nicht nur zu mildern, sondern vollständig zu überwinden. Die Brust, die von ihr erfüllt ist, besitzt die sichere Bürgschaft, daß die Begeisterung für alles Große und Herrliche jener Begebenheiten doch nicht in ihr erloschen ist. Dte Purtmtage und ihre Bedeutung sitzen zu tief im Innern jedes Juden, als daß das Weh irgend einer Zeit sie zu trüben vermöchte, wie dies unsere Urkunde vorher gesagt hat: dui’i 11 ID 112p' mV iVhi^d'iidi »di.

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