Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1895)
- Date
- 1895-03-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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347 zu machen. Jedes Risico ist ausgeschlossen und Sie thun eine große Mtzwoh dabei, retten eine hochgeachtete Familie vor großem Verlust." „Wenn die Verhältnisse so liegen, will ich mit meinem Vater und mit Willy darüber sprechen und deren Meinung einholen." „Lassen Sie das lieber und verlassen sich diesesmal ganz und gar auf mich. Ich stehe für alles ein." „Um welche Summe handelt es sich denn?" „Um vierziatausend Thaler, einhundert und zwanztgtausend Mark im Ganzen. Ich versichere Sie, daß Sie eine große Mtzwoh thun, viel Freude davon haben werden." „Aber ich bitte Sie, ich kann doch ohne meinen Vormund, und das ist mein Vater, nicht über eine solche Summe verfügen." Menascheh kratzte sich hinter den Ohren und sagte: „Und doch muß ich Sie von Ihnen haben; ich sehe keinen anderen Weg ein. Aber Sie haben Recht, die Summe ist zu groß und ich muß Ihnen reinen Wein einschenken. Ist Niemand in der Nähe, der lauschen kann?" Annh erschrack über die geheimnißvolle Miene Menaichehs und sah in dem Nebenzimmer nach, es war Niemand da. Sie setzte sich wieder auf ihren Platz und Menascheh erzählte ihr die Unterredung, die er gestern mit ihrem Vater gehabt hatte und den Ausweg, den er gefunden zu haben meinte. Anny hörte aufmerksam zu. Sie erschrack sehr über das, was sie vernahm, doch war sie Gott dankbar, daß sie den Vater retten, ihm helfend betspringen konnte. Auch Menascheh dankte sie, daß er sich an sie gewandt, und sie bestellte ihn für den folgenden Tag wieder. Vielleicht hatte sich bis dahin die Situation geklärt. Als der Vater des Mittags noch Hause kam, empfing ihn Anny wie gewöhnlich. Beim Anblick seiner Tochter drückten ihn die Sorgen noch mehr und er konnte seine besorgte, kummervolle Miene nicht verbergen. „Was fehlt Dir, mein Vater?" fragte Anny, die Falten von seiner Stirne streichend, „Hast Du Verdruß gehabt? Hast Du einen Prozeß verloren?" „Nein, mein Kind," entgegnete Dr. Pretorius, die Hand seiner Tochter sanft streichelnd; „im Gegentheil. Ich habe einem Familienvater Ehre und guten Namen gerettet und ihn und die Seinen vor Schande bewahrt." „Das ist eine gute That, welche der liebe Gott Dir lohnen wird." „Es wird auch der eiuizige Lohn sein, den ich erwarten darf, denn die Untersuchungshaft, in welcher mein Klient fast drei Monate verbracht hat, hat sein Geschäft und auch seine Gesundheit ruinirt." „Der arme Mann! Ich möchte ihm helfen!" „Du thust ein gutes Werk damit. Mein Bureauchef wird Dir Namen und Adresse des Armen nennen." „Nun sei auch wieder vergnügt, mein Vater und laß die garstigen Falten von Deiner Stirne schwinden." „Ja, wer das könnte! Das Alter und Sorgen graben ihre Runen in unser Antlitz, ohne daß wir es hindern können." „Du bist doch noch nicht alt, Väterchen, und Sorgen, pah, wer wird sich von Sorgen verstimmen lassen. Theile mir Deine Sorgen mit, daß ich sie Dir tragen helfe, denn zu zweit läßt sich jede Last leichter tragen als alleine." „Meine Sorgen sind keine Last für die Schultern eines jungen Mädchens." Es zuckte verräterisch um die Mundwickel des Anwaltes, als er AnnyS vollen Blick auf sich gerichtet sah, und als sie nun ihre Arme um seine Schultern legte und innig sagte: „Vater, laß mich Thetl nehmen an Deinen Sorgen", da war es mit seiner Selbstbeherrschung dahin. Thränen entstürzten seinen Augen, er preßte sein Kind fest an sich und sagte mit vor Schluchzen fast erstickter Stimme: „Quäle mich nicht, mein Kind! Ich habe große Verluste gehabt und bin in Verlegenheit mit meinen Zahlungen. Aber ich werde mir schon helfen können." „Et, Vater und deshalb sorgst Du auch nur einen Augenblick? Habe ich nicht Geld genug, daß ich meine Zinsen nicht alle aufzuzehren vermag? Ist mein Geld nicht Dein Geld?" „Nein, mein Kind, es wäre gewissenlos von mir, wenn ich mir von Deinem Gelde helfen wollte." „Aber wenn ich Dich darum bitte?" „So verbietet mir mein Gewissen, Deine Bitte zu erfüllen." Anny ließ nicht nach mit Bitten, bis der Vater scheinbar darauf einging. Sie fragte so viel, daß er wohl oder übel alles sagen mußte. Als er zu Ende war, seufzte der Anwalt tief auf und Anny sagte: „Ich danke Dir, Vater, daß Du mir Dein Vertrauen geschenkt hast. Ich weiß jetzt, woran ich bin und was ich zu thun habe." „Du wirst keine Dummheiten begehen, Anny," warnte der Anwalt ernst. Er wußte nicht, daß Anny durch Menascheh von seinem Vorhaben unterrichtet war, und dachte nicht, daß sie für sich allein seine Pläne zu kreuzen versuchen könnte. Er erhob sich, gab Annh eine Kuß und zog sich in sein Arbeitszimmer zurück. Anny machte sich