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Der Israelit · 1895-03-04 · Heft 18 (4.3.1895) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 18 (4.3.1895)
Date
1895-03-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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346 Hieraus geht hervor, schreibt die „Laubhütte", daß biS jetzt die alten Gesetze noch bestehen und neuerdings angewendet werden Allerdings scheinen kleine Verbesserungen in Aussicht zu sein, wie die Vorlage der Abschaffung der jüd. Licht- und Fleischsteuer zeigt. Eine bestimmte Ansicht kann also bis jetzt nicht geäußert werden. In kleinen Dingen merkt man wohl eine geringe Befferung. Diejenigen Kaufleute erster Gilde, welchen das Wohnrecht auch außerhalb des „Rayons" zusteht, dürfen nach einer neueren Entscheidung des Senats, auf Grund ihres Reisepasses vorübergehend in Petersburg wohnen, nicht aber diejenigen Kaufleute erster Gilde, welche nur im Juden-Rayon zu wohnen berechtigt sind. Aus MWcn Dcreintn, Schulen uns StWngcu. Frankfurt a M. Dem 1. Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankfurt am Main (1894) entnehmen wir: Die Ziffer der beitragenden Mitglieder hat sich im laufenden Jahr auf 662 erhöht, auch ist es gelungen, eine größere Anzahl Schwestern und Schülerinnen zu gewinnen, so daß der Verein allmählich mehr und mehr im Stande sein werde, seinen humunitären Aufgaben in weiterem Maße zu erfüllen. Ein hochherziger Schenker, deflen Name unbekannt geblieben ist, hat durch die gütige Vermittlung des Herrn Rechtsanwalt Plotke die beträchtliche Summe von zwanzig Tausend Mark zur Gründung eines Pensionsfonds gestiftet. Am Ende des ersten Geschäfsjahrs sind bereits zehn ausgebildete Schwestern für die Zwecke des Vereins in Thätigkeit. Bon diesen befinden sich vier Schwestern in festen Stellungen für Hospitalpflege, von denen eine nach Köln in's dortige israelitische Asyl und Krankenhaus delegirt ist. Von den übrigen sechs Schwestern ist leider eine durch Krankheit verhindert, ihren Beruf auszuüben, so daß für die private Krankenpflege nur fünf Schwestern, von denen eine erst am 1. November dieses Jahres eingetreten ist, zur Verfügung stehen. — Mit Beginn dieses Monats wurde eine der Schwestern ausschließlich zur Ausübung der Armen-Krankenpflege bestimmt, und zwar zur Pflege von Kranken aller Confefftonen. Die gegenwärtig noch geringe Zahl unserer SSweftern wird sich in den nächsten Monaten nicht unbeträchtlich erhöhen, indem wir heute noch sechs Schülerinnen der Krankenpflege zur Ausbildung in unserm Verband haben. Drei der Schülerinnen sind im hiesigen israelitischen Gemeindehospital und werden von dem Assistenzarzt der Anstalt, Herrn vr. Deutsch, unter Beihilfe der Oberin theoretisch und practisch unterrichtet. Wir wollen nicht verfehlen, an dieser Stelle Herrn vr. Deutsch unfern wärmsten Dank auszusprechen für seine aufopfernde, unermüdliche Arbeit, die schon bei den bisher von ihm ausgebildeten Schülerinnen und jetzigen Schwestern schöne Früchte gezeitigt hat. — Auch in dem Kölner Asyl, mit dem wir in enger Verbindung stehen, befinden sich drei Schülerinnen, die von dem Leiter der dortigen Anstalt, Herrn vr. Auerbach, und den übrigen Aerzten sachgemäße Ausbildung empfangen. Wir danken diesen verehrten Herren gleichfalls für die nicht geringe unausgesetzte Mühe, die sic unseren Schülerinnen zuwenden, und sprechen die Hoffnung aus, daß sie uns noch manche vorzügliche Pflegerinnen ausbilden mögen. In Privatpflege wurden im abgelaufenen Jahr im Ganzen von sechs Schwestern 47 Pflegen geleistet, davon zwei außerhalb unserer Stadt, und zwar bei Kranken aller Confesstonen. Im Ganzen haben die sechs Schwestern 732 Pflegetage und 116 Nachtwachen versehen, wobei zu bemerken ist, daß jene sechs Schwestern nicht während des ganzen Jahres dem Verein zur Verfügung standen, snndern zum Theil erst im Laufe oder gegen Ende des Jahres als Schwestern eingetreten sind. Das Bestreben des Vereins, jüdische Mädchen als Krankenpflegerinnen auszubilden, hat von allen Seiten Anklang und Unterstützung gefunden, ES kommen fortwährend Anfragen und Anmeldungen von Schülerinnen aus allen Gegenden Deutschlands, selbst aus dem Ausland; io ist gegenwärtig eine Schwester aus Dänemark vorerst probeweise und eine Schülerin aus Holland in dem Verband. Die Einnahmen betrugen 17149 M.» die bis auf 2067 M. verausgabt wurden. Vermischtes. (Jüdische Feiertage), die nicht in die Schulferien fallen, sind nach einem Min.-Erlaß vom 12 Dezember 1894 aus die Gesammtdauer der jährlichen Ferien bei den jüdischen Schulen nicht anzurechnen. Herr ille ton. Hur eine Tochter. §>* Erzählung von H. Berger. 22.) (Alle Rechte Vorbehalten. Aergerlich schritt Menascheh die Straße entlang und überlegte bet sich, ob er nicht entgegen dem Willen des Anwaltes mit seiner Tochter sprechen sollte. Die Conjnncturen zum Verkaufen lagen momentan sehr ungünstig und er war überzeugt, der Anwalt würde, wenn er auf seinem Plane beharre, große Verluste an seinem Eigenthume erleiden. Der Anwalt hatte sich schon gar oft uneigennützig aegen ihn erwiesen und sich ihn zum Danke verpflichtet, so daß er sich gezwungen fühlte, denselben vor weiteren Verlusten zu bewahren. Das konnte einzig und allein nur mit Hilfe seiner Tochter geschehen und Menascheh, der keinen anderen Ausweg sah, beschloß den für richtig erkannten Weg etnzufchlagen. Am anderen Morgen, da er wußte, daß die beiden Anwälte aus dem Gerichte waren, ließ er stch bet Anny melden und wurde auch sofort von derselben empfangen. „Nun, mein Herr, womit kann ich Ihnen dienen?" fragte sie denselben nach einigen gleichgiltigen Redensarten. Menascheh räusperte stch und fing an zu stottern. Er habe ein großartiges Geschäft, eine äußerst vortheilhafte Kapitalanlage für das Fräulein. „Mein Vermögen ist fest und sicher angelegt," versetzte Anny „und Sie wissen, daß das Speculiren nicht meine Sache ist." „Ich will Sie auch nicht verleiten zu einer Spekulation, aber wie die Sachen gerade in diesem Falle liegen, möchte ich Ihnen rathen, das Geschäft

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