Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1895)
- Date
- 1895-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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344 Als daher mit der schweren Zeit der Prüfung auch die Selbsterkenntniß wieder ein gekehrt war, als e8 sich darum handelte, für diese Versündigung die Verzeihung Gottes zu erwirken, da ordnete Esther dreitägige Enthaltung von Speise und Trank an und — ihr Volk war gerettet. Welche erschütternde Mahnung liegt doch in diesen Anmerkungen, mit welchen unsere großen Lehrer unsere Geschichte begleiten! Was kann derjenige, der für den Talmud nicht blos eine platonische Liebe zur Schau trägt, sondern von der Hochachtung und Verehrung unserer großen Weisen wirklich erfüllt ist, was kann ein solcher aus diesen goldenen Winken für unsere Zeit nicht alles lernen! Getränkt und durchdrungen von ihrem Geiste, würden wir Angestchts des Abfalls von dem alten, überlieferten Judenthum, der sich vor unseren Augen vollzieht, nicht mehr fragen, was den Judenhaß veranlaßt hat. Heute zählt kein Mordechat diejenigen, welche durch Verletzung der Speisegesetze das Strafgericht Gottes herausfordern. Heute sind diejenigen, welche sie noch in Frankreich beobachten, auf der Reise, im täglichen Verkehr und gar unter denjenigen, welche staatliche Würden und Aemter inne haben, zu einem zähligen Häuflein zusammengeschrumpft; Dana’ -M — Wir brauchen uns übrigens nicht auf die Schüler des R. Schimeon ben Jochai zu beschränken. Wo wir auch sonst die Worte unserer Weisen aufsuchen, überall begegnen wir in ihrem Munde derselben Wahrheit. — Aus der Fülle der hierhergehörigen Aussprüche greifen wir hier nur einen einzigen heraus, den Rabbi Schimeon ben Laktsch an die das Capitel über die Spetsegesetze — IIIB. M. XI. 16 — einleitenden Worte knüpft, towi onnt nx itrpb rn ivx nrir, rwr „Das sind die Thiere, die ihr essen sollt." — Wenn ihr euch euere Lauterkeit bewahrt, so werdet ihr sie genießen, wenn aber nicht, so werdet ihr von den anderen Mächten aufgerteben." (Wajikra Rabba XIII.) Was unserer Zeit Roth thut, das ist das Bewußtsein von dem innigen Zusammenhänge, der zwischen unserer tteuen oder untreuen Erfüllung unseres Gottesgesetzes einerseits und unserem socialen und politischen Geschick andererseits besteht. Auf diesen Zusammenhang fort und fort htnzuwetsen wäre die Pflicht der geistlichen Wortführer Israels. Nirgends tritt dieser innige Connex zwischen unserer Aufgabe und unserem Schicksal klarer zu Tage als in unserer Purimgeschichte. Möge sie auch jenseits der Vogesen mit dem treuenWorsatz gelesen werden, ihre tiefen Wahrheiten zu beherzigen und in Thaten für das praktische Leben umzusetzen; so wird aus diesem Entschlüsse und seiner Verwirklichung auch wieder die heitere felsenfeste Zuversicht erblühen, auf Gott: wnop:> n« Qpurn nt« pm «an n« ann *]na uns» jnwm «w bih bim vblvvni .V’tfinon 'nh jnsjn 'n nnx Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 28. Februar. Das christlich-soziale „Volk" konstattrt ausdrücklich, daß der gestern verhandelte Antrag gegen die Einwanderung ausläm bischer Juden nur als erster Schritt Bedeutung haben und daß man später die Gleichberechtigung anfechten werde. Es bedauert aber, daß die Verhandlungen gestern nicht auf der richtigen.'Höhe standen und sagt: „ES fehlte der große Zug, der z. B. der Judendebatte innewohnte, die emst der Neustettiner Synagogenbrand im Abgeordnetenhause entfesselt hatte. Stöcker. Strosser, Bachem, — was waren das damals für Reden! Gewiß viel Treffendes wurde auch gestern vorgebracht, aber wir hätten doch gewünscht, daß jetzt, wo zum ersten Male seit längerer Zeit Gelegenheit zu einer parlamentarischen Judenoebatte im großen Stile Gelegenheit war, die grundsätzlichen Gesichtspunkte vorangesteüt worden wären." Nürnberg, 19. Febr. Die hiesige Vereinigung der orthodoxen Israeliten, sowie die Gesammtgemeinde überhaupt, hat einen herben Verlust erlitten. Am 10. Februar starb nach Langem, schweren Leiden Herr Josef Schwarz, eines der verdientesten Mitglieder der hiesigen Gemeinde. Ueberall, wo wahre Menschenliebe eine Bcthätigung suchte, war Josef Schwarz in vorderster Reihe zu sehen. Er war Mitglied der orthodoxen Vereinigung hier und einer ihrer Hauptstützen, wie ihn jedes fromme Werk, jede Bildungsanstalt zu ihren Förderern zählen konnte. Die Nachricht über den Htntrttt dieses Mannes hat darum überall gerechte Trauer hervorgerufen. In den ergreifenden Reden, welche angestchts einer imposanten Trauerversammlung am Grabe desselben die Herren Rabbiner Dr. Ziemlich und der Direktor der israelitischen Waisenanstalt in Fürth, Herr Dr. Deutsch, hielten, fand diese Trauer einen würdigen Ausdruck. Möge das Andenken des theuren Todten in Segen bleiben. .n"asar> Oesterr.-Ungar. Monarchie. Birovitika (Slavonien). Seit jüngster Zeit findet man in dem Jnseratentheil der jüd. Zeitschriften Deutschlands sehr viele Annoncen, in