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Der Israelit · 1895-02-28 · Heft 17 (28.2.1895) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 17 (28.2.1895)
Date
1895-02-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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326 zu unterscheiden; ihre Lebensweise ist im Großen und Ganzen die der in der genannten Provinz stark vertretenen Muhamedaner, welche sie mit dem Namen Moffesfim belegen, eine Bezeichnung, die augenfälligen Anklang an MoseS enthält. Ferner wurde festgestellt, daß sie uralte, auf Leder geschriebene hebräische Gebete besitzen. Da China keinerlei GlaubenSzwang kennt und dort Jeder nach seiner Fe^on selig werden kann, so leben die chinesischen Juden unbehelligt von oben und unten und sind keiner Verfolgung ihres Glaubens wegen ausgesetzt. Mit vielen Millionen anderer Chinesen theilen sie aber leider das Loos der drückendsten Armutü, daS, wenn ich recht berichtet bin, noch bis auf den heutigen Tag von England aus durch Unterstützungen in etwas gemildert wird. Wer sich genauer über die Verhältnisse zu ortentiren wünscht, dürste weitere Aufschlüsse in London bei Herrn Joseph Sebag-Montefiore, dem englischen Parlamentsmitglieds Samuel Montagu, bei Sir Albert Sassoon und wahrscheinlich auch bei Lord Rothschild erhalten können. Auch der in Shanghai lebende gelehrte Missionär Dr. Faber, ein Deutscher, und vielleicht auch der frühere deutsche Gesandte in Peking, der jetzt in Wiesbaden lebende Herr M. von Brandt, dürsten Auskunft zu geben im Stande sein. Oesterr.'Ungar. Monarchie. 8. H. Wien, 17. Februar. Bet der Budget- Debatte im ntederösterreichischen Landtage gelangte vorgestern das Kapitel „Schulwesen" zur Verhandlung. Anläßlich deS 25. Bestandes des Reichsvolksschulgesttzes hob Abgeordneter Sueß hervor, daß die von der Staatsanwaltschaft veröffentlichten Berichte beweisen, daß seit der Einführung dieses Schulgesetzes die Zahl der Verbrechen zurückgegangen sei. Redner führte weiter aus, daß, was die Juden betrifft, die Zahl derselben im letzten Decenntum zugenommen, daß dagegen die Zahl der von Juden begangenen Verbrechen percentuell constant ab genommen habe. Das spreche deutlicher als alle Worte gegen die urquali fickten Ausdrücke, welche im Laufe der letzten Sitzungen hier gefallen find, und auf welche Redner weiter nicht eingehen will. Abg. Dr. Lueger: Die Abnahme der Verbrechen fei hauptsächlich durch das Wiederaufleben des christlichen Geistes im Volke zu erklären. Zur Beurtheilung der moralischen Haltung der Juden wären auch die ttebertretungen der Crtda zu berücksichtigen. Abg. Sueß: Meint Dr. Lueger damit die Bewegung, an der er selbst theilgenommen? Abg. Lueger: Ja! Abg. Sueß: Dann erlaube ich mir zu bemerken, daß die geringste Anzahl von Verbrechen in einem Lande zu konstatiren ist, in welchem der Antisemitismus nicht vorhanden ist, das ist in Böhmen. Ferner bemerkt Redner, die Juden seien in der Rubrik Uebertretungen der Crida darum so stark vertreten, weil sie aus einem großen Theile von anderen Erwerbszwetgen ganz oder zum größten Theile verdrängt werden, also zumeist Kaufleute sind. Wien, 20. Febr. Bon christlich-sozialer Sette in Oesterreich ist dem Heiligen Stuhle eine Denkschrift zugegangen, welche das Programm der Partei im Einzelnen darlegt und die wider dieselbe erhobenen Anklagen als eine» Ausfluß von Interessen zurückweist, welche in der Selbstsucht der kapitalistischen Kreise wurzeln und mit der Kirche nichts gemein haben können. Die Denkschrift nennt das Werk dieser Kreise eine fortgesetzte gewissenlose Ausbeutung, des Volkes in Stadt und Land, eine Ausbeutung, welche zur Verkümmerung des Handwerks, zur Verarmung und Ueberwucherung des Landwirthes und Bauers geführt hat. Die Partei hat den Kampf gegen diese zerstörenden Elemente der Gesellschaft im Vertrauen auf die Hilfe Gottes ausgenommen; um so schmerzlicher empfindet sie daher die feindselige Haltung einiger Bischöfe. Die Rücksichten, zu welchen sich dieselben durch ihre weltlichen Beziehungen verpflichtet glauben, lassen sie ihre Hauptpfltcht, den Schutz der Armen und Vermögenslosen, vergessen. Dies ist ungefähr der Inhalt der Denkschrift, welche, wie im Batiean versichert wird, dem Papst von einem nichtösterretchischen Bischof mit Worten der wärmsten Fürsprache und der Bitte um gütige Erwägung übergeben wurde. Es ist jedenfalls sicher, daß zwei nahezu gleich mächtige Strömungen auf die Entscheidung des Papstes etnzuwirken bemüht sind. Da aber Papst Leo in Gesprächen mit seinen Familiären die antisemitische Agitation zu wiederholtenmalen laut und nachdrücklich getadelt hat, so wird es den Antisemiten schwerlich gelingen, ihm ein Wort der Duldung, geschweige deS Lobes abzuringen. Lemberg, 14. Febr. Eine für die galizischen Zustände bezeichnende Verhandlung fand vor dem Geschworenengerichte in Rzeszow statt. Ein Bauer schenkte sein Gut vor Jahren als Mitgift seinem Sohne und dessen Frau. Die Eheleute unterließen eS, die Urkunde einverletben zu lassen und infolge dessen war der Bauer als Eigenthümer im Grundbuch noch eingetragen. Dieses Gut verkaufte nun der Bauer einer Jüdin. Darauf klagte der Staatsanwalt in Rzeszow beide wegen Betruges an: die Jüdin, weil sie angeblich den Bauer beredete, den wahren Sachverhalt dem Notar zu verheimlichen und ihr das Gut zu verkaufen. Die unter der Leitung des LandeSgertchtsratheS Herrn Mtchniewtez

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