Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1895)
- Date
- 1895-02-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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- Kaunas 1× ep/1000678
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327 durchgeführte Verhandlung ergab nun die vollständige Schuldlosigkeit der Jüdin. Der elnvrrnommene Notar sagte nämlich unter Eid aus, daß ihm die Jüdin vor der Abfassung des Kaufvertrages mtttheilte, man behaupte, der Verkäufer habe das Gut verschenkt, daß sie ihn bat, in den Verkäufer zu dringen, er soll die Wrhrheit sagen. Die Bemühungen deS Notars waren jedoch fruchtlos, weil der Bauer leugnete. Nun geschah aber etwas ganz Unerwartetes. Die Geschworenen verneinten nämlich einstimmig die Schuldfrage gegen den Bauer und bejahten die Frage wegen Theilnaüme gegen die Jüdin. So weit ist es bereits gekommen. Der Gerichtshof fand natürlich diesen Ausspruch für irrig, befreite den Bauer und verwies die Anklage gegen die Jüdin vor das nächste Geschworenengericht. Rußland. Warschau, 18. Febr. Der „Krim Wiestnik" meldet man aus Sebastopol, daß am 27. v. eine Deputation der im Kreis Liberia wohnenden russischen Juden nach Petersburg reisen wird, um im Aufträge der jüdischen Gemeinden des genannten Kreises dem Katserpaar die tiefempfundensten Glückwünsche anläßlich der kürzlich stattgefundenen BermählungSfeier zu übermitteln. Wir glauben, diesen Fall um so mehr registrirenswerth erachten zu müssen, als das Geschenk, welches die Deputation dem Kaiserpaar überreichen wird, in einem Sepher Thora (Thorapergamentrolle), die sorgfälttgst und kostbarst zu diesem Zweck in Stmpropol angefertigt worden ist, bestehen wird. An die Spitze der Deputation ist der Leiter der in Sebastopol befindlichen Filiale der Moskauer Bank, unser Glaubensgenosse H. C. Kamenka, gewählt worden. — Am Neujahrstage (13. Januar) sind unter den Männern, die vom jungen Zaren mit Orden beehrt worden sind, auch eine Reihe von unseren Glaubensgenossen bedacht worden. So haben Seine Majestät allergnädigst geruht, die Mitglieder der Steuerverwaltung zu Kowno, die Herren Nathan Nathansohn, Gerson Werblowski und Jsak Kaplan zu Ehrenbürgern zu ernennen. Den Kaufleuten erster Gilde, Herren Aron Zuckermann in Mohilew am Dniepr und Israel Benjamowitz in Wilna, und den Kaufleuten zweiter Gilde, den Herren Jacob Cohn in Theodofia, Bär Goldberg in Minsk, Samuel Bruker in Schedlitz, sowie dem Kaufmann erster Gilde Herrn Abraham Ozan in Kischinew wurden goldene Medaillen verschiedener Orden als Allerhöchste Auszeichnung verliehen. Den Kaufleuten D. Holpern in Warschau, David Cohn Lembeck in Jeletz, Abraham Oderfeld in Tschenstochow, Chaim S. Rheinwein in Radom, Chaim Rosenblum in Bendtn. David Wtegmann in Waldowo, Wolf Ztbult in Tschelabin, Josef Hirsch Schatz in Nowa Radom, Hirsch Wechselmann in Awrotsch und Jsak Rubinstein in Lottin wurden silberne Ehrenmedatllen zu Thetl. Dieser Tage besuchte der Gouverneur das jüdische Krankenhaus und sprach, hocherfreut über die in demselben herrschende Ordnung, den Leitern und Gründern der Anstalt seine Anerkennung und seinen Dank aus. Vermischtes. Frankfurt a. M., 14. Februar. Au» London wird berichtet: Da» dieswöchrntliche Athenäum veröffentlicht folgenden von Affuan datirten Brief de» assyrischen Forscher» Professor Sahce: „Ich glaube, den Namen Nimrod in den Keilinschristen gefunden zu haben. Sein voller Name war: Naji Muruda der Kaffu. Er war der babylonische Zeitgenoffe de» Vater» de» assyrischen König», welcher Ntntveh wieder aufbaute (?) und Talah etwa 50 Jahre vor dem Auszüge der Israeliten aus Egypten gründete/1 Berlin, 20. Februar. (Antisemitischer Nebereifer.) Am Sonnabend entnahm die „Kreuz-Ztg" mit großem Behagen der „Kons. Korresp" einen Artikel über die vom Regierungspräsidenten in Düsseldorf den vier Kindern de» dortigen SanitatSrathe» De. Jofephfohn ertheilte Genehmigung, den Namen Möllhaufen annehmen und führen zu dürfen. Au» den Bemerkungen der beiden Blätter geben wir nur die beiden ersten Sätze de» Artikel» wieder : „ES will fraglich erscheinen, ob die rechtmäßigen Eigenthümcr de» Namen» Möllhausen, der in Deutschland einen besonder» guten Klang hat, mit der Berschenkung desselben an eine jüdische Familie, die ihre» alten Familiennamen» überdrüssig geworden ist. einverstanden sind. Unsere» Erachten» darf doch dem Verlangen eine» Juden nach einem „klangvollen" Namen nicht so ohne Weitere» stattgrgeben werden." Heute steht sich die „Kreuz-Ztg." genöthigt, einer Zuschrift de» Geh. OberregierungSraths v. Wödlke au» dem Reichsamte de» Innern Raum zu geben, in welcher Folgende» festgestellt wird: 1) der SanitätSrath Dr. Josephsohn ist der evangelische Sohn eine» evangelisch-lutherischen Pastor» streng positiver Richtung, der früher Seminar- Direktor und Prediger in KöSlin gewesen ist und Herrn von Wödrke selbst eingesegnet hat. 2) Dr. Josephsolm war verhirathet mit einer Tochter de» verstorbenen Justizrath» Möllhausen in Köslin- Ihr einziger Bruder ist Geheimer Ober Regierung»- und Vortragender Rath im Ministerium der öffentlichen Arbeiten und kinderlos. Mit ihm und seiner Mutter, also der Großmutter der Kinder, ist die Namensänderung vereinbart worden, auch die übrigen näheren Ver wandten haben sich damit einverstanden erklärt — Hieraus, so bemerkt die „Magdeb. Ztg." u. A, geht hervor, daß die „Kons. Korresp." und nach ihr die „Kreuz-Ztg." ohne jede Prüfung, lediglich, weil der Name auch bei jüdischen Familien Vorkommen kann, eine christliche Famllie al» jüdische betrachtet und geschmäht haben. Es ist dies namentlich bei der „Kreuz-Ztg." um so auffallender, al» es noch heilte in den westlichen Provinzen evangelische Geistliche dieses Namens giebt, die gerade bei den der .Kreuz-Ztg." am nächsten stehenden religiösen Parteien sehr angesehen sind. Es ist auch nicht da» erste Mal, daß die „Kreuz-Ztg." lediglich auf den Namen hin Leute al» Juden denunzirte und hinterher zum Eingeständniffe gezwungen wurde, daß sie sich getäuscht hätte.