Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1895)
- Date
- 1895-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXVL Jahrgang. Erste Beilage ju M 17 des „Israelit“. Zeitungsnachrichten und Enrrespondenze». Deutschland. 8. Frankfurt a. M. In Nc. 13 bcS „Israelit" befindet sich eine Correspondenz von hier, welche sich mit dem Vortrage, den Herr Rabb. Dr. Salfeld tn Mainz im Verein für jüdische Litteratur jüngst hier gehalten hat, beschäftigt, die jedoch nicht unwidersprochen bleiben darf. Entweder hat der Verf. der Correspondcnz nur vom Hörensagen über den Vortrag gcurrheitt, oder er ist mit einem so starken Vorurtheil gegen die Person des Vortragenden unter den Zuhörern erschienen, daß er thatsächlich Falsches berichtele. Schreiber dieses ist weder Parteigänger des Redners, noch zählt er zu seinen Vertrauten, auch gehört er nicht der Leitung des Vereins an. daß er ex officio für denselben eintreten müßte, er spricht hier nur als unbefangener Zuhörer, welchen Eindruck der Vortrag auf ihn gemacht, und da muß er doch sagen, daß von allem, was der Herr Correspondent in Nr. 13 Verletzendes gebürt haben will, auch nicht eine Spur von dem Schreiber dieser Zeilen bemerkt worden ist. Daß Herr Dr. Lehmann vom Vortragenden „angerempelt" worden sei? Schreiber dieses war durch mehr als 25jährige Freundschaft mit dem leider zu früh verstorbenen Herausgeber d. Bl. verbunden und hat in gemeinsamem Wirken mit ihm genug Gelegenheit gehabt, sein edles Herz und seine wahrhaft innige Begeisterung für alles Gute kennen zu lernen; ihn, den Schreiber dieses, hätte es sicherlich tief verletzt, wenn der Redner eine, wie es der Herr Correspondent nennt, „Anrempelung" aus seinen verstorbenen Freund versucht hätte; aber worin soll denn diese gelegen haben? Das Einzige, was Herr Dr. S. über Dr. L. V'» sagte, war, daß der Verf. von „Vergangenheit und Gegenwart" vom „Mainzer-Journal" heftig angegriffen worden sei, weil er Victor HI. als den Papst jüdischer Geburt genannt habe, der nach der Elchanan-Sage den Stuhl Petri innegehabt haben soll. Ist das eine „Anrempelung"; sollte, wie das der Vortragende beweisen wollte, diese Sage historischen Boden haben und einer genannt werden, der der Zeit und den Umständen nach tn der Reihe der Päp'te als jüdischer Herkunft gelten konnte, so mußte auch auf eine irrthümliche Vermuthung umso mehr hingewtesen werden, als gerade eine Persönlichkeit von Autorität sie mit ihrem Namen deckte. — Daß der Redner die Gegenwart über die großen Mäuner der Vergangenheit gehoben, hat Schreiber dieses ebenfalls nicht gehört; er hat vielmehr den Eindruck empfangen, daß der Redner mit tiefer Verehrung von den Großen in Mainz gesprochen, die dort biszurAera Mendelssohns gew rkt haben. Dies zur Richtig- und Klarstellung. Daß es auf die Mitglieder des Vereins „verwirrend" wirken sollte, wenn Männer, die nicht auf orthodoxem Standpunkt stehend, tn ihm sprechen, sich jedoch, wie es Herr Dr. S. -gethan, rein objectiv verhalten, auch der unscheinbarsten Anspielung auf reformistische Tendenzen sich enthalten, das kann nicht zugegeben werden, wenn auch die Thatsache allein schon, daß Herr Dr. S. der Redner des Abends war, auf den Herrn Berichterstatter in Nr. 13 sehr „verwirrend" gewirkt zu haben scheint. Aber die Ausnahme bestätigt die Regel. Anm. d. Red. Wir haben die in Rede stehende Correspondenz von einem sehr zuverlässigen Berichterstatter erhallen, dessen objectives Urtheil sich schon bet verschiedenen Gelegenheiten bewährt hat. Außerdem hatten wir schon deshalb keinen Grund an der Richtigkeit der Auffassung des Berichts zu zweifeln, als uns wiederholt Berichte zugekommen über Vorträge des Redners, die das gleiche Thema behandelten, worin mitgetheilt wurde, daß in denselben mit Geringschätzung gegen den Begründer d. Bl. gesprochen worden sei. Die früheren Mittheilungen dieser Act haben wir. weil uns die Nacht« richt zu ungeheuerlich klang, unterdrückt. Nachdem uns jedoch jetzt aus nächster Nähe aus scheinbar sicherster Quelle die Anklage wiederholt wurde, schien uns die Evidenz festgestellt. Berlin, 20. Febr. Anschließend an den Bericht über den von Herrn Katz gehaltenen Bortrag „Ueber die Juden in China", werden dem „Berl. Börsen-Courier" von einem seiner Leser, der Jahre lang eine hervorragende Stellung in China eingenommen, nachstehende dankenswcrthen und interessanten Aufschlüsse über die Lage dieser dort vollständig acclimatistrten Israeliten gegeben. Sir Moses Montefiore, der überall im Sinne der Humanität zu wirken bestrebt gewesen, hatte sein Interesse auch den in China lebenden Juden zugewandt und in Gemeinschaft mit einem Mitgliede des Londoner Hauses Rothschild eine Expedition ausgerüstet, die sich mit der Auffindung jüdischer Gemeinden in China, deren Gebräuche und Feststellung etwaiger Hilfsbedürftigkeit beschäftigen sollte. Das Ergebniß der eingehenden Forschungsreise war ungefähr Folgendes: Es leben gegen 80,000 Juden in China und zwar zumeist in der nahe am Aangtse- Kiang liegenden Provinz Hunan, deren Gesammt- Einwohnerzahl auf ca. 60 Millionen geschätzt wird. Diese Juden sind äußerlich von den Chinesen nicht