Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-02-28 · Heft 17 (28.2.1895) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 17 (28.2.1895)
Date
1895-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448577--40297-2489204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

924 In letzter Zeit hatte das Schicksal dem An« walte bös mltgespielt. Der Bankier, dem er sein ganzes Vermögen anvertraut hatte, war in Concurs gerathen und hatte ihn in ernstliche Verlegenheiten gebracht. Die Früchte jahrelanger Arbeit waren dahin und er mußte, wenn er seinen Verbindlichkeiten Nachkommen wollte, sein schönes HauS verkaufen, Pferde und Wagen abschaffen und sich in jeder Hinsicht etnschränken. Er war fest dazu entschloffen und hatte schon einem Makler Auftrag dazu gegeben, als dieser ihm einen rettenden Ausweg vorfchlug. »Sie brauchen gar nichts zu verkaufen, Herr Dr.," hatte das lebhafte Männchen gesagt. »Sie haben noch mehr Kapital unthätig liegen, als Sie gebrauchen." Erstaunt blickte der Anwalt den Makler, der ein Jugendfreund von ihm war, an urd sagte: »Immer wieder das »Sie." Sage doch zu mir »Du", Menascheh, wie ich auch Dich Du nenne. Du scheinst genaueren Bescheid über meine Vermögenslage zu wissen, als ich." »Gott soll mich hüten, daß ich mir so etwas anmatze," fuhr Menascheh mit komischem Erschrecken Zurück. »Aber laffen Sie, pardon Du uns einmal rechnen. Ihr, pardon, Dem Sohn, erhält, wenn er heirathet, sicher eine Mitgift von M. 250.000. Ich habe den Auftrag ihm ein Mädchen mit diesem Vermögen avzutragen. Deine Tochter hat ein Vermögen von Seiten ihrer Mutter auch von 250,000 Mark. Macht zusammen eine halbe Million. Na, ich sollt' meinen mit einer halben Million im Vermögen braucht man an kein Verkaufen und Einschrävken zu denken." Der Anwalt lächelte über den Eifer Menaschehs und sagte: »Schade, daß Du nicht Finanzminister geworden bist, Menasche. Du hättest dem Staat sicher unerschöpfliche Hilfsquellen nachgewiesen. Aber in unserem vorliegenden Falle irrst Du Dich, läßt Dich Deine Logik im Stich. Das Vermögen meiner Kinder geht mich nichts an; ich habe kein Verfügungsrecht darüber und werde mich nie dazu verstehen, auch nur einen Pfennig von ihrem Vermögen für mich zu acceptiren." »Papperlapapp; was sollen diese Reden? Wenn man das Seine erhalten will, muß man auch einmal von seinen Kindern nehmen können. WaS macht es Deiner Tochter aus, wenn sie die Zinsen ihres Vermögens, die ste ja doch nicht selbst verzehren kann, einmal ein Jahr lang Dir gibt, wenn sie die Kosten des Haushaltes bestreitet und Du ein Jihr mit ihr lebst, anstatt sie ernährst? Ich bin sicher, Du kannst ihr keine größere Freude machen, als wenn Du das von ihr anntmmst. Ich werde gleich mit ihr reden." »Das wirst Du nicht thun. Ich denke nicht daran, die Sorgen, die meine Schultern drücken, zur Hälfte meinem Kinde, meiner Tochter aufzubürden." »Als ob Deine Anny nicht von allem Bescheid wüßte, was Dich betrifft, und als ob sie nicht mit tausend Freuden bereit wäre, zu helfen!" »Ich will aber diese Hilfe nicht." »So laß Deinen Willy heirathen; er wird auch keinen Augenblick zögern. —" »Weder das Eine noch das Andere. Thue, was ich Dir gesagt habe und lasse das ttebrtge meine Sorge sein." Brummend über den Unverstand selbst der klügsten und gelehrtesten Leute verließ Menascheh den Anwalt mit dem Aufträge einen Käufer für das HauS und die Pferde des Anwaltes ausfindig zu machen. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MottagS und Donnerstag-, jedermal in mindestens -»et Vogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abvnnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de« Buchhandel J* belehr» det E. $. Kteinacker« Leipstg, Drßplah 18. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzetle oder deren Raum. — Österreichische Banknoten laut CourS. — Direete Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «nd Oesterreich 14 ReichS^Rark ober 8 st. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenben. Et»« Riiitsend»»- von a« die Redaktion eiugesandte» Manuskripte« findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalteu. Jmhalt <Hanptblatt): Leitender Artikel: Die Vorgänge in Frankreich. — ZeitungSnachrichren und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. AuS der Provinz Hannover. Würzburg. — Palästina. Jerusalem. — Vermischtes. — Feuilleton: Nur eine Tochter. Snählung von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: ZeituugSnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Berlin. - - O«st«rr.-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. — Rußland: Warschau. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deulschlond: Berlin. — Oester.-Ungar. Monarchie: Lemberg. — Vermischte?. Inhalt der dritten Beilage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenz:,»: Deutschland: Berlin. — Ve. mischte?. Extra-Beilage: Ansr, f des Denlsch.JSraelitischen Knde heimS in Diez Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition der „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofduchdruckerei-Actten-Elesellschaft in Mai,»-. Hierzu vier GeUa-err.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.