Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1895)
- Date
- 1895-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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321 Vertrag geschlossen, nach welchem bei Versicherungen von Gemeindebeamten, also auch namentlich von Lehrern der Bmrbesgkmeinden (die Lehrer der dem Gcmeindebunde nicht beigetretenen Gemeinden sind ausgeschlossen) bei der „Victoria" durch Vermittelung deS Gemeindebundes, diese Gesellschaft dem Letzteren eine bestimmte P-ovision zu zahlen hat, aus welcher Einnahme derselbe diesen versicherten Lehrern zur Zahlung ihrer Prämien Zuschüsse und ferner Beiträge zu Lehrer Konferenzen leistet. Nach dem Rechnungsbericht des D. I. G- B. für die Zeit vom 1. April 1893 bis 1. April 1894 (Siehe „Mittheilungen" vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde Nr. 38, Seite 2 und 3) betrug die Einnahme aus den Provisionen der Gesellschaft „Victoria" 41788 Mk. 29 Pf. Von diesen verausgabte der Gemeindebund 1185 Mk. für Beiträge zu Lehrerkonferenzen, 16608 Mk. 83 Pf. für Prämienzuschüffe versicherter Lehrer, 148 Mk. für Beiträge an Lehrerhilfskaffen und den Posten für Ablieferung vereinnahmter Prämien mit 7210 Mk. 51 Pf., im Ganzen 25152 Mk. 34 Pf.; es ergiebt sich also ein Ueberschuß von 16635 Mk. 95 Pf. Aus dem Rechenschaftsbericht ist nun nicht zu ersehen, wie viele Lehrer und wie viele sonstige Gemeindebeamten durch Vermittelung des Gemeindebundes bet der „Victoria" versichert sind, wir können daher nicht constattren, welchen Antheil die Versicherungen der Lehrer an der Einnahme dieser 41788 Mk. 29 Pf. haben; aber eS läßt sich doch wohl annehmen, daß er so groß ist, daß die oben aufgeführten Ausgaben von 25152 Mk. 34 Pf. zu Gunsten der Lehrer vollständig gedeckt sind und möglicherweise noch ein lieber schuß verbleibt. (Sollte meine Annahme eine irrige sein, so möchte ich den löbl. Ausschuß des Gemeindebundes um gefällige Richtigstellung bitten.) Was ergiebt sich nun aus all diesem? Die Richtigkeit meiner Annahme vorausgesetzt, wären also die vom Gemeindebunde zu Gunsten der Lehrer der Bundesgemeinden und den Lehrerconferenzen gemachten Ausgaben, und somit auch die in seinen „Leitsätzen"*) angebotenen 1500 Mk. für den Lehrerverein, (welche nach dem Begleitschreiben des Gemeindebundes an Stelle der bisherigen Beiträge zu den Lehrerkonferenzen treten sollten), nicht als ein Geschenk seitens der Bundeskaffe zu betrachten, sondern rührten von Einnahmen her, die dieser Kaffe durch Versicherungen von Lehrern zufließen. Man darf wohl annehmen, daß der Ausschuß diese gewährten Beiträge niemals unter der Form eines Geschenkes, sondern als aus dem Wege "iSiehe 1. Beilage zu Nr. 15 Artikel Mainz unter „Leitsätze." der Selbsthilfe gegeben hat und geben wollte; aber ich glaube, daß viele meiner College« sie als Geschenke angesehen haben. Dem Ausschuß de8 Gemetndebundes gebührt unstreitig das große Verdienst, daß er eben einem T h e i l der iSr. Lehrer (nämlich dem in dev Bundesgemeinden) zu dieser Selbsthilfe verholfen hat. Wenn sich die isr. Lehrer deS Deutschen Reiche-, wie ich bestimmt hoffe, bald in einen Deutsch-Jßr. Lehrerverein vereinigen (selbstverständlich ohne jede Einmischung des Gemeindebundes), dann wird eS für diesen Lehrerverein ein leichtes sein, mit irgend einer soliden L.'benSverstcherungsgesellfchaft einen ähnlichen Vertrag zu schließen, wie der Gemeindebund mit der „Victoria." (Die Bayerischen Lehrer stehen mit der Stuttgarter Lebens- und Ekspärnißbank in einem solchen Vertragsverhältntß.) Der i8r. Lehrerverein würde sich damit nach undnach*) eine Summe sichern, die nicht nur die Prämien der versicherten Lehrer ermäßigten, sondern auch seine eignen Kosten vollauf deckten. Würzlmrg, im Febr. Wie bereitin meinem Berichte über den in jüngster Zeit dahier in- Lebe« gerufenen „Akademische Verein für jüd. Geschichte und Literatur" mitgetheilt, hat am 11. dS. Herr Distr. Rabbiner Bamberger dahier, einen Bortrag über „Rafcki's Leben und Wirken" in demselben gehalten. Wie zu erwarten, hat der verehrte Redner seine Aufgabe mit Meisterschaft gelöst. Wenn sich auch die einschlägige Literatur gerade über das Leben dieses GeisieSheroen trotz feiner Bedeutung und unberechenbaren Einflusses auf die jüd. Literatur der Mit- und Nachwelt in nicht zu ausgedehntem Maaße verbreitet, so gelang eS doch dem Redner ein so herrliches, der Größe des ManneS entsprechendes Lebensbild zu entwerfen, daß daS zahlreiche Publikum, darunter diele, die sich von jugendauf mit dem Rafch!-Commentar be- Ichäftigten und einen Begriff von den Leistungen dieses Glanzsternes am Horizonte jüdischer Gelehrsamkeit sich bereits gebildet hatten, in der Verehrung für denselben und in der Liebe zum Studium feines Commentars noch gewinnen mußte. So Manches, was nur Wenigen bekannt, wußte der Redner in d e Lebensgeschichte Raschi's einzuflechten und io den Vortrag nicht nur intereffant, sondern auch Ochst belehrend zu machen. Daß daS Wirken Raschi's durch seine literarische Thättgkeit, namentlich durch seinen Bibel- und Talmud-Commentar ins rechte Licht gestellt wurde, braucht nicht hervor- *) Die bei der „Victoria" versicherten Lehrer würden selbstverständlich bei dieser Gesellschaft verbleiben, und nur die Provision von Neuversicherten der Lehrervereine» von dieser oder einer andern Gesellschaft würde der Kaffe de» Vereinezuflietzen.