Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1895)
- Date
- 1895-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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320 stümmelung unseres Cultus und unserer religiösen Hebungen beabsichtigt. Wir werden alle unsere .Anstrengungen aufbieten und alle nöthige Schritte thun, um zu verhindern, daß in die Synagoge keine unserer Religion verderbliche Neuerungen eingeführt werden. Möge man uns nicht fragen, wer wir sind, daß wir das Wort ergreifen und als Vertheidiger des JudenthumS aufsiehen. Wir sind schlichte Juden, ohne Namen, ohne Ansprüche, ohne Autorität. Aber wir sprechen im Namen der Majorität der französischen Rabbinen, im Namen einer großen Anzahl anerkannter Rabbinen des Auslandes, im Namen der Erfahrung und der Geschichte, im Namen von tausend dahingegangenen Geschlechtern und von schriftlichen Urkunden, die wir von Gott am Sinai erhalten von Propheten und Lehrern in Israel, die auf Scheiterhaufen für den Glaube-- und die Wahrheit gestorben; wir sprechen im Nam-u der durch unser religiöses Gesetz garanttrten und der Verfaffung des französischen Vaterlands proklamirten Gewissensfreiheit; wir sprechen im Namen des Heils unserer Seelen, der religiösen Zukunft und Sittlichkeit unserer Kinder, und sagen unfern Brüdern nah und fern: Weiset Versuchungen zurück, die schüchtern, und heute vielleicht noch unschuldig, morgen verwegen und vielleicht strafbar werden können. Weiset den fremden und unjüdischen Cultus zurück, den man euch aufdrängen möchte an die Stelle des Cultus euerer Väter, des Cultus euerer Gewissen, des Cultus euerer Liebe, des Cultus eueres ewigen Heils." „Wir grüßen Euch im Namen dessen, der Wacht hält über sein Volk, der die heilige Thora schützt, und nicht schläft und nicht vergißt; wir begrüßen Euch mit inniger Liebe und unbegrenzter H ngebung. Für die Commission, der Sekretär, Jtamar Cohen. Viele mögen diesen Gruß damals nicht begriffen und ihn unerwiedert gelassen haben. Und nun sind keine vier Jahrzehnte ins Land gegangen, und was sie dem innigen Brudergruß nicht glauben wollten, wird ihnen durch die Brutalität der Thatsachen zum zweitenmale, aber jetzt in unabweisbarer Weise nahe gelegt: Gott hält Wacht über sein Volk und schützt seine Thora. Die Feinde seines Volkes werden die Reiter seiner Thora. Gott schläft nicht und vergibt nictt. Die elementare Macht der von Ihm gesandten Ereignisse weckt die Schläfer und ruft die Pflichtvergessenen zu ihrer Pflicht zurück; wird man den Ruf diesmal hören und ihm Folge leisten? dtomm öyoD ofo» '2112 yew *ey iV?-»' yvx oms ty» „Möchte mein Volk auf mich höre«, Israel in meinen Wegen wandeln, wie rasch würde ich ihre Feinde demüthtgen umd gegen ihre Dränger meine Hand wenden!" (Psalm 81.) (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten «ud Eorrefporrdenze« Deut l a « d. Berlin, 23. Febr. Der Antrag des Centrums auf Bestrafung der Gottesleugner u. s. w. hat die Konservativen nicht schlafen lassen. Sie beantragen, Denjenigen mit Strafe zu b legen, „welcher das Christenthum, die Heiligkeit des Eides, die Monarchie, die Ehe, die Familie oder die Unverletzlichkeit des Privateigenthums durch beschimpfende Aeußerungen öffentlich angreift, welche geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu gefährden." Das Judenthum dürfte nach diesem Antrag straflos beschimpft werden. Man sieht, Die um Hammerstein sind vorsichtige Leute. Berlin, 26. Februar. (Ein BerlinerGerichtshof über Ahlwardt.) Vor der vierten Strafkammer hiesigen Landgerichts I (Bors. Landgerichtsrath Braun) stand heute Termin in der Strafsache gegen den ehemaligen Landwirth Friedrtch Krause, den Verfasser der Broschüren «Der Wucher und seine Geldleute" und „Die Hintermänner des Wuchers", an. Der Angeklagte berief sich auf einen Zeugen, der bekunden soll, daß ein großer Theil unserer Kriminalbeamten sich in Wucherhänden befinde, woraus zu erklären sei, daß die gegen Meyer und Pariser anhängigen Sachen ins Wasser gefallen seien. Ueber letztere Sache berief sich der Angeklagte auch auf den Reichslagsabgeordneten Ahlwardt. Der Gerichtshof lehnte die Ladung dieses Zeugen ab, wobei der Präsident bemerkte: «Erstens würden wir sehr zweifelhaft sein, ob wir es Herrn Ahlwardt glauben, wenn er es bezeugte, und wenn wir es ihm glaubten, würde die angebliche. Thalsache, daß sich eine Anzahl von Kriminalbeamten in Wucherhänden befinde, mit dieser Erpressungsanklage nichts zu thun haben." Aus der Provinz Hannover. Im Anschluß an die Auslassung des Collegcn Kahn in Mainz über die beabsichtigte Einmischung des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes bet der Gründung eines Deutsch-Israelitischen Lehrervereines möchte ich im Nachstehenden meinen Collegen zur Aufklärung von dem finanziellen Verhältnisse berichten, in welchem der Gemeindebund und die isr. Lehrer zu einanderstehen. Der Gemeindebund hat mit der Lebensversicherungsgesellschaft „Victoria" in Berlin einen