Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1895)
- Date
- 1895-02-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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gen, welche dieses Gefühl im Keime erstickt, diejenigen, welche frivoler Weise die Fäden und Beziehungen zerschnitten haben, welchejeden einzelnenJuden mit der G esammthett unauflösbar verbinden, diese und nur diese sind es, welche vor Gott und den Menschen die Verantwortung für den Jammer tragen. der augenblicklich auf der französischen Judenbeit lastet. Der erste Ansturm auf unser gemeinsames Heiligthum, den ersten Riß in daS Band, welches uns alle einheitlich umschloß, reicht fast 4 Jahrzehnte zurück und lehrt uns in ergreifender Weise, wie Gottes Mühlen langsam, aber sicher mahlen. ES war im Mat 1856, als die Oberrabbiner der französischen Conststorialbeztrke zu einer Conferenz zusammentraten. Diese Conferenzbeschlüffe waren der erste, schüchterne Versuch die Reform des Jadenthums offiziell bei der französischen Judenhett einzuführen. Es waren allerdings harmlose Gehversuche der jungen, noch in Kinderschuhen auftretenden Reformjudenwetshett. Aber sie waren der erste, verhängnißvolle Schritt auf der schiefen Ebene, auf welcher seitdem das Judenthum der französischen Judenhett immer mehr sich dem Abgrunde näherte, dem es heute fast gänzlich verfallen ist. Schon damals verkannten die Einsichtigen nicht die große Gefahr, welche dieses ganze Treiben für dte französische Judenhett bedeutete. Die Stimmen, die sich damals dagegen erhoben, sind zu lehrreich für dte Beurtheilung der gegenwärtigen Vorgänge in Frankreich, als daß wir nicht einige derselben mittheilen sollten. — So heißt eS in dem Sendschreiben der „Commission des conservateurs du Judaisme“ vom 14. Tlschri 5617: „Als dte Resultate der im Monat Mat abgehaltenen Rabbiner-Conferenz bekannt geworden waren, fühlten wir uns aufs tiefste beunruhigt; nicht wegen dieser Resultate an und für sich, deren Beurthetlung wir uns nicht anmaßen wollen, sondern wegen der Tendenzen, dte sie verriethen, wegen der neuen Doktrinen, die sie aufstellen zu wollen schienen, wegen der Verwirrung, die sie in die jüdischen Ideen und Geister brachten." „Es erschien unsauffallend, eine kleine Anzahl Rabbiner sich als Synooe constttutren zu sthen, um sich zur höchsten Entscheidung über Sachen des CultuS zu erheben, ihrer Prüfung dte alten und geheiligten Gebräuche des Judenthums zu unterwerfen, ihrer britischen und reformirenden Revision bestehende Verhältnisse zu unterziehen, welche durch die von Gottes Geist erfüllten Häupter der Syiagoge festgestellt und durch Jahrhunderte der Verehrung und der Pietät geheiligt worden, Und in unsere Hetlgthümer fremden Kulten entnommene Ceremonten einzuführen. ES erschien unS bettübend, religiöse Häupter zu sehen, die, von dem täglich wachsenden Verfall dcr Religion und der religiösen Pflichterfüllung bettoffen, dieser Nebel nicht in dem Menschen, tu seiner Unwissenheit, in Irreligiosität, sondern in der Religio« selbst suchen und es unternahmen, sie selbst einer säubernden und verbessernden Arbeit zu unterziehen. „Wir haben unsere Bedenken und Befürchtungen den Rabbtnen Frankreichs und vielen hervorragenden Rabbinern anderer Länder vorgelegt; denn wtt wollten durch eine solche viel beträchtlichere Couferenz als die zu Parts gehaltene dte von dieser letzteren ohne Wissen der israelitischen Gemeinden Frankreichs gefaßten Entscheidungen bestätigen oder verwerfen lassen. Wir haben die Ehre nachstehend Auszüge aus einigen uns zugekommenen Erwiederungen mitzuthellen. — —- -Nach diesen freundlichen Erklärungen und Schreiben der französischen Rabbtnen kamen dte Erwiederungen einer großen Anzahl anerkannter Rabbtnen des Auslands, insbesondere, vom Oberrabbtnate zu Jerusalem, Erwiederungen, die wtt zur Verfügung unserer Glaubensgenossen halten. Alle diese ehrwürdigen Lehrer verwerfen auf Grund des Buchstabens und deS Geistes der Gesetze entschieden die von der Pariser Rabbiner-Conferenz beschlossenen oder angerathenen Veränderungen deS CultuS, sie versagen insbesondere dieser Conferenz daS Recht, sich als constttuirende Cultus-Autorität zu erheben, sowie dte erforderliche Competenz in letzter Instanz über alle, seit Jahrhunderten in ganz Israel adoptirte Gebräuche abzuurtheilen; sie bekämpften siegreich alle Argumente, welche Neuerungen gelten, die das Judenthum entstellen und profantfiren. Sie Heden ganz besonders dte Heilig-Pfltcht, jadte abfoluteNothwendigkeit hervor, die Einheit unserer religiösen Traditio» unangetastet zu erhalten, damit nicht unsere göttliche Religion sich in unzählige Systeme auflöse und dte große israelitische Familie in Sekte'n und feindlichen Parteiungen auSetnandergehe."- „Die von der Conferenz beschlossenen oder angerathenen Reformen waren von keiner Gemeinde Frankreichs nachgesucht worden. Schon ihre bloße Veröffentlichung ist im Stande dte religiösen Urberzeugungen vieler unserer Brüder zu erschüttern, dte dte Religion nur in der alten, ehrwürdigen Form begreifen, unter welcher sie ihnen seit ihrer Kindheit erschienen ist.- „Darum müssen wir mit allem Nachdruck gegen dte Versuche prottstiren, dte man zur Der-