Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1895)
- Date
- 1895-02-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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WDWWWWW 310 machen und einer dieser war Musa den Maim u n. 8) Aber wir besitzen auch ein dtrectes Zeugniß über die hervorragende Stellung, die unser MaimontdeS als medic'ntsche Autorität einnahm. Der berühmte arabische Arzt und Ltteraturgeschichlsschreiber Jbn Abi Osaibija, der mit dem Sohne Matmum's Abraham eng befreundet war, hat uns in seiner Geschichte der arabischen Aerzte folgenden interessanten Bericht über den Weisen von Fostat und seine med'ctnische Thätigkett htnterlassen. „Amu Amrun Musa den Matmun, ein Israelit aus Cordova, war sehr gelehrt in den überlieferten Lehren der Juden und wurde von diesen als einen ihrer ausgezeichneten Gelehrten gehalten. Er war das Oberhaupt seiner Nation in Egypten. Dieser Gelehrte nahm in Hinsicht der theoretischen sowohl, als auch der praktischen Medicin den ersten Rang unter den Aerzten seiner Zeit ein. Er war sehr gut unterrichtet in den Wissenschaften und besaß tiefe Kenntnisse in der Philosophie. Der Sultan Meltk Alnafer Salaheddin achtete ihn sehr hoch und machte ihn zu seinem Arzte; dieselbe Funktionen hatte er auch bet dessen Sohn Melik Alalfdhal. Man sagt, daß er in Magreb zum Islam übergegangen sei, während welcher Zeit er den Koran auswendig gelernt und die muhamedanische Jurispudenz studirt hatte, daß er aber nachher, als er nach Egypten gekommen und sich in Fostat ansässig gemacht, wieder vom Islam abgesallen sei. Zu seinen Werken zählt man: einen Auszug aus den 1b Büchern des Galenus; ein Buch über Haemorrhotden und deren Behandlung, eine Abhandlung über die Erhaltung der Gesund, heit, die er für Melik Alafdhal, den Sohn des Meltk Alnaser Salaheddm, verfahre; eine Ab Handlung über die Gifte und Präservativmittel gegen Medtcamente, welche tödtend wirken; eine Abhandlung über Pharmakopoie (Arzneiberettung) und ein großes Werk: über die Religion der Juden." So weit der Bericht des Jbn Abi Osaibija. Der Vater dieses berühmten arabischen Schriftstellers rechnete es sich als Ehre an, ein Schüler Matmunt's in der Heilkunde gewesen zu sein. Die medicintsche Kunst, die unser Weise so se.hr schätzte und liebte, erbte sich auch in seinem Hause fort. Sein einziger Sohn Abraham (Abusmant) und sein Lteblingsschüler Josef i b n Aknin wählten gleichfalls den ärztlichen Beruf und übten mit Eifer und Geschick die Heilkunde miS.4) Der elftere folgte seinem Vater in seinem Amte als Leibarzt des egyptischen Sultans Alkamel und verwaltete in Gemeinschaft mit dem oben genannten Arzte und Darsteller der arabischen Ltte- 3) Bei de Sacy, Abdullatif S. 465. 4) Bei de Sacy a. a. O. ratur Jbn Abt Osaibija das Hospital von Kairo. Der andere stand in gleicher Eigenschaft im Dienste von Saladins Bruder, des Sultans Aldhafir Ghazi, und empfiehlt, gleich seinem großen Lehrer, in seinen ethischen Schriften ganz besonders das Studium der Medicin. b) Beide, sowohl Sohn, als auch Schüler erhielten von Matmuni den ersten Unterricht in der Medicin und haben dem Einflüsse ihres großen Meisters ihre spätere Bedeutung auf dem Gebiete der Heilkunde zu verdanken. Schöner können wir unsere Darstellung nicht schließen, als mit den herrlichen Versen, mit denen der arabische Dichter und Kadht Alfaid Jbn Sina Almulk Maimuni's Größe als Arzt besungen hat: „Galen'S Kunst nur den Körper heilt, Abu Amram'S «Maimuni) dagegen Körper und Geist zugleich. Wie sein Wissen ihn zum Arzt des Jahrhunderts gemacht, So heilt er durch seine Weisheit die Krankheit der Unwissenheit. Wendete sich der Mond an seine ärztliche Kunst, Er würde von den Gebrechen befreit, die ihm zeitweilig anhaften. Und zur Vollmondzeit würde er ihn heilen von den Flecken, die ihn entstellen, Und von der Krankheit der Konjunktion (Schwindsucht)." °) So erblicken wir in Maimontdes, dem unübertroffenen Rabbiner und Philosophen, auch einen der größten und gelehrtesten Aerzte im Mittelalter, der nicht weniger als 15 medtctmsche Schriften verfaßt hat, der tm Dienste eines der größten Fürsten seiner Zeit gestanden, der von den Großen und Vornehmen verehrt und von Juden und Arabern gleich bewundert und verherrlicht wurde. 5)~Lergl. Munk, Notice sur Jos. den Jehuda und Ersch und Greutner Bd. 31, S. 52 sud voce. 6» Bei Munk, a. a. O., S. 29, Orient 1846, S. 348. Dkr Dichter dieser poetischen Verherrlichung, den Abdullatif „einen Greis von großem Ansehen und ausgezeichneten Verdiensten" nennt, lebte gleichzeitig mit Maimonides in Kairo (1165—1212) und war wahrscheinlich mit unserm Weisen persönlich befreundet. Aus den angeführten Thatsachen und Berichten geht deutlich hervor, daß M. nicht nur als medicinischer Schriftsteller, sondern auch als praktisch er Arzt eine sehr hervorragende Rolle spielte und nicht, wie manche neuere Forscher behaupten, „mehr Theoretiker als Praktiker war". (Carmoly, Orient 1840, S. 233, Grätz, Bd. 6, S. 330 Anmerk.) Wenn aber dennoch zwei bedeutende arabische Schriftsteller (Alkiftu Bibliotheca philosophorum Bei (Safiri a. a. O. und Abutfaradsch Historia dynastorum) berichten, daß M. sich nicht traute, die Medicin praktisch auszuüben, so ist dies eine böswillige Entstellung der Wahrheit. M. ging in seiner medicinischen Praxis besonnen und vorsichtig zu Werke und mag wohl, gewissenhaft wie er war, in schwierigen Krankheitsfällen, die er zu behandeln hatte, den Rath oder den Beistand eines andern bewährten Arztes in Anspruch genommen haben. Wie so oft in der Geschichte, so wurde auch hier Vorsicht und Gründlichkeit von den neidischen und tendenziösen Berichterstattern mit Ungeschicklichkeit und Unwissenheit verwechselt.