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Der Israelit · 1895-02-25 · Heft 16 (25.2.1895) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 16 (25.2.1895)
Date
1895-02-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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804 chinesische Literatur, soweit man sie kennt, giebt hierüber keinen Aufschluß, wohl aber geht aus chinesischen Werken hervor, daß die Söhne des himmlischen Reichs mit der Religion dieser ihrer Mitbürger vertraut sind. — In der Dtscussion, die dem Vortrage folgte, bemerkte Herr Blankenburg, daß er, über die Existenz der Juden in China unterrichtet, die hiesige chinesische Gesandtschaft für die Sache zu interessiren gesucht habe. Mit dem ersten Legationssecretär Herrn Kiukintai habe er darüber gesprochen, ob die Gesandtschaft bereit wäre, ein Schreiben, das einen Verkehr zwischen den hiesigen und dortigen Glaubensgenossen anbahnen und Aufschlüsse über das Leben der Letzteren herbeiführen sollte, in geeigneter Weise zu befördern. Herr Kiukintai, der von den dortigen Israeliten vieles zu berichten wußte, z. B. daß es ihrer etwa eine halbe Million gäbe, daß sie aller Freiheiten theilhaftig wären, sämmtliche Gewerbe betrieben und daß ihr Name Jutai Yen wäre, glaubt, daß die deutsche Gesandtschaft in Peking hierfür mehr am Platze wäre, da ja das wissenschaftliche Interesse auf Seiten Deutschlands liege, während China über diese seine Unterthanen genügend vertraut sei. Herr Blankenburg verwies auch auf einen Artikel, der vor einigen Jahren im Gaulois erschienen war, dessen Verfasser, ein Mitglied der chinesischen Gesandtschaft zu Paris, gestützt auf die Erfahrungen die sein Vaterland feit zweitausend Jahren mit den in China lebenden Juden gemacht hat, sich auf das Entschiedenste gegen den Antisemitismus erklärt und ihn als eine schmachvolle Ungerechtigkeit brandmarkt. Brauufchweig, 18. Februar. Der von der Handelskammer für bas Herzogthum Braunschwetg eingesetzte Ausschuß zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes hat einen im Druck vorliegenden Bericht über seine bisherige Thätigkeit herausgegeben. Diesem Bericht zufolge hat der Ausschuß auch Anlaß gehabt, gegen die Antisemiten vorzugehen. Es heißt in dem Bericht: „Der Vorstand der jüdischen Gemeinde übersandte dem Ausschuß ein Flugblatt und den vom hiesigen Deutsch sozialen Verein herausgegebenen „Wegweiser durch christliche Geschäfte" und ersuchte den Ausschuß, gegen dieses Vorgehen Stellung nehmen zu wollen. Seitens des Ausschusses wurde beschlossen, der jüdischen Gemeinde eine Erklärung zuzustellen, wonach der Ausschuß seinen Einfluß dahin geltend machen wollte, daß für die Zukunft derartige Manipulationen unterblieben. Die Versammlung erklärte es als unlauteres Geschäftsgebaren, wenn die Verschiedenheit der Konfession dazu benutzt wird, um für die einzelnen Geschäftsleute besondere Vortheile zu erlangen." München, 17. Februar. Das hiesige antisemitische „Deutsche Volksblatt" hatte nach einem badischen antisemitischen Blatte einen Artikel darüber gebracht, daß der Kaufmann F. Ehrenfeld in Frankfurt a. M. einer anständigen jungen Dame, die sich um eine Ladnerinstelle bewarb, monatlich 12 M. Salair geboten habe. Als die mitanwesende Mutter des Mädchens auf das Unzulängliche dieses Gehalts verwies, habe Herr Ehrenseld erwtedert: „Die Damen find ja nach 8 Uhr frei und können sich auch anderweitig etwas verdienen." Herr Ehrenfeld klagte wegen dieses Artikels. Inzwischen hat das ebenfalls verklagte badische Blatt den Verfasser, einen 19jährigen jungen Menschen, genannt und dieser hat zu Gertchtshanden erklärt, er widerrufe den Artikel, weil er auf Jrrthum beruhe. Der Verleger des hiesigen antisemitischen Blattes erklärte heute in der landgerichtlichen Verhandlung, daß der Verfasser das Blatt angelogen habe. Urtheil 100 M. Geldstrafe. München, im Schewat. Der hiesige „Verein zur Förderung jüdischer Wissenschaft apy» S-iN"pIaitt die Herausgabe eines nachgelassenen Werkes des leider zu früh verstorbenen Gelehrten R. N. Rabbinowitz Von seinem Werk b>ib'd 'pnpn, welches eine Sammlung aller noch vorhandenen Lesarten zum Talmud darbietet, sind bekanntlich 15 Bände erschienen; bis zu seiner gänzlichen Vollendung wären noch etwa 10 Bände erforderlich gewesen. Es ist vorläufig keine Aussicht vorhanden, das Werk in gleicher Vollendung und Vollständigkeit zu Ende zu führen: denn die kundige Hand des Bearbeiters fehlt. Dagegen hat sich im schriftlichen Nachlaß des Verfassers der Band über 'od l’^n fast vollendet und druckfertig vorgefunden. Wie ich höre, will der genannte hiesige Verein die Herausgabe dieses Bandes in die Hand nehmen, indem er sich zu diesem Zweck die Mitarbeiterschaft des Herrn Dr. Ehrentreu gesichert hat. Es soll zu diesem Behufs in den nächsten Tagen vermittels Circulars eine Aufforderung zur Subseriprkon versendet werden und bei genügender Betheigung. der Druck des Werkes sofort beginnen. Ueber die Bedeutung dieses Werkes kann in wirklichen Kennerkreisen nur eine Stimme herrschen. Ein berühmter Professor der orientalischen Sprachen an einer deutschen Universität, mit dem ich vor Jahren einen sprachwissenschaftlichen Disput hatte, sagte zu mir, als ich zur Bekräftigung meiner Ansicht eine Talmudstelle anführte: „Auf den Talmud kann man sich in solchen Dingen nicht berufen, denn Sie können nicht wissen, ob die von Ihnen angeführte Lesart richtig sei. Seit beinahe anderthalb Jahrtausenden studiren die Juden den Talmud und

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