Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1895)
- Date
- 1895-02-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448576--40274-2489180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
302 dienst unangetastet zu lassen. Je rücksichtsloser man sich im Leben von Gott und seinem Willen emancipirte, je kecker man dem Gottesdienst des LebenS den Rücken kehrte, desto rigoroser celebrirte man den Tempelgottesdienst. Wenn auch diese Gewissenhaftigkeit nur äußerer Firniß war, der die innere Herzlosigkeit dem prophetischen Auge nicht verbergen konnte, man wahrte doch die äußere Form, diese wenigstens wagte man nicht zu verletzen. So empörend nun auch diese Werkheiltgkeit sein mag, die als Deckmantel so verwerflicher Bestrebungen gilt, so liegt darin doch eine nicht zu unterschätzende principtelle Anerkennung des im Leben geächteten göttlichen Willens. Durch diese Wahrung der äußeren Form innerhalb des Tempels, war eS den Beffergefinnten wenigstens möglich, ihn noch als den letzten gemeinsamen Punkt zu betrachten, der sie noch mit ihren abgefallenen Brüdern verband. Die Heiligkeit, Unverletzlichkeit und Unterordnung dieser Stätte unter den göttlichen Willen, räumte, wenn auch nur formell, selbst der Abgefallene ein. Sie hatten noch einen gemeinsamen Boden, wapo rvpv. — Bet der regenerirenden unverwüstlichen Kraft, mit der Gott alle seine Institutionen, in erster Reihe aber i»vapi mpo ausgestattet hat, durfte, mußte die Treue der Treuen »tyo!>xav» »ja niyna »rapo rnovv nx nov ivn sich immer noch der Hoffnung auf eine Rückkehr zum Pflichtbewußtsein htngeben. Die Idole des Reformjudenthums schließen diese Hoffnung auS. Nichts ist dem Juden und Namenjuden gemeinsam heilig, gemeinsam verwerflich, waS nicht auch schon der aufgeklärte Ntchtjude heilig oder verwerflich fände. Die Gotteshäuser aber, die das unjüdische, zügellose Leben heilig sprechen sollen, tragen ja den Abfall von Gott erst recht an der Stirne. Unjüdische Embleme, unjüdische Culte entziehen dem sogen, jüdischen Gotteshause auch äußerlich die letzte Spur eines jüdischen Gepräges, während der dürftige Rest jüdischer Eigenthümlichkeit, wie sie sich noch an dem Inhalte und der Sprache unserer Gebete bekundet, dem verhängnißvollen Rothstist verfällt. Zu dieser offieiell und systematisch betriebenen Verdrängung des Judenthums aus dem Gotteshaus, zu dieser officrell und systematisch betriebenen Einschmuggelung ntchtjüdischer gottesdienstlicher Formen in das Gotteshaus, kommt noch die Razzia, die von der Kanzel gegen die noch etwa unversehrt gebliebene letzte jüdische Faser eröffnet wird, kommt die Propaganda, die man in Schule und Haus, in Vereinen und Zeitschriften für die Verflachung und Verfälschung des alten Judenthums macht, und die ni’Dja »na, die Stätten, von deren Ernst und Heiligkeit man sonst die Besinnung und Sammlung auch aus den schwersten Irrungen erwarten durfte, ste sind die Zeugen und Herolde des offenkundigen Verraths an unserer heiligen jüdischen Sache geworden. Dem tteuen Juden, dem dieser herzbrechende Jammer nahe geht, bleibt nichts übrig, als solche Stätten zu meiden. Er weiß, daß die Acht seiner Lehrer und Weisen auf diesen Prunktempeln ruht und auf jedem, der ihre Sanktion fördert, indem er den Fuß über ihre Schwelle setzt. Ihm wiegt die formvollendete architektonische Schönheit dieser Gotteshäuser ihre Entweihung nicht auf. Denn er sieht wie dieser unjüdische Prunk die letzte Spur einer jüdischen Gesinnung schon im Keime erstickt, und den Fluch des heidnischen Sehers auf sich ladet, der die Schönheit der jüdischen Tempel rühmte, um die Stätten der Gottesverehrung zu vernichten, no *tb^ nnx ym im« bv i'niaaaD pnr »aa aox »nai nvoja »na ca.a^ r.a» *6* tepa ia^a rvn .(rrp yaanjD) apy» *yV.ax laio no aux nnrno Das sind die alten nrwa »na nicht, deren reinigende Kraft die mit Sünden bedeckten Besucher wieder rein entläßt. »nai nvoja »na *>sm o^m bv \yn no vdj Q»Vrua jnra pin1? paar cnx »ja l^n no x*>x romao - oax »ja nvoja »nai Yoa *p pino p^iyi p^aivi pxvv xjn) mo px^v pxsn'i nuiy i»h^d ywa pin*> o'Djaj .(in»$>x »an Wer diese Stätten sündenretn betritt, läuft! Gefahr seine Lauterkeit zu verlieren. Als Israel seinen Gott vor dem Bilde eines Gras fressenden Thteres verleugnet hatte, gab ihm Gottes Gnade durch Errichtung eines Gottesheiligthums Mittel und Wege an die Hand das begangene schwere Unrecht wieder zu sühnen, oanw onanwj xvax rnn bx&a Dt*a 'a xap ixa x^x 'iai naaj t>xar» »ja ix»an ntyoS a»na no .aaaj »du ipav rpp^>p inixa j>jy.a iryra rrapn aox naaj nnix wy pmn nx wyvai d»dij ix»a,a noi anr,a o’ouai ixon Q»c?ja oui nn x»a.a aV a»aj ba a»na .avi aox» a»x Dipoa y«na »"y nms rnip.a niai o.a^> ixanj .(naa anao) »n x »ja or6 aox» onx »oy uh Was soll aber für die Beikehrtheit einer Zeit sühnend eintreten, welche die Stätte der Gottesverehrung selber der Verehrung ihrer Idole weiht, und so der einzige Ort, an dem wir noch als »ja »n 'x erscheinen könnten, erscheinen müßten, laut und unabweisbar bezeugt: orix »vy Was würde jener jüdische Weise, der sich darüber gewundert hat, daß Israel gibt und spendet, ohne Rücksicht auf die Löblichkeit oder Verwerflichkeit des Zweckes, was würde er erst sagen, wenn er den Mißbrauch geißeln wollte, den unsere Z it mit»'ihren Gotteshäusern treibt! „Fordert Man sie