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Der Israelit · 1895-02-25 · Heft 16 (25.2.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 16 (25.2.1895)
Date
1895-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVI. Jahrgang. M 16. Der Israelit. Ein Aentrat-Zrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dp. Lehmann in Mainz. Montag, den SS Februar S«SS (1895). Leitender Artikel. Ate moderne Mischung des allen Hottesyeitigtyums. (Zu Paraschat nvi-D.) Mainz, 24. Februar. DDina *n»n tenpo 'h wpi „Sie sollen mir ei« Heiligthum bauen, damit ich unter ihnen wohne." (II. B. M.. Cap. 25, B. 8.) Das ist das GotteSwort, welches in der Wüste das erste jüdische -GotteOMWMMnf. Als dieses erste Hetligthum vollendet war, segnete Moscheh sein Volk mit den Worten: mrnr jnn w dDyT nvpGD nrsr. „Möge es GotteS Wille sein, daß nun Gottes Herrlichkeit auf dem Thun Eurer Hände ruhe." In dem Hochgefühl der Freude über den Besitz einer Stätte, in welcher nun Gottes Herrlichkeit weilen wollte, war die ernste Mahnung am Platze: Möge es nun Gottes Wille sein, daß seine Gegenwart auf dem Thuneurer Hände ruhet Daß nicht der unglückselige. Wahn Platz greife, durch den Besitz eines Heiligthums wäre Gottes Nähe nun für alle Zeit gesichert, eine solche Stätte sei gar ein Freibrief für das Thun unserer Hände, man könne sie in den Schooß legen, man könne sie sogar zu jedem Attentat gegen Gott und sein Gesetz erheben, und Gott wäre befriedigt, wenn nur die Symbole seiner Gegenwart unversehrt erhalten blieben. So nicht! — Gottes Herrlichkeit ruht nicht auf euerem Heiligthum, wenn sie nicht auf dem Werk euerer Hände ruhen kann. Die Heiligkeit des Gotteshauses kann nicht die Heiligkeit des eigenen Lebens ersetzen. Sie soll ja im Gegenthetl die Heiligkeit der Einzelnen anregen, steigern und wieder erwirken, wo sie verloren gegangen. Nicht also, weil Gott im Tempel wohnt, könnte er auf das thätige, tägliche Leben außerhalb des Tempels verzichten, sondern umgekehrt: »np “pno rrm — mpn •flnno 'n 'n 's .^nnxD 3wi nny -p n*n* „Weil Gott inmitten deines Lagers wohnt, deßhalb muß dein Lager heilig sein, darf er an dir keine Blöße sehen, sonst weicht er zurück." Wo diese Anschauung geschwunden ist, wird das Heiligthum selber zur Krücke für den Abfall, den es hindern und sühnen sollte. Dieser unglückselige Wahn hat unseren Staat, ÄaJ. in Trümmer gelegt. Fast zwei Jahrtausende leiden wir unter den Folgen dieses verhängntßvollen Jrrthums, und das Schattenjudenthum unserer Tage arbeitet mit seinem ganzen Fanattsmus darauf hin, diesen Jammer aufs neue heraufzubeschwören und das in einer ganz eigenen, erschreckenden Weise! So wie sich die Katastrophe vor unseren Augen vollzieht, waren doch in Betreff dieses Punktes die Zustände nicht, deren Schilderung wir aus unseren prophetischen Büchern kennen. Gab es auch damals Zeiten, wo „Israel seines Schöpfers vergaß und Tempel baute", mußte auch damals Gottes Wort an Jirmijahu ergehen: „Stelle Dich in das Thor des Gotteshauses und sprich: Höret Gottes Wort, ganz Jehuda, das durch diese Pforte geht, sich vor Gott zu bücken. So hat Gott Zebaoth gesprochen, bessert eueren Wandel und euere Thaten, dann will ich bei euch weilen an diesem Orte. Verlasset euch doch nicht auf die Lügenreden, welche (immer) sagen: Gottestempel, Gottestempel! — Gottes Tempel sollen sie selber sein!" War es somit dieselbe falsche Vergötterung des Gottestempels, die sich damals wie heute geltend macht, so liegt doch ein gewaltiger Unterschied zwischen Einst und Jetzt. Weil der Tempel mit seinem Dienste das gottentfremdete Leben sühnen sollte, war man wenigstens conscquent genug, Tempel und Tempel-

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