Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1895)
- Date
- 1895-02-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Um seinen Aussprüchen und Ralhschlägen mehr Gewicht und Geltung zu verschaffen, beruft sich unser Arzt sehr oft aus altere und neuere medict« nische Autoritäten. Als einer der tüchtigsten Gewährsmänner gilt ihm der arabische Arzt Jbu Zohr. „Er war — sagt er — der größte Mann, was die Erprobung der Heilmittel andetrifft, und derjenige, welcher sich am meisten mit Experimenten beschäftigte. Dazu besaß er auch die größten Fähigkeiten, erstens wegen feines großen Reichthums und sodann wegen seiner Erudition in der Medicin vor allen Andern. Es erzählten mir alle seine Schüler und Genoffen, die zu mir kamen — berichtet Maimuni weiter — daß er niemals ohne Goldgefäßc mit dem groben Theriak und ein Stück guten Smaragd war, weil er sich vor tödtlichem Gifte fürchtete." 2) Noch eine andere medicinische Abhandlung ist hier zu nennen, die Maimonides für den Sultan El Melik von Hamat, einem Neffen des großen Saladtn, verfaßt hat. Dieser Fürst, ein schwacher, hinfälliger Mann, der vom Jahre 1186 bis 1191 regierte, wandte sich an unfern jüdischen Arzt mit der Bitte, ihm diätetische Verhaltungsmaßregeln zu ertheilen und zur Restaurtrung seiner Gesundheit diejenigen Mittel anzugeben, die Leicht zu bereiten und von angenehmem Geschmacke sind. Maimuni schrieb nun für den hohen Patienten eine größere Abhandlung über das eheliche Leben (Coitus) und ertheilte ihm in derselben die gewünschte sanitäre Belehrung. So groß und unbestritten war Matmum's Ruhm, daß fremde Fürsten feine ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen. (Schluß folgt.) 2) Von dieser wichtigen Schrift haben sich noch 6—7 arabische Originale und ebensoviel Handschriften der hebräischen Uebersetzung von Moses ibn Tibbon erhallen. Von einer andern hebräischen Uebersetzung, die vielleicht von dem bereits genannten Serachja ben Jsak Schealtiel herrühi, ist in der Münchner Bibliothek nur noch die Vorrede vorhanden. Auch eine lateinische Uebersesung des Traktates üe yenenis befindet sich im Besitze von mehreren Bibliotheken, die einen Armengaud Blasius aus Montpellier zum Versager haben soll. M. Steinschneider war der erste, der diese medicinische Schrift Maimuni's aus dem vielhundertjährigen Schlummer im Staube der Bibliotheken an das Tageslicht hervorgezogen und im Jahre 1873 in einer ausgezeichneten deutschen Uebersetzung veröffentlicht hat. Abgedruckt in Virchov's Archiv für pathologische Anatomie Bd. 57 S. 62. „Gifte und ihre Heilung" Der gelehrte Arzt Rabbinowitz in Paris hat neuerdings eine französische Uebersetzung dieser Schrift geliefert. 3) Diese medicinische Abhandlung ist in arabischem Originale in München und theilweise in Oxford erhalten. Die hebräische Uebersetzung, deren Verfasser unbekannt ist, befindet sich in Wien und in Parma und auch im Besitze von M. Steinschneider. Vgl. Kobak's Jeschurun, deutsche Abtheilung, 5. Jahrg., S. 184 und hebr. Bibliographie 1861, S. HO Anmerk. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Mainz, 20. Febr. Der Ausschuß des Deutsch-Jsr. Gemeindebundes inBerlin versendet gegenwärtig an die Deutschen Jsr. Lehrervereine „Leitsätze für die Begründung eines allgemeinen Verbandes der Deuisch- Jsr. Lehre vereine", und läßt diesen ein Begleitschreiben vorangehcn, worin er die Vorstände der Lehrervereine ersucht: „ihr Gutachten über die Leitsätze — nach Einholung der Vota ihrer Mitglieder — bis spätestens Ende März d. I. dem Bureau des Gemeindebundes einzusenden; sobald der Vereinsvorstand den Beitritt seines Vereins zum Verbände beschlossen habe, schleunigst rach Punkt 8 der Leitsätze Delegtrte zu wählen, dann werde der Ausschuß des Gemeindebundes, im Falle die Voraussetzung des Punktes 11 (der Verband tritt in Thätigkeit, wenn mindestens 6 Lehrervereine mit Vs der Mitgliederzahl sämmtltcher Lehrervereine ihm angehören) erfüllt ist, die gewählten Delegirten nach Berlin zur Siatutenberathung und Constttuirung des Verbandes berufen." Der Ausschuß des D.-J. G.-B. scheint große Eile mit seiner beabsichtigten Einmischung in die Angelegenheiten der Lehrer zu haben, oder hat er es gar auf eine Ueberrumpelung abgesehen? Während die meisten Jahresversammlungen der isr. Lehrervereine erst in der Pfingstwoche oder in den Sommerferien abgehalten werden, stellt der Ausschuß des D.-J. G.-B. an die Vereinsvorstände das Verlangen bis spätest ens Ende Mär-, d. I. ihr Gutachten über die Leitsätze — nach Einholung der Vota ihrer Mitglieder — seinem Büreau zu übermitteln. Auf welche Weise sollen denn die Vereins- Vorstände die Vota ihrer Mitglieder etnbolen? Etwa auf schriftlichem Wege, ohne jeden vorherigen Gedankenaustausch in den öffentlichen Versammlungen? Hält denn der Ausschuß des D.-J. G.-B. die Lehrer für noch so naiv und unselbstständig, dag er glaubt, diese würden in dieser erstenBevo rm undüng und Ueberrumpelung des Ausschusses nicht schon jetzt ahnen, was ihnen bevorstehen würde, wenn sie sich unter die Oberaufsicht dieses Ausschusses stellen würden? (Der Ausschuß verlangt in Punkt 4 der Leitsätze das Recht, einen Dcputirten als 6. Mitglied in den Vorstand zu entsenden, der bei den Verhandlungen mit einer berathenden und beschließenden Stimme mitzuwtrken hat; in Punkt 9 daS Recht, vom Vorstand die Berufung eines Verbandtages binnen 6 Monaten verlangen zu dürfen; nach Punkt 10 erfolgt jährlich die Prüfung der Kaffe durch den D.-J. G.-B.) Der Ausschuß hat sich bisher, und das er-