Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-02-21 · Heft 15 (21.2.1895) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 15 (21.2.1895)
Date
1895-02-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448575--40245-2489150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

282 mehreren Jahren verstorbenen rühmlichst bekannten 22H rrrwi nyD’injyaLjy nvvv vnno pnun in Kleinerdlingen, Die Kunde von dem Ableben der einem Schlaganfall erlegenen hochgeschätzten Verstorbenen weckte nah und fern innige Theilnahme. Wer es nicht gewußt hätte, hätte sich aus den tiefempfundenen O'2OON, die der Heimgegangenen aus beredtem Munde gewidmet wurden, lebhaft überzeugen können, daß man hier die sterbliche Hülle einer Gotterfüllten Kämpferin, einer frommen Dulderin zu Grabe geleitet 221 12’1 D*1« HQDn 1inO*1. Bon Wehmuth ergriffen schilderte Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Pinchar Cohn unter Anlehnung an die Bibelstelle Jeremia Kptl. 14 VS 17 und unter sinniger Deutung mehrer trefflicher O’ttmö die ungeheuchrlte Frömmigkeit, das unerschütterliche Gottvertrauen, die bewunderungswürdige Gottergebung der teuren Toten, deren Scheiden ein schwerer Verlust, sowohl für die Gemeinde Kleinerdlingen als auch für die frommen Kreise der Judenheit bedeute. Auf dem Friedhofe zu Wallerstein widmete Herr Lehrer A. I. Wechsler aus Aschbach der Verlebten einen warmen Nachruf unter besonderer Herorhebung der seltenen Herzensgute und des in weitem Maße in zartstnniger echt jüd. Weise bethätigte« NON HO'üi von Seilender Dahingeschiedenen. Nach vollzogener ,2212p und erfolgter Rückkehr nach Kleinerdlingen, entrollte der ehrw. Herr Rabbinatskandidat Ansbacher aus Nürnberg der ungeachtet der stürmischen Witterung eigens OO.n 21222 erschienen war, ein Lebensbild der Entschlafenen. In rührender Weise schilderte der sehr verehrte Redner, wie Frau Ettenh. n"y für Alles Jüdische erglühte, wie dieselbe in freudigem, nie ermüdenden Eifer der gewiffenhaften Erfüllung der Göttl. Pflichtgebote oblag, so daß sie mit dem erhebenden Bewußtsein ihr Leben beschließen konnte: TO?n ruiDN pn, den Weg des Glaubens -in ich treulich gewandelt. Die außerordentlich zahlreiche Betheiligung bei map non legte sprechendes Zeugnis ab, welch hohe Achtung die Verblichene genoß und wie es dieselbe verstand, sich die 210 Dü 2512, die Krone eines guten Namens zu erringen. 221 nsjb nion y?2i. Hentlleto». Nur eine Tochter. K» Erzählung von H. Berger. 22.) (Me Rechte Vorbehalten. Wie ein kleines Kind folgte Willy feinem Pfleger. Derselbe ordnete ihm seine Kiffen, Willy legte fich um und verfiel bald in eine« leichten Schlummer. Herr von Gilsa war ein treuer Freund. Tagtäglich führte ihn sein erster Weg nach dem Krankenhause, wo er fich stets bei dem Oberarzte eingehend über seinen Schützling erkundigte. Kehrte er alsdann nach Hause zurück, so war sein erstes der Familie Pretortus Bericht zu erstatten. Er that dieses mit gewiffenhafter Gründlichkeit und vergaß niemals am Schluffe seines Briefes besondere Grübe für Anny beizufügen. Heute nun hatte chm der Oberarzt mitgetheilt, daß Willy fich außer Gefahr befinde, und daß er in vierzehn Tagen, wenn alles normal bliebe, schon Besuche empfangen dürfe. Der alte Herr war so glücklich darüber, daß ihm die Thränen in die Augen traten und er dem Arzte die Hand schüttelte. „Den Dank muß ich zurückweisen," entgegnete der Arzt lächelnd; „er gebührt einem größeren Arzte als wir Menschen sind. Dem Arzte droben im Himmel gebührt allein der Dank, daß er uns unseren Patienten am Leben erhalten hat, während in dem unglücklichen Hamburg täglich tausende der Seuche zum Opfer fallen." „Ist es eigentlich wahr," fragte Herr v. Gilsa j tzt, „daß, wie die Zeitungen schreiben, die Juden immun gegen die meisten Seuchen find?" „So im Allgemeinen wollen wir das nicht behaupten, aber es ist constatirt, daß sie viel weniger zu Krankheiten geneigt und viel widerstandsfähiger find, als Ntchtjuden." „Woher mag das wohl kommen?" „Das hat verschiedene Ursachen, unter denen die vorzüglichen hygienischen Religionsvorschriften und die Spetsegesetze obenan zu stellen sind." Der Freiherr lächelte und sagte: „Jetzt gehen Sie doch wohl etwas zu weit. Die Reltgions- und Speisegesetze sind schon über zweitausend Jahre alt. Denken Sie, welchen Fortschritt die Wissenschaft in dieser Zeit gemacht hat und wie wenig man in jener Zett von Bakterien und Mikrokokken wußte. Nein, Herr Dr. darin kann die Ursache dieser Erscheinung nicht zu suchen sein." „Doch, Herr Baron. Ich garantire Ihnen, wenn Sie genau nach den religiösen Vorschriften der Juden leben, daß Sie alt werden und so leicht keine Jnfecttonskrankheit bekommen. Dazu kommt, daß die Vorschriften über die Ehe wie über daS eheliche Leben so weise und nach allen Regeln der modernen Wissenschaft gegeben find, daß man sie nur bewundern kann. Eine Kleinigkeit, die gerade in der Jetztzeit von immenser Wichtigkeit ist. Der gesetzestreue Jude darf nichts genießen, ohne sich vorher desinficirt, d. h. die Hände gewaschen zu haben. Er kann also keine Ansteckungsstoffe mit den Händen zum Munde führen." „DaS ist Pedanterie. —" „Aber eine gesunde Pedanterie, Herr Baron, die wir Christen gerne von dem Volke GotteS accepttren können." Der Freiherr schüttelte über den Eifer des Arztes sein Haupt und empfahl fich. Er dachte an die Art und Weise, wie ein christlicher Hofpredtger von dem Volke Gottes sprach und dachte und verglich sie mit der, in welcher er soeben von einem Manne der Wissenschaft hatte sprechen hören. Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.