Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1895)
- Date
- 1895-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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279 trag, der Einsatz, mit dem wir daS Recht erkaufen in Gottes Welt zu athmen und zu leben. Wie gering auch Menschen darüber denken mögen, in GotteS Augen wiegt die freie, sittliche Menschenthat schwer, w\ww by yro^ 'n '&b n*m. Aeit«»gS»achrt«hter» mtb lkorrespoudeuzen. Deutschland. ArrS dem Grosiherzogthum Hessen. Unter der großen Anzahl von Stiftungen, welche die landesherrliche Genehmigung erhalten haben, befinden sich auch: 2 0 0 Mark von K a r o l i n e Krämer zu Höchst im Odenwalds an die isr. Religionsgemeinde und 928 Mark 50 Pf. von verschiedenen Personen an die isr. Religionsgemetnde zu Pfungstadt zur Erbauung eines Frauenbades. R. Worms. Es ist erfreulich zu sehen, welches Jntereffe der hiesigen Gemeinde selbst von auswärts zugewendet wird. Während dieselbe vor mehreren Jahren von einem Unbekannten eine prächtige rkvn für den Vorbeter aus Frankfurt a. M. (dort zur Post gegeben) zugesandt erhielt, wurde sie in den längsten Tagen wieder angenehm überrascht. Herr Hermann Katz in Frankfurt a.M., früher in Singapore wohnhaft, hat der hiesigen Gemeinde 8 äußerst prächtige Perlmutterplättchen, beim ^Aufrufen" verwandt, dedictert, in welche die hebräischen Benennungen 'w, jnwn u. s. w. in vortrefflicher Schrift eingebrannt sind. R. Aus der Rheiuprovinz. Die isr. Gemeinde D ü s s e l d o r f hat in den letzten Jahren einen neuen Rabbiner D r. David und einen neuen ersten Cantor, Hermann Zivi erhalten. Beide find trotz der kurzen Zeit ihrer Amtirung aus dem Rahmen der Gemeinde herausgetreten. Es ist noch Jedermann bekannt, wie Herr Dr. Daivd in einer Antisemitenversammlung zu D. S t ö ck e r persönlich entgegengetreten ist. Heute ist die Reihe an H. Zivi. Derselbe, vor seiner Ernennung zum Oberkantor in D. ein Schüler Humperdtnks, des Componisten von „Hänsel und Gretel", hat sich seitdem nicht ohne Erfolg in verschiedenen Compostttonen versucht. Nun hat ihm der zwischenzeitlich leider verstorbene Oberregiffeur des Düsseldorfer Theaters, Herr Haas, ebenfalls Jude und aus Ungarn stammend, ein Liberetto zu einer Oper geschrieben, die ihrer Vollendung bald entgegengeht. Die Ouvertüre wurde am 5. Febr. im Düsseldorfer Theater aufgeführt. Alle Recensenten stimmen darin überein, daß der musikbegabte Autor mit Verständnis die verschiedenen Stilformen studtrt hat und bei melodiöser Färbung des Ganzen seine Eomposition in straffer rhythmischer Folge durchzuführen bestrebt ist. Man ist nach Anhörung der Ouvertüre sehr auf die Oper gespannt. Wie wir hören, soll Herr Zivi, der voll und ganz auf dem Boden deS gesetzestreuen Judenthums steht, auch mit dem Plane umgehen, das nuun herauszugeben. ArrS Süddeutschland. Eine Geschäftsreise führte mich dieser Tage nach Heidelberg. In Mannheim hatte ich längeren Aufenthalt, den ich in der Restauration zugebracht. Während ich meinen Krug Bier trank, las ich eine Mannheimer Zeitung. Nicht wenig überrascht war ich, als ich unter den „Amtlichen Anzeigen" 2 Bekanntmachungen deS Amtsgerichts las, nach welchen der Kaufmann Eltäser Steinem in Mannheim, in Merchingen geboren, seinen Vornamen in LouiS und Kaufmann Moses Feitler in Mannheim, seinen Namen in Moritz umgeändert haben. Ich meine, Reflexionen hieran zu knüpfen, wären unnöthig, die Thatsachen sprechen genügend. ’sjm nun Berlin, 11. Februar. In der gestern statt» gehabten Sitzung der Repräsentanten wurde mitgetheilt, daß Frau Johanna Levy, geb. Salomon, der Armenkommission für die von ihr im Jahre 1881 begründete Stiftung behufs Entsendung armer Kranker ins Bad die Summe von 10,000 Mk. zugewendet hat. Durch verschiedene frühere Spenden der Frau Levy verfügte die mit 3000 Mk. begrün» dete Stiftung bereits über 11,000 Mk, so daß ihr Fonds sich nunmehr auf 21,000 Mk. beläuft. Gleichzeitig hat die Dame als „Siegfried Magnus Levy- Stiftung" dem ErziehungShaus in Pankow 20,000 Mk. überwiesen. Die Zinsen sollen zur wetteren Ausbildung der jungen Handwerker bez. als Beisteuer bet einer event. Etabltrung Verwendung finden. Die von Herrn Landsberger beantragte Dringlichkeit zur formellen Erledigung der Angelegenhett wird abgelehnt, da die Versammlung noch über einige den Ursprung der Stiftung betreffende Punkte formeller Art genauer unterrichtet zu fein wünscht. Berlin, 15. Febr. Die Beschränkung der jüdischen Einwanderung, welche in dem bekannten Anträge der konservativen Partei gefordert chird, biildete das Thema eines Borttages, den der Reichstagsabgeordnete Jakybskötter gestern im Deutschen Bürgerverein „Süd-Luisenstadt" hielt. Der Vortragende präzistrte zunächst seinen Standpunkt zur Judenfrage, indem er sich gegen den Raffen- und Radauanttsemittsmus aussprach. Es sei kindisch und kleinlich, die Frage durch Beschimpfung der Juden, durch Karrtktrungen, wie man sie in Bodek's deutschem Wtrthshause in der Friedrtchstraße finde, durch Trinkgelage rc. lösen zu wollen. Der Raffenantisemitismus habe keine Berechtigung, denn die Juden seien ebenso, wie andere Menschen, von Gott geschaffen worden. Einen höheren Standpunkt vertrete die deutsch-soziale Reformpartei; (Bergl. die