Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1895)
- Date
- 1895-02-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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270' mmmmmmm i der Unter-Prima zuerkannt. Ueberhaupt wird den jüdischen Schülern an sämmtlichen hiesigen Schulen, höher« wie niederen nichts zugeumthet, was ihre religiöse Gesinnung verletzen könnte. Lechenich, 13. Februar. Von antisemitischer Seite wird gegen uns nur zu oft der Vorwurf erhoben, daß wir bloß die Erreichung materieller Vortheile anstreben; dagegen verschweigt man dort die häufig zu Tage tretende Verfolgung idealer und humaner Ziele von jüdischer Seite. Einen glänzenden Beweis für die idealen Bestrebungen bei den Juden liefert die „Kölnische Zeitung" in ihrer heutigen Morgennummer unter den Mittheilungen über Kunst, Wissenschaft und Leben. Sie bringt in kurzen Umriffen den Lebenslauf eines Israeliten, der — trotz feines jüdischen Bekenntnisses — an einer öffentlichen, christlichen Anstalt als Leiter und Lehrer angestellt und fast 34 Jahre thätig war. Da der erwähnte Bericht der Köln. Zeit, auch die Leser dieses Blattes interessieren dürste, sei er hier im Wortlaut angeführt: „David Hirsch, der Direktor der Taubstummen-- schule in Rotterdam, einer der um das Unterichtswesen der Taubstummen hochverdientesten Männer, ist vor kurzem gestorben. Hirsch wurde 1813 in Müntz (Rheinpreußen) geboren, wurde in Köln zu seinem Berufe herangebilvet, leitete dann eine Taubstummenschule in Aachen und kam 1847 nach Holland, wo ihm die Erziehung der taubstummen Kinder des Professors Polano übertragen wurde. Ihm ist die Einführung der Sprachmelhode beim Taubstummenunterricht hierzulande zu danken, und da die Zahl seiner Schüler sich fortwährend vermehrte, so wurde dank dem Einfluß und der Verwendung einiger Männer am 23. Mai 1853 eine'Anstalt in Rotterdam gegründet, an deren Spitze Hirsch bis zum Jahre 1887 stand, in welchem er aus Gesundheitsrücksichten zurücktrat. Bald genoß die rotterdamsche Anstalt auch im Ausland einen hervorragenden Ruf. Auswärtige Fachleute, welche dieselbe besuchten, sprachen unverhohlen ihre Bewunderung über die glänzenden Ergebniffe der daselbst von Hirsch eingeführten Lehrmethode aus, und jedes Jahr, wenn die öffentliche Prüfung der Zöglinge in der lutherischen Kirche stattfand, drängten sich Hunderte von Neugierigen vor dem K rchenportal, um sich mit eignen Augen zu überzeugen, wie diese von der Natur so stiefmütterlich behandelten Geschöpfe dank der auf sie verwendeten Pflege und Sorgfalt in verhältnismäßig kurzer Zeit in den Stand gesetzt wurden, in dem einen oder andern geeigneten Lebensberuf für ihr Fortkommen selbst zu sorgen. An äußern Ehrungen hat es David Hirsch nicht gefehlt; er trug zwei niederländische Orden, war Officier der Akademie und gehörte verschiedenen gelehrten Gesellschaften als Ehrenmitglied an." Wie von einem hier lebenden Neffen des David Hirsch mitgetheilt wird, waren dem verdienstvollen Manne von Kindheit 'an der rechte Arm gelähmt und das rechte Bein kürzer. Der mit diesen Gebrechen Behaftete lernte eine Familie kennen, die 5 taubstumme Kinder hatte. Hier wurde sein Mitgefühl für die Hilflosen besonders rege und er faßte, selbst körperlich hilflos, den Entschluß, seine geistige Begabung in den Dienst der noch hilfloseren, taubstummen Kinder zu stellen und widmete sich dem so sehr schwierigen Berufe eines Lehrers der Taubstummen. Mit welchem Erfolge, das zeigt der vorerwähnte knappe Bericht. Beweist das eine Beispiel, daß der Jude sich dem Dienste der Wissenschaft gern und oft genug erfolgreich widmet, so dürfte nachstehende Mittheilung, die die Kölnische Zeitung der Obermoseler Zeitung entnimmt, unseren Gegnern zeigen, wie sich jüdischer Patriotismus äußert, den sie so gern den Juden absprechen und nur für sich in Erbpacht nehmen. In der Abendnummer vom 11. cr. berichtet die „Köln. Ztg." aus Luxemburg: „Ein Jubiläum, eigen in seiner Art, und wie es einzig in unserm Lande dastehl, hat dieser Tage Al fred Herz, Bureauchef der Fabrik Bert und Cie. am Cewralbahnhof, gefeiert; er hat nämlich den 300. deutschen De se rte u r nach Deutschland zurückbefördert. Die meisten, und zwar weitaus die meisten deutschen Deserteure wenden sich nach ihrer Fahnenflucht nach dem Großherzogthum, das sie, weil bei uns keine Militärpflicht herrscht, alS ein Eldorado ansehen. Seit den 19 Jahren seines Aufenthalts in unserer Stadt hat Herr Herz, der aus Merzig an der Saar zu Hause ist, es sich zur besondern Ausgabe gemacht alle Deserteure, die hier anlangen, zu bewegen, zu ihrem Regiments zurückzukehren. Er kommt, wie kein zweiter, in die Lage, mit diesen jungen Burschen in Berührung zu kommen; sobald dieselben hier ankommen, fragen sie nach irgend einer Beschäftigung und werden meist zur Berlschen Bettfabrik geschickt, wo es fast immer Arbeit und Verdienst gibt. Herr Herz nimmt sich seiner Landsleute, die gewöhnlich mit knappem oder gar leerem Beutel hier anlangen, in edelmüthigster Weise an, verschafft ihnen auf seine Kosten und mit Hilfe von Freunden und sonstigen mildthätigen Personen eine ordentliche Mahlzeit und, wenn es sein muß, auch Obdach für eine Nacht. Er redet ihnen dann kräftig ins Gewissen, macht sie auf die Folgen ihres meist unüberlegten Schrittes aufmerksam, und von zehn gelingt e8 ihm in neun Fällen, dieselben umzustimmen uns zu bewegen, zum Regimente zurückzukehren, wobei er für die Kosten der Rückfahrt und mitunter auch noch für einen Zehrpfennig Sorge trägt. Das dritte Hundert der von ihm auf diese Weise Zurückbeförderten hat er dieser Tage vollgemacht. Und daß die armen Deserteure froh sind, dem ihnen ertheilten Rath gefolgt zu haben, das beweisen die herzlichen Dankschreiben die regelmäßig an Herrn Herz eintreffen; anch von Militärbehörden sind an Herrn Herz Anerkennungsschreiben gerichtet worden, worin dieselben ihm für seine erfolgreichen Bemühungen ihren besten Dank aussprechen. Die lobenswerthe Mission, der sich Herr Herz in so opferwilliger und uneigennütziger Weise seit 19 Jahren widmet, ist um so höher anzuschlagen, als dieselbe mit nicht zu unterschätzenden Opfern verbunden ist." Beide Beispiele zeigen wohl zur Genüge, wie der Jude — selbst unter Darbringung materieller Opfer — jederzeit bemüht ist, zum Wohle unglücklicher Menschen, ohne Glaubensunterschied, zu wirken und wie er stets darauf bedacht ist, auch in der Fremde dem angestammten Vaterlande Ehre zumachen. Wie lange noch wird schnöder antisemitischer Undank fortfahren, durch absichtliche Verdrehung der Thatsachen die edlen idealen Bestrebungen der Juden in den Staub zu zerren?