Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1895)
- Date
- 1895-02-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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266 unberufenen b. h. unbesoldeten Aufrüttler, die einem HerzeuSdrange folgend gegen eingewurzelte Nebel ankämpfen, von den in ihrem süßen Schlafe gestörten Halbwachenden, bei größerer Annäherung einige wuchtige Seitenhiebe zu bekommen, aber die Prophetenworte: pn nwba» »mnon Mb 'Zv „Ich habe mein Antlitz dem Speiche! der Beleidigungen nicht entzogen" und das frohe Bewußtsein eines guten Erfolges haben immer vermocht selbst den Muthlosesten Kraft und Ausdauer zu verleihen. Auch wir stnd heute durch einen geistigen Erfolg ermuthigt unfern Weckruf fortzusetzen und verweisen wir unsere Freunde auf '»d nv yv rvo"), woraus klar und deutlich hervorgeht, daß eine Stätte zum Unterrichte für Kinder in den Anfangsgründen unserermin zu den Fundamentaltnstitutionen einer jeden jüdischen Gemeinschaft gehört; es ist dies eine Institution, die selbst in Städten, wo kein Rabbiner seine Funktionen ausübt, bestehen muß, damit jeder arm wie reich der heiligen Pflicht des om« omobi Dmjvi Rechnung tragen könne. — Sind einmal die Grundsteine gelegt, kann das Gebäude ruhig aufgeführt werden; wankt hingegen das Fundament, so zerfällt der aufgeführte Bau früher oder später. Warum sollen wir nun zögern und den völligen Verfall unserer nvo» »na und mtmo »na abwarten, die ja ohnedies nur noch die äußere Form und den schönen Namen haben, wenn es hohe Zeit ist ny '*■6 nivyb durch lehrreichen Jugendunterricht ihren Grund und Boden zu befestigen? Wenn wir gute Unterrichtsanstalten für nobn min besitzen werden, wird sich auch die Prophezeiung erfüllen: mirna »a ,mn» rjs nny «bi apy via» nny Mb »a .ixny» btnv» vip hmi »öv ivnp» laapa vnb» „Nicht mehr muß Jakob sich schämen, nicht mehr muß sein Antlitz erblassen, weil er seine Kinder steht, die meinen Namen in seiner Mitte heiligen und den Heiligen Israels verherrlichen." Salomon Kohn. > Vermischtes. *4- Jerusalem. Unser Glaubensgenosse, Herr Th. Jppen ist zum österreichisch-ungarischen Consul hiersebst ernannt worden. ES geschieht zum ersten Male, daß von einer europäischen Macht ein Jude mildem Lonsulat in Jerusalem betraut wird. Berichtigung. Da in einem Theil der Auflage bei Abdruck des WochenkalenderS die Angabe der Neumondstage unterlassen wurde, so folgen solche hier untenstehend: Goautag, 24. Februar, 30. Schebath. n"TJ 'N Dl» Montag, 25. Februar, 1. Adar. n“Yl '3 Dl» Aeuilleto«. Nur eine Tochter. K» Erzählung von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten. „Lieber Vater," flehte Anny, „vergilt nicht Böses mit Bösem. Laß mich Hinreisen; ich kehre gesund mit Willy wieder." „Nein, nein, in keinem Falle. Wenn die Ansteckungsgefahr vorüber ist und der liebe Gott erhält Willy am Leben, will ich mit Dir Hinreisen und den Rekonvalescenten nach Hause holen, damit Du ihn wieder aufpflegen kannst." „Ist das Dein letztes Wort, Vater?" „Es ist mein fester Wille, und ich hoffe, daß Du ihn achtest." „So möge Gott sich seiner erbarmen. Ihn hat das schrecklichste Loos betroffen, das ich mir denken kann. Krank sein ist schon schlimm, aber krank unter fremden Menschen zu liegen, die kein Gefühl für den Kranken haben, denen er nur ein Kranker, ein Patient, eine Sache ist, das lieber Vater ist das Schrecklichste, was ich mir denken kann." Und schwere, dicke Thränen rollten über ihre Wangen. Aber Dr. Pretorius blieb diesesmal selbst den Thränen seiner schönen Tochter gegenüber fest, und so mußte man sich mit den dürftigen Nachrichten begnügen, welche ein von Herrn von Gilsa bezahlter Wärter täglich in die Heimath gelangen ließ. Mit welcher Sehnsucht, aber auch mit welcher Angst erwartete Anny stets die Post! Wie freute sie sich, wenn auch nur etwas Besserung zwischen den Zeilen zu lesen war! Wie traurig war sie, als der Wärter den Zustand für hoffnungslos erklärte! Wie flehte sie zu dem Allmächtigen, daß er seine schützende Hand über den Kranken ausbreiten und chn Genesung finden lasten möge! Während hier um das Leben und die Gesundheit Willys gebetet wurde, schimpfte die Familie Toussaint über ihn und betrachtete ihn als die Ursache aller Unannehmlichkeiten, die sie in Folge des Krankheitsfalles betroffen. Anstatt Gott zu danken, daß er sie selbst verschont hatte, war man unbarmherzig und roh gegen den Armen, den seine Hand so schwer getroffen. Dr. Pretorius sah, wie schwer es seiner Tochter wurde, seinem Willen Folge zu leisten und er war deshalb noch gütiger und aufmerksamer gegen ste. Er verzog sie wie ein kleines Kind, und wenn Fanny ihm scherzhaft darüber Vorwürfe machte, sagte er zu seiner Entschuldigung: „Ach, ich habe ja doch nur eine Tochter."