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Der Israelit · 1895-02-18 · Heft 14 (18.2.1895) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 14 (18.2.1895)
Date
1895-02-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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264 Leben pulsire in jedem Hause, in jeder Familie und in jeder Gemeinde. „SDftrn nur in entsagender Hingebung an Gott, „in gewissenhafter, strengster und pünktlichster Beobachtung aller seiner Gebote liegt allein das „Mttel und hat eS in der Jahrtausende währenden „Leidens- und Prüfungsgeschichte Israels gelegen, „allen auch den blutigsten, bittersten undgehäfstg- „sten Stürmen und Angriffen zu begegnen und mit „Ruhe und Zuversicht in die Zukunft, auf Gottes „Schutz und Schirm hoffend und dem erhabenen „Vorbild unserer Ahnen, Abraham, Jizchak und „Jakob folgend zu blicken; aber niemals im „Wissen und der Beredsamkeit seiner nur mit „weltlicher Wissenschaft auSgestatteten Anwälte, „Doktoren und Professoren, bezw. der Gelehrten, „die mit blasirter Nonchalance oder hochmüthiqem „Naserümpfen sich das Recht oder gar die Pflicht „oktroieren über die Gebote des Allmächtigen sich „stolz hinwegsetzen dürfen." — „Darum; wach' auf, mein Volk, ehe noch die „Flammenzeichen rauchen, reibe den Schlaf aus „deinen Augen und schüttle den Staub der Sünde „von deinem Haupte und kehre zurück zu deinem „Gotte!! Dann wird es keiner Ahlwardt und Genossen bedürfen, um dem Juden sagen zu müssen, daß und wie er Jude sei. — Wenn nun nach den Worten des Talmud 48 Propheten und 7 Prophetinnen nicht vermochten, was der König Achaschwerosch durch die Uebergabe seines Ringes an Haman bezweckte, wenn Rabbi Akiba das Eintreffen der schlimmen Prophezeiungen deshalb freudig begrüßte, weil dann auch das Eintreten der Glück verheißenden nicht mehr zu bezweifeln ist — dann laßt sich, von diesem Standpunkte, das Gebühren Ahlwardts und Genoffen nur zu gut erklären und wenn diese, was sie sicher nicht beabsichtigen, dazu beitragen, Juda auf die Ursachen seines Verfalles und auf die Wege und Mittel seiner Rückkehr zum Ewigbarmherzigen geleitet zu haben, daß es stets bleibe, was eS sein soll — eine Leuchte für die Völker, unter denen eS friedlich wohnen möchte, seinem Gotte von ganzem Herzen dienend und dem Könige, dann — ja dann haben auch Ahlwardt und Genoffen ihre Mission erfüllt!! Um vielfachen Nachdruck bittet! Vcritäs ÄuS Schlesien, 8. Februar wird geschrieben : Einen recht verdrießlichen Schluß nahm die Feier deS Geburtstages des Kaisers in einem durch seinen guten Ungarwein bekannten oberschlesischen Städtchen. Der Bürgermeister, der seiner Zeit den Staatsdienst guittirt hat und Reservelieutenant ist, er erschien zum Festessen an Kaisers Geburtstag in Offiziersuniform. An dem von den Spitzen und höheren Kreisen der Bürgerschaft besuchten Essen nahmen auch der Stadtverordnetenvorsteher und ein Referendar des dortigen Amtsgerichts theil, die beide jüdischen Glaubens sind. Im Laufe der Festfeier, die nach Aufhebung der Tafel in einem anderen Lokale fortgesetzt wurde, gerieth der Bürgermeister nach und nach in eine Stimmung, die der Volksmund mit dem Namen „Weinlaune" zutreffend bezeichnet, und so kam es, daß der Magistratsdtrigent im Kleide des Königs den Stadtverordnetenvorsteher, einen ehrwürdigen hochangesehenen Man von 60 Jahren, und den bezeichnten Referendar mit allerlei antisemitischen Redensarten belästigte. Auf die Mahnung, nach Hause zu gehen und seinen Rausch auszuschlafen, hatte der Bürgermeister nur die Antwort, der Stadtverordnetenvorsteher sei ein „dummer Judenjunge." Der so lange gehänselte alte Herr trat in Folge dieser Beleidung auf den Bürgermeister zu und versetzte ihm ein paar schallende Ohrfeigen. Der Bürgermeister zog seinen Degen und wollte damit auf den Stadtverordnetenvorsteher eindringen, wurde jedoch daran gehindert und zur Ruhe gebracht. Dieser Vorfall hat begreiflicherweise peinliches Aufsehen hervorgerufen und wird noch die zuständigen Behörden, Strafwie Verwaltungsbehörden beschäftigen. Aus diesem Nachspiel dürfte der untsormirte Bürgermeister schwerlich als Sieger hervorgehen. Ansbach, 13. Februar. Herr Dr. P. Kohn aus Mannheim wurde zum Districtsrabbiner für den Kreis Ansbach ministeriell bestätigt. Metz. Wenige Städte Deutschlands können ein jüdisches Krankenhaus (Losxies, Hospitale Israälite) aufweisen, wie dasjenige von Metz. Bet meinem öfteren hiesigen Aufenthalte hatte ich mehrfach Gelegenheit, dem Gottesdienste am na# im Hospice beizuwohnen, da mir der Orgelgotresdienst den Besuch der großen Synagoge nicht gestattet. Am Meisten intereffirte mich hier eine ehrwürdige patriarchalische Gestalt, Rabbi Jakow, ein Mann im 100. Lebensjahre, der mit bewunderungswürdiger Geisteskraft dem Studium unserer heil. Thora obliegt. Er steht sogar jetzt * im strengen Winter Morgens 5 Uhr auf, um min zu lernen, ein Vorbild, das leider so wenig Nachahmung findet. Aus Rußland gebürtig, kam er vor etwa 70 Jahren blutarm hierher, arbeitete als Taglöhner und verdiente sich durch rastlosen Fleiß ein Vermögen, dessen Zinsen ihm nun ein sorgenfreies Alter gestatten. vv' *pK» *n H. C. Oesterr.-Ungar. Monarchie. 8. H. Wien, 12. Febr. Der an Stelle des verstorbenen Kardinals-Fürstbischof Dunajewski zum

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