Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1895)
- Date
- 1895-02-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448559-2448574--40225-2489129- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WWWMWWM^WW, 263 Band gefunden, das alle Mitglieder einer israelitischen Gemeinde verbinden muß. Wer in diesem Sinne zur Unterhaltung und zum Ausbau unserer Heiltgthumer beitragt, der erwirkt im eigentlichen Sinne Sühne für den Schaden der Unzulänglichkeit in seiner Seele. Ist die eigene Kraft zu schwach, die gemeinsame ist stark; ist die eigene Frömmigkeit nur unzulänglich, die gemeinsame wird Hinlängliches erstreben; ist der eigene Elfer oft schlaff, die gegenseitige Anregung wird ihn wieder erwecken; ist die eigene Tugend vom Ziele wett entfernt, die gemeinsame Anstrengung wird sie demselben näher bringen. So hat die Thora durch die Schekelspende ein Organ geschaffen, durch welches die israelitische Volksseele ihre edelsten Regungen im Erstreben des Einklanges zwischen dem besten Wollen und seinem Vollbringen ausdrücken kann. Wer seine eigene Person von diesen edlen Schwingungen und Erweckungen durchdringen läßt, der erwirkt damit Sühne für seine Seele. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Aus Bayern. Gestatten Sie mir, als Leser Ihres Blattes seit dessen Gründung, die Bitte, meine Gedanken über das Auftreten Ahlwarts in Nürnberg und andern deutschen Städten in schlichten Worten zum Ausdrucke zu bringen. — A., den jeder halbwegs denkfähtge Zeitungsleser kennt, fühlte sich berufen oder wurde berufen, doch wohl nicht, um in München und speziell in Nürnberg gegen Junker und Pfaffen zu donnern; denn dazu liegt für ihn und seine Genossen doch wohl kaum ein Grund, eine Ursache vor; sondern jedenfalls ausschließlich, um gegen die Juden zu sprechen. — Ich gehe durch die Straßen Nürnbergs, fast in jeder lese ich Firmentafeln mit Namen, deren Klang auf die semitische Abstammung ihres Besitzers hinweist; aber — Hand aufs Herz — hat jeder dieser Ladenbesitzer, hat auch nur ein verschwindend kleiner Bruchtheil derselben A. Gelegenheit und Veranlassung gegeben, sie als Jude« anzugreifen? Ja. ich gehe einen Schritt weiter; weiß jeder dieser Herren selbst, die sich oft im Glanze griechischer, römischer oder s. g. allgemeiner Bildung sonnen, denen oft das Lesen schlechter, französischer, Geist und Gemüth verpestender Romane als Haupterfordernis ihrer Bildung gilt, denen aber die Bibel, die sie von ihren Kinder-und Schuljahren her kaum mehr vom Hörensagen kennen, mit den herrlichen Worten der Propheten, den begeisternden, erhebenden und tröstenden Psalmen des gottbegnadete» Sängers ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch ist, was das Wort Jude bedeutet; welche Pflichten, Entsagungen und Opfer denen obliegen, die nicht bloß Namenjuden sein wollen? Wissen alle die Herren und Damen, die um ein paar Meter Tuch, um ein paar Säckchen Hopfen, um einige Prozente, die an Staatspapteren und andern Maaren zu verdienen sind, ihren Gott verleugnen, indem sie das Fundamenlalgesetz d.s Jadenthums, den Sabbat abrogiren; wissen die, welche, um nichtjüdische Gebräuche nachzuäffen, Orgeln in die Synagogen etnführten, die altjüdische Damenhaartracht ablegten, die Speise- und Ehegesetze täglich verletzen, die den echten, wahren Juden täglich, ja stündlich heiligen, wissen die, welche Religionslosigkeit als Bildung erachten was das Jude sein bedeutet, welchen Hochgenuß für Zeit und Ewigkeit treue bewußte Erfüllung der Pflichten und Gebote der jüdischen Religion bietet, verbunden mit dem Wissen, welches nur das eifrige Forschen im ewig lebendigen Borne des ewig, wie Gott selbst, der es im Donner auf Sinai offenbarte, fortwirwirkenden und die Menschheit, trotz allen AnkämpfenS und Wüthens finsterer Höllenmächte und trotz mancher Verirrungen, dennoch erwärmenden Gotteswortes verleihet I Ich glaube nicht!! — Denn wäre nur in allen jüdische« Häusern diese Erkenntniß durchgedrungen, wären besonders alle jüd. Frauen, die im jüd. Hause Prtesterinnen des Glaubens und treuen Festhaltens am Hergebrachten sein sollen und dies auch äußerlich durch die Haartracht zu bezeugen haben—denn nur die ehebrecherischen jüdischen Frauen hatten das sie entwürdigende Recht, ja die Pflicht, entblößten Hauptes etnherzugehen —dann würde dieses Herumhüpfen auf beiden Zweigen, wie der Prophet Elia sagt, ein Ende haben. Es würden die traurigen, nicht abzuleugnenden Thatsachen in deutschen Landen schwinden, daß Rabbinen, Lehrer und Cultusvorstände selbst die Hand bieten und geboten haben, einzureißen, statt aufzubauen. Es würde die Jugend nicht aufwachsen ohne Kenntniß des Nothwendigsten, der Religion, die sie stählen muß, um gegen die Anfechtungen des Lebens gerüstet zu sein und stets einen festen Rückhalt zu finden, es würde die Charakterschwäche ein Ende haben, die sich darin dokumentirt. Jude genannt zu werden, es aber nicht zu sein, es nicht sein zu wollen. Möchte doch das Feuer der Begeisterung, die das kleine Häuflein der Makkabäer zum todesmuthigen Ausharren gegen griechische Heeresmacht ermannte, allen Männern und Frauen meines Volkes voranleuchten und sie kräftigen im Kampfe gegen den Feind im Herzen und sie zu treuem, unentweAen Fffthalten am Horte Israels in jeder Zeit ermuthigen, damit wieder echtes, frisches, fröhliches, religiöses