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Der Israelit · 1895-02-18 · Heft 14 (18.2.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 14 (18.2.1895)
Date
1895-02-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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262 Stellen am stärksten trifft, diese Art der Besteuerung ist nach den Grundsätzen der Thora ausgeschlossen. Nur das vorliegende Gesetz scheint eine Ausnahme zu machen, v'pv' t*b Hm mm T»yn .D3W»w H n nenn rix nrfr bpvrt rnsnoo Der Reiche soll nicht mehr, der Arme nicht weniger als einen halben Schekel für die Hebe des Ewigen geben, um für eure Seelen zu sühnen. Gerade die scharfe Sp'tze, welche dieses Gesetz gegen unsere Erwartungen richtet, läßt eine besondere Absicht vermuthen. Ist unser Gerechtigkeitsgefühl geneigt, dem Reichen eine höhere Steuer aafzuerleg-n, so will das Gotteswort gerade dies ausgeschlossen wissen, sind wir aus gleichem Grunde den Beitrag des Armen herabzumindern geneigt, so wird dem wiederum ein Riegel vorgeschoben. Nach dem augenblicklichen Stand der Dinge ist wohl anzunehmen, daß die Reichen sich diese Zurücksetzung wohl werden gefallen lassen, fraglich jedoch scheint es immerhin, ob die Armen in gleichem Maße von der Gleichstellung mit den Reichen werden erbaut sein. Werden sie dieselbe nicht viel mehr als eine Ueberlaftung empfinden und dies auch mit schein barem Recht? Werden sie dagegen nicht geltend machen, daß die Thora hier alle die zarten Rücksichten mit Absicht verwirft, die sie doch sonst in so vielen Gesetzen zu Gunsten der Armen bezeugt? Da wir unmöglich die Thora eines so schreienden Widerspruches in ihren wichtigsten Grundsätzen zeihen können, so drängt sich uns die Annahme auf, daß auch dieses Gesetz im Einklänge steht, mit allen denjenigen, welche die Schonung der Armuth bezwecken, ja daß eS einen Ausfluß derselben eigentlich bildet. „Der Reiche soll nicht mehr geben", damit er, der sonst überall im Genüsse von Vorrechten und Vorzügen steht nicht auch in dieser Hinsicht solche für sich in Anspruch nehme. „Der Arme soll nicht weniger geben", damit er, der sonst zurück gesetzt und benachtheiligt wird, nicht auch hier zurück gedrängt werde. Was allgemein als einen saure Steuerlast ausgenommen wird, das will die Thora als ein wohlthuendes Steuerrecht aufgefaßt wissen. Nun ist allerdings nicht in Abrede zu stellen, daß dem heutigen Geschlechte diese Gefühle abhanden gekommen sind. Es ist nicht mehr in der Verfassung, die Wohlthaten empfinden zu können, welche vom Standpunkte des Gotteswortes als solche geboten werden. Würden wir, wie voraus gesetzt wird, in npio Hx nnwp im Dienste des Heiligthums die höchste Errungenschaft unseres Lebens erkennen, dann wäre seine Unterhaltung für uns ein Glück, das wir als eine Auszeichnung, die Ausschließung von derselben ein Unglück, das wir als eine liefe, kränkende Zurücksetzung betrachteten. Allein es ist der Thora j weniger darum zu thmi, uns die Erkenntnib beizubringen, wie sehr sich die Stellung unseres Herzens zu unseren Heiligthümern verschoben hat. als vielmehr Anleitung zu geben, wie die wahre Stellung wieder zurückgewonnen nnd für alle Züten dann behauptet werde. In diesem Bestreben wird uns der „halbe Schekel" als eine Anleitung zu einer unbefangenen S lbsterkenntniß dargeretcht, und seine Darbietung soll dann den Ausdruck für das tiefe Bedürfnis, Sühne für unsere Seele zu erwirken bilden. Solange wir in der trügerische Selbstv rherrlichung unS täuschen, daß wir es zu dem äußersten Maß der Vollkommenheit gebracht haben und es nun an der Zeit sei, das Werk unserer Bcsserung, Veredlung und Läuterung abzuschließen, so lange wird einem gewiß die Nothwendigkeit. Hetligihümer zu diesem Zwecke unterhalten zu müssen, nicht einleuchten. Alle Aufwendungen in dieser Richtung werden alsdann als über flüssig und demzufolge auch als Last erscheinen. Die Thora hat jeooch eine höhere Meinung von dem Menschen. Wohl uns, daß sie uns beigebracht wird! An dem Tage, an welchem der Mensch seine Besserung und Veredlung für abgeschlossen hält, an demselben hat er in Wahrheit den tiefsten Standpunkt erreicht. Folgt man aber den Spuren unserer besseren Triebe und edleren Kräfte, wer sollte da nicht finden, daß er kaum die Hälfte der hohen Ziele an Tugend, Edelmuth und Frömmigkeit erreicht hätte, welche uns von der heiligen Lehre gesteckt sind! So lehrt uns der „halbe Schekel" zunächst erkennen, wie weit wir in unserem Vollbringen hinter unserem bessern Wollen zurückgeblieben sind. Ja, wir sind kaum daS zur Hälfte, was wir eigentlich ganz zur Darstellung bringen sollten! Wäre es nicht eine Schmach und tiefe Selbsterniedriguna, wenn wir widerstandslos uns dieser traurigen Erkenntniß sollten gefangen geben! Soll diese Einsicht uns herabziehen, oder vielmehr den kräftigen Antrieb geben, unsere Erniedrigung zu überwinden? Dem Bedürfntß, den Schaden unserer Unzulänglichkeit zu beheben, kommt das Gotteswort entgegen. Der halbe Schekel soll ijjid hm zum Dienste des Stiftszeltes verwendet werden, um dadurch zugleich Sühne für unsere Seele zu erwirken. Sind wir jedoch zu schwach, um das hohe Ziel an Tugend und Frömmigkeit, das wir in unserem Herzen tragen, und dessen Spiegel das Gottesworr uns vor Augen stellt, zu vollenden, nun, so müssen wir Verstärkung suchen. Da wir bei allen, die auf dem gleichen Standpunkte der Erkenntniß und der bescheidenen Selbstschätzung stehen, das gleiche Bedürfniß und dasselbe ^Streben, demselben abzuhelfen, voraussetzen dürfen,^soZist damit das innigste, weil rein geistige

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