Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1895)
- Date
- 1895-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVI. Jahrgang. M 14, Der Israelit. Ein Kenlrak-Grgan für das orthodoxe AudenIHum. ' Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 18. Februar 5655 (1895). Leitender Artikel. Hin öiökifches Steuergesetz. Betrachtung zu nat* von Rabbiner Dr. Daniel Fink, Zwittau. ^>p>vn rvsriDö bw xb ^nrn naT|*6 Tryn .oa’nne©! by 'i nenn n« Der Reiche soll nicht mehr, der Arme nicht weniger als einen Halbei Schekel für die Hebe des Ewigen geben, um für eure Seelen zu sühnen. (2. B. M. 30. 15 ) Derjenige Finanzminister, welcher seiner Volksvertretung eine Steuervorlage unterbreiten wollte, ähnlich derjenigen, deren Grundsätze wir soeben vernommen, könnte sicher sein, daß sie einstimmig verworfen würde. — Daß Steuerzahlen zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehört, wird selbst ihr größter Gönner nicht behaupten. Das drückt schon der formenbildende Sprachgeist in seinen unbewußten Trieben aus, indem, .er die Steuern schlechthin Lasten nennt, jedenfalls infolge der Beschwerden. die sie demjenigen bereiten, der sie zu tragen hat. So redet man von Staats-, Stadt- und Cultusgemeindelasten. Nicht zum mindesten werden gerade die letzteren als drückend empfunden. Weniger deswegen, weil sie so unerschwinglich hoch und die Leistungsfähigkeit so weit übersteigen — denn man hat noch nie gehört, daß irgend ein Israelit an diesen Steuern seine Kräfte erschöpft hätte. Der Grund dieser Erscheinung liegt wo anders. Hier fehlt oft der Zusatz an bitterem Salz, der jede andere Steuer schmackhaft macht. Wenn sonst die bittere Nothwendigkeit, sie zahlen zu müssen oder die völlige Aussichtslosigkeit sie von sich abwälzen zu können, schließlich mit jeder Steuer aussöhnt und sie erträglich macht, so wollen gerade manche Israeliten den Cultussteuern gegenüber zu dieser Erkenntniß und zu solchem Zugeständniß sich nicht bequemen daß sie ihnen so gar lästig erscheint. Auch der hebräische Sprachgeist hat die Steuern gerade nicht mit den zärtlichsten Empfindungen begleitet. So werden sie hier als D?, von D?S abzuletten, der Aufreibende, oder ddd, von abzuletten, die AuSfchlachtung bezeichnet. Nun ist ja ohne weiteres klar, daß der Bolksgetst bei Formung dieser Ausdrücke sich nur von den gröberen Instinkten des Geizes und der Eigensucht hat leiten lasten, gleichsam nur den äußeren Eindrücken nachgebend, ohne zu bedenken, daß ohne Steuern keine Gemeinschafts- Mittel und ohne diese keine Gemeinschaft mit allen großen, heiligen Errungenschaften als Sicherung des Lebens, Etgenthums, der Ehe, Ehre, Arbeit und der Förderung aller Wohlfahrtsetnrichtuugeu bestehen können. Die geläuterte Sprache und Auffassung der Religion bezeichnet die Steuer, besonders die Cultussteuer jedoch als *9*9, von an abzuleiten, eigentlich die Erhebung. Das Eigenthum, sonst dem nieder« Triebe des Eigennutzes dienend, der vielfach in Eigensucht ausartet, soll durch die Zuwendung eines Theiles zu allgemeinen, oder frommen Zwecken in den höheren Kreis rein sittlicher Begriffe erhoben, gleichsam geadelt werden. Wenn also nicht zu leugnen ist, daß die naturwüchsige Volkssttmmung mit einer gewissen Verbitterung die auferlegten Steuern betrachtet, so konnte hier nur der eine Umstand versöhnend wirken, die Erkenntniß nämlich, daß die Last der Kraft angemessen verthetlt wird. Die stärkere Kraft wird zu größeren, die schwächere zu geringeren Leistungen herangezogen. Dies ist auch der leitende Gesichtspunkt aller biblischen Steuern bei den Abgaben für die Unterhaltung der Priester, Leviten und Armen ’iy -\»yoi ihmo -iryo nonn. Eine Verbrauchssteuer auf Gegenstände, die zum Lebensunterhalt gehören, und die ohne Wahl und Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit belasten, gleichen einem scharf schneidenden, blinden Werkzeuge, welches die Schwachen an den wundesten